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vom 12.12.2017, aktuelle Version,

Liebfrauenkirche Bischofshofen

Liebfrauenkirche, rechts davon die Pfarrkirche hl. Maximilian (2011)

Die Filialkirche Unsere liebe Frau, örtlich schlicht Frauenkirche, ist eine römisch-katholische Kirche in der Stadt Bischofshofen im Bezirk St. Johann im Pongau im Land Salzburg. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Vorkirchen lassen sich durch Befunde auf um 1000 zurückführen, es wurden aber auch Hinweise auf römisches Mauerwerk festgestellt. Erste urkundliche Erwähnung ist 1359. Der Bau in seiner heutigen Erscheinung stammt, von den älteren Bauresten abgesehen, aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts (Chor 1440, Langhaus wenig später). Bis 1403 war diese Kirche die Pfarrkirche des Ortes, die heutige Maximilianskirche die Klosterkirche der Augustiner (Auflösung und Umwandlung in den Verwaltungshof der Chiemseer Bischöfe).

Heute wird die Kirche nicht mehr regelmäßig für Gottesdienste genutzt, aber die evangelische Gemeinde Bischofshofen und St. Johann im Pongau, deren beide Kirchen zu klein sind, feiert hier die Konfirmationen.

Architektur

Die Filialkirche steht erhöht auf einer Geländestufe im Westen der Pfarrkirche hl. Maximilian. Der gotische Kirchenbau unter einem Satteldach hat abgestufte Strebepfeiler und Spitzbogenfenster mit neugotischem Maßwerk. Es gibt außen Freskenfragmente um 1300 und am südlichen Strebepfeiler des Chores ein gotisches Fresko Gregormesse aus 1457.[1]

Vor dem abgefasten Portal im Westen steht der vorgesetzte Turm mit vier durch Gesimse gegliederte Geschoßen. Zur Turmhalle führen drei Spitzbögen, der südseitige ist mit 1522 bezeichnet. Der Turm hat Triforenfenster mit je zwei Rundsäulen, darüber Dreieckgiebel und eine achteckige schlanke Turmspitze.

Die eingeschoßige Sakristei mit Rechteckfenster, Pultdach und Tonnengewölbe ist nördlich am Langhaus angebaut. Die Krypta unter dem Chorschluss hat ein Spitzbogenportal und ein Rippengewölbe auf Konsolen.

Das rechteckige einschiffige zweijochige Langhaus hat ein gotisches Sternrippengewölbe als Vierzackensternfiguration auf Diensten und gekehlten Pfeilern. Am Gewölbe sind reliefierte Gurte und gotische Schlusssteine. Das spitzbogige Sakristeiportal hat eine Eisenplattentüre. Die zweigeschoßige Empore ist teils mit gotischer Schnitzerei versehen. Der Triumphbogen ist spitzbogig. Der eingezogene zweijochige Chor mit 3/8-Schluss hat ein gotisches Rippengewölbe mit runden Schlusssteinen auf Diensten.

Ausstattung

An der nördlichen Langhauswand ist innen ein gotisches Fresko, oben ein thronender Christus mit den hll. Katharina, Maria und Johannes, unten die hll. Sebastian, Bischof, Georg, Dionysius und Erasmus, um 1420. Das Fresko der Schutzmantelmadonna stammt von anderer Hand. An der Chornordwand sind Freskenfragmente aus dem 16. Jahrhundert mit barocker Umrahmung.

Der barocke Hochaltar aus 1648 zeigt das Altarblatt Maria mit Kind von Engeln umgeben und unterhalb die hll. Barbara und Katharina und im Oberbild eine Weltkugel, die von Maria, Dominikus und Franz von Assisi vor dem Zorn Gottes beschützt wird. Der Tabernakel ist aus 1618. Die linke barocke Seitenaltar, links mit 1680 bezeichnet, zeigt im Sockelbereich Bilder der hll. Petrus, Johannes Evangelist, Wolfgang und Elisabeth und zwischen kannelierten Säulen das barocke Altarbild hll. Anna, Maria und Joachim, und seitlich Bilder hll. Paulus und Jakobus, im Oberbild Flucht nach Ägypten. Der rechte barocke Seitenaltar, mit Predellainschrift und 1685 bezeichnet, zeigt in den Füllungen die Bilder hll. Johannes der Täufer, Elisabeth, Anna selbdritt, Joachim und Zacharias und im barocken Altarblatt Tod des hl. Joseph vom Maler Adam Pichler (1695), das Oberbild zeigt Gottvater über den Wassern.

Die Kanzel mit Schalldeckel wurde mit 1647 bezeichnet. Vor dem Triumphbogen ist ein Schnitzwerk hl. Maria mit Kind auf einer Weltkugel um 1660. In der Sakristei ist ein Kelchkasten vor 1681. Der Beichtstuhl und das Chorgestühl ist aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Nachweise

  1. Esther Meier: Die Gregorsmesse: Funktionen eines spätmittelalterlichen Bildtypus., Böhlau Verlag Köln/Weimar, 2006, ISBN 978-341211805-1, S. 203 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche) – mit ausführlicherer Beschreibung, dort aber fälschlich in die Steiermark verortet.