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Kunst & Politik#

(Ein Standpunkt)#

Von Martin Krusche#

Diese Frage taucht immer wieder auf. Weshalb äußert ich mich als Künstler politisch? Manchmal erfahre ich auch ausdrückliche Ablehnung Gewohnheit, meine Medienzugänge für politische Aussahen zu nutzen.

Ich weiß, daß es viele Menschen vorziehen würden, Poeten hungern zu sehen, auf daß sie sich angemessen dem „Wahren, Schönen und Guten“ widmen mögen. Das ist freilich Mumpitz und außerdem ein staubiges Versatzstück aus einer anderen Zeit. Es hat simple Botschaften.

Ich möge nicht aus der Reihe tanzen und mich außerhalb der Hierarchie laut äußern, bei Angelegenheiten mitreden, für die man mir keine Parteienstellung zubilligt. Ich möge akzeptieren, daß man die Zuständigkeit für das „Wahre, Schöne, und Gute“ an mich delegiert, um selber ethisch freie Hand zu haben.

Das möge ich vorzugsweise unter dem Kuratel von „Leistungsträgern“ tun, die von meinem Metier nicht einmal halb so viel verstehen wie ich; ganz zu schweigen von den Zurufen, die mich via Social Media von Meinungsathleten aller Art erreichen. Sie werden verstehen, daß wir dabei im Dissens verbleiben müssen. Aber wozu all die Kommentare und Glossen?

Man kennt vielleicht meine Skepsis gegenüber „engagierter Kunst“ und meine Annahme, daß eine „Kunst um zu…“ keine ist. Das wurzelt im „Autonomiestatut“ der Kunst, wie wir es seit der Renaissance kennen. Kunst gibt sich selbst die Regeln und ist nur diesen Regeln verpflichtet, hat keine anderen Aufgaben.

Autor Martin Krusche (Foto: Richard Mayr)
Autor Martin Krusche (Foto: Richard Mayr)

Man muß meine Überzeugung, daß dieses Autonomiekonzept Vorrang hat, nicht teilen. Wenn Sie eine anderslautende Ansicht haben, genügt es mir, daß Sie Ihre Gründe nennen, wie ich meine jederzeit nennen kann. Antwortvielfalt gehört für mich zu den Grundbedingungen einer Demokratie.

Meine Gründe zur politischen Äußerung, wie etwa diese Glossen unter dem Titel „Diskurs: Demokratie“, liegen in der einfachen Tatsache, daß Künstler zu sein nur eines meiner persönlichen Merkmale ist. Zugleich bin ich Staatsbürger und Teil eines konkreten Gemeinwesens. Ich ziehe es vor, eine politisch anwesende Person zu sein und damit zu würdigen, was eine Demokratie sei.

Also setze ich mein Wissen und meine Kompetenzen ein, um an öffentlichen Diskursen mitzuwirken. Ich würde das nicht mit künstlerischen Mitteln tun. So gibt es von mir zum Beispiel keine „politischen“ Gedichte. Und ich verzichte gerne auf „Interventionen“, die als künstlerische Akte deklariert, zugleich als politische Statements intendiert sind. Meine künstlerische Arbeit hat keinerlei therapeutische oder aufklärerische Funktionen.

Meine Kunstpraxis ist primär Grundlagenarbeit, ist vor allem nicht an eine Publikum adressiert, sondern einem Thema verschrieben, einer Aufgabe gewidmet. Dann, wo Werke entstehen, richtet sich das gelegentlich auch an eine Öffentlichkeit, an eine Publikum. Das kommt vor.

Diese Trennschärfe, an der mir viel liegt, ergibt sich aus meinem Politikbegriff. Das Wort Politik hat für mich zwei grundlegende Wurzeln. Die liegen in den altgriechischen Worten „polis“ und „politiká”.

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Die Polis ist das Gemeinwesen, war in der Antike der Stadtstaat. Politiká sind demnach die Staatsgeschäfte, auch die “Staaatskunst”, dank derer eine Polis gedeihen kann. Erst wo aus einem Wechselspiel zwischen Gemeinwesen (heute: Zivilgesellschaft) und Staatskunst (Funktionstragende) etwas Dynamisches entsteht, halte ich das für Politik.

Was Funktionstragende aus Politik und Verwaltung für sich tun, ist also noch keine Politik. Ich gehe übrigens davon aus, daß die Verwaltung keine eigenen politischen Ambitionen zu haben hat. Sie geht der Politik zur Hand. Sie begleitet und verstärkt, was von zivilgesellschaftlicher Seite her entsteht.

Ich halte die Gewaltentrennung für ein unverzichtbares Fundament der Demokratie. Das meint primär: Legislative, Exekutive und Judikative werden von getrennten Institutionen in wechselseitiger Kontrolle ausgeübt. Es hat sich bewährt, auch von einer Vierten Gewalt im Staat zu sprechen, der Medienwelt mit ihren journalistischen Grundsätzen.

Wenn ich nun als Autor politische Kommentare, Glossen oder Essays publiziere, sehe ich mich als Teil dieser Vierten Gewalt und mache das – wie erwähnt – als politisch anwesender Mensch, um an den öffentlichen Diskursen mitzuwirken.

Als Künstler habe ich andere Aufgaben, was besagt: die publizistische Arbeit erledige ich nicht mit künstelrischen Mitteln. Die sind meiner Kunstpraxis vorbehalten, welche näher am Konzept von Grundlagenarbeit stattfindet und – wie oben erwähnt – weder pädagogisch, noch aufklärerisch, noch therapeutisch gedacht ist. Siehe dazu ergänzend: „Mein Beruf“ (Zu einer fälligen Debatte)!