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vom 06.03.2018, aktuelle Version,

Anschlussdenkmal Oberschützen

Das „Anschlussmahnmal“ in Oberschützen

Das „Anschlussmahnmal“ in Oberschützen im heutigen Burgenland ist eine tempelartige Anlage aus Stein, welche die Nationalsozialisten 1939 anlässlich des „Anschlusses“ Österreichs 1938 errichteten. Es gilt als das größte derartige nationalsozialistische Mal auf österreichischem Boden. Erst 60 Jahre später wurden 1997 mit einer Tafel des Gemeinderats die Reste des Nazi-Denkmals als Mahnmal zu Frieden und Achtung der Menschenrechte erklärt.

Errichtung und Ausgestaltung

Der Spatenstich zum Bau der Anlage erfolgte am 7. Oktober 1938 durch Kreisleiter Eduard Nicka in Anwesenheit des Gauleiterstellvertreters der Steiermark, Tobias Portschy, der die Schirmherrschaft des Projektes übernommen hatte.

Das Denkmal wurde in den nächsten Monaten unter Mithilfe der gesamten Bevölkerung – darunter Bauern, Beamte, Lehrer, Schüler und Studenten – und der Hitlerjugend auf einer Kuppe zwischen Oberschützen und Bad Tatzmannsdorf auf Grundlage der Entwürfe von Architekt Rudolf Hofer schrittweise fertiggestellt. Das Baumaterial stammte aus den Steinbrüchen bei Bad Tatzmannsdorf.

Am 21. Mai 1939 erfolgte schließlich die Einweihung des Denkmals durch den Gauleiter Siegfried Uiberreither in Anwesenheit Portschys, Nickas, hoher Parteifunktionäre aus den Nachbargauen sowie von Abordnungen zahlreicher nationalsozialistischer Organisationen.

Das Denkmal bestand aus einem weiträumigen Säulenhof von acht Metern Höhe und zwölf Metern Breite mit viereckigem Grundriss. In seiner Mitte befand sich ein Sockel mit einem etwa zwei Meter hohen, nach Südosten blickenden Reichsadler mit Hakenkreuz, der von acht Feuerpylonen umgeben war.[1]

Nachkriegszeit

Sockel inmitten des Denkmales, auf dem sich der Reichsadler befand.
Gedenktafel

Als die sowjetische Armee 1945 im Gebiet des heutigen Burgenlands einmarschierte, wurde der Reichsadler im Inneren der Anlage zerstört (Berichten zufolge mit einer Panzerabwehrkanone zerschossen) und die Feuerschalen beseitigt. Das frühere Aufmarschgelände um das Denkmal wurde bald wieder landwirtschaftlich genützt. Zwar sind heute alle NS-Symbole entfernt, die Architektur des Denkmals ist aber noch erhalten.

Seit Langem wird über seinen Abriss diskutiert. Umwidmungen des Grundstückes in Besitz der öffentlichen Hand scheiterten an der Vielzahl der privaten Besitzer mit unterschiedlichen Anteilen.

Mitte 1995 beschloss der Gemeinderat die Anbringung einer Tafel mit dem Wortlaut:

„Errichtet 1939 als Denkmal für den Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland. Möge uns diese Stätte heute und in Zukunft ein Mahnmal sein: gegen Diktatur, gegen Gewalt, gegen Rassismus – für Demokratie, für Frieden und für die Wahrung der Menschenrechte! Gemeinde Oberschützen, 1997“.

Ähnliche Objekte

Ähnliche Denkmäler in Österreich wurden in Rosegg an der Drau, in Sankt Margarethen ob Töllerberg bei Völkermarkt, in Burgau in der Steiermark und in Amstetten errichtet.

In Oberschützen wurde schon 1931 ein sogenanntes „kleines Anschlussdenkmal“ in Form eines Gedenksteines errichtet. Anlass war die Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich, die sich in jenem Jahr zum zehnten Mal jährte. Es steht außerhalb der Ortschaft an einer leicht erhöhten Stelle an der Straße nach Jormannsdorf. Die Form des Gedenksteines orientierte sich an der traditionellen, schlichten Form des altgermanischen Opfersteines. An der Vorderseite des Steines wurde der Schriftzug „Deutsch allezeit“ angebracht. In der nationalsozialistischen Zeit diente es bis zur Errichtung des „großen Anschlussdenkmals“ als Ort für politische Kundgebungen.

Einzelnachweise

  1. Oberwarther (sic!) Sonntags-Zeitung, 60. Jg. 1939, Nr. 24 vom 11. Juni 1939, Seite 6

Literatur

  • Wolfgang Krug: Last der Erinnerung. NS-Denkmalskult am Beispiel Oberschützen. Edition lex liszt 12, Oberwart 1998, ISBN 3-901757-07-4.
  Commons: Anschlussdenkmal Oberschützen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Zum Verständnis der damaligen Einstellung aller politischen Kräfte:

Beim Landesparteitag der Sozialdemokraten im Mai 1931 erklärte Nationalratspräsident Karl Renner: „Das Burgenland ist eingeschlossen in die große deutsche Gemeinschaft. Dadurch öffnen sich ihm die Pforten Deutschlands geistig und materiell. Und wir werden es durchsetzen, dass dieser Anschluss vollzogen wird. Die burgenländische Sozialdemokratie auf alle Zeiten mit der österreichischen Sozialdemokratie verbunden, das Burgenland eins mit Österreich, das Burgenland und Österreich eins mit der großen deutschen Nation." Aus: „Stramme Steine“ – Die Presse, 24.3.2018 S. III

-- Diem Peter, Sonntag, 22. April 2018, 16:35