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Wie der Panther ins steirische Wappen kam#

Otakar III. von Steyr aus dem Geschlecht der Traungauer formte seine Ländereien zu einer Einheit, die den Namen Steiermark erhielt – und er nahm den Panther ins Wappen.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Altes Steyrer Wappen
Altes Steyrer Wappen

Heute möchte ich Sie auf eine Reise zu den Anfängen der Steiermark mitnehmen, also in die Zeit um die erste Jahrtausendwende. Ab 1050 erhielt ein Graf Otakar (auch Ottokar) von Steyr aus dem Geschlecht der Traungauer von den bayerischen Herzögen die Herrschaft über die Mark an der mittleren Mur, die unter der Bezeichnung Karantanische Mark im Osten bis zur Lafnitz reichte. Seine Nachfolger, die fast alle auch Otakar hießen, werden „Otakare“, „Traungauer“ oder nach ihrem Stammsitz „Styraburg“ Grafen von Steyr genannt. Unter ihnen setzte sich für das werdende Land langsam der noch heute gültige Name „Steiermark“ durch, der in alten Urkunden in lateinischer Form als „Marchia Styriae“ beschrieben wurde.

Als die Traungauer 1122 das Geschlecht der Eppensteiner beerbten und große Gebiete in der Ober- und Weststeiermark übernahmen, begann das Land langsam seine heutige Gestalt anzunehmen. Dazu erbte Otakar III. (1125-1164) schon als Kind große Besitzungen in Friaul, Kärnten und Radkersburg. Mit 14 Jahren wurde er 1139 für großjährig erklärt und Markgraf. Als neues Verwaltungszentrum für die frisch erworbene Region errichtete er die Burg Marburg. Dann starb auch noch sein Cousin Ekbert II. von Formbach-Pitten und Otakar übte mit seiner Verwandtschaft zu den bayrischen Herzögen aus dem Haus der Welfen auf andere mögliche Erben Druck aus. So übernahm er große Gebiete südlich und nördlich des Wechsels bis Wiener Neustadt. Um eine sichere Verbindung zu den neuen Ländereien zu schaffen, ließ er 1160 ein Spital am Semmering, ein Hospiz und eine Herberge für Pilger, Kreuzfahrer und Kaufleute errichten sowie eine Straße durch den berüchtigten Cerwald (Semmering) bauen. Auch das Chorherrenstift Vorau gründete er 1163, um das Land christianisieren und durch Rodung kultivieren zu lassen. Damit reichte sein Herschaftsbereich von der Donau über die Save bis nach Krain. Zur gleichen Zeit wurde Graz zum bevorzugten Verwaltungs- und Handelszentrum des Landes, indem Otakar einen großen Markt auf dem Boden des Hauptplatzes errichtete, der damals bis zur heutigen Landhausgasse reichte. Aber die Grazer Aktivitäten hatten einen Schönheitsfehler. Denn hier herrschte das alte Geschlecht der Aribonen, und die waren dem Markgrafen eindeutig im Weg. Also schaltete er die Erben Bernhards von Stübing auf der Grazer Burg aus und nahm der Aribonensippe das gesamte Grazer Gebiet links der Mur ab. Auch Regalien, also Hoheitsrechte eines Fürsten, wie die Berghoheit, Juden- oder Münzregal, Maut- und Zollstätten wurden Otakar noch vor 1160 von Kaiser Friedrich Barbarossa verliehen, ebenso ging die einheitliche Landesgerichtsbarkeit auf ihn über. Mit der Annahme eines persönlichen Hauswappens, des Panthers, und der Bezeichnung des Markgrafen als „Princeps“ (Fürst) waren jetzt alle Äußerlichkeiten für eine abgeschlossene Landesbildung erfüllt. Otakar war zum Dreh- und Angelpunkt für die einheitliche Gestaltung des Landes Steiermark geworden und hatte das Land durch zahlreiche Burgbauten abgesichert. Als er 1164 mit nur 39 Jahren starb, fürchteten viele, dass der Aufschwung von kurzer Dauer gewesen wäre, denn er hinterließ nur einen gerade erst einjährigen Sohn, den späteren Otakar IV., für den seine Mutter Kunigunde die Herrschaft übernahm. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz blieb die Steiermark eine Einheit, wurde 1180 durch Kaiser Friedrich Barbarossa von Bayern getrennt und zum eigenen Herzogtum mit Otakar IV. als erstem Herzog. Dabei wurde das Traungauer Familienwappen mit dem Panther zum steiermärkischen Landeswappen.

Mehr über den steirischen Panther lesen Sie nächste Woche.

Fresko in der Johanneskapelle Pürgg, Steiermark, 12. Jhd.
Fresko in der Johanneskapelle Pürgg, Steiermark, 12. Jhd.
Marburg/Maribor aus: Vischers Topographia Ducatus Stiria
Marburg/Maribor aus: Vischers Topographia Ducatus Stiria

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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele