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Das Haflinger-Szenario#

(Eine kleine Jubiläums-Geschichte)#

von Martin Krusche

Der Haflinger feiert heuer seinen Sechziger. Dieser Steyr-Puch 700 AP war die erste umfassend eigenständige Automobilkonstruktion Österreichs in der Zweiten Republik und Erich Ledwinka der leitende Ingenieur des Projektes. Das Allradfahrzeug wurde mit jenem hochkarätigen Boxermotor ausgestattet, den zwei Jahre vor dem Hafi-Auftritt schon das „Puch-Schammerl“ erhalten hatte, der Steyr-Puch 500 mit seiner Karosserie aus dem Hause Fiat. Wir feiern dieses Jubiläum, indem wir eine gründlich Rückschau halten.

Die Flachnase, der Vorserien-Haflinger AP 600 im Ausschnitt einer Werkszeichnung. (Archiv Martin Krusche)
Die Flachnase, der Vorserien-Haflinger AP 600 im Ausschnitt einer Werkszeichnung. (Archiv Martin Krusche)

Die historische Steyr-Daimler-Puch AG entstand durch ein lebhaftes Wechselspiel von Fusionen und Ablösungen. Der Firmennamen des Mischkonzerns ergab sich aus dem Zusammenschluß von drei der bedeutendsten Kraftfahrzeugproduzenten Österreichs, deren Automobile einst Weltrang hatten: Austro-Daimler, Puch und Steyr.

In der Firmengeschichte finden sich vom Fahrrad bis zum geländegängigen Lastwagen quer durch das 20. Jahrhundert alle wesentlichen Vehikel, die nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich eine umfassende Volksmotorisierung ermöglichten. Manche der Fahrzeuge wurden zu Meilensteinen der Kraftfahrzeug-Historie.

Der Zweizylinder Boxer im Haflinger stammt aus dem Puch-Schammerl. (Foto: Martin Krusche)
Der Zweizylinder Boxer im Haflinger stammt aus dem Puch-Schammerl. (Foto: Martin Krusche)

Konstrukteur Hans Ledwinka, der Vater von Erich Ledwinka, trug in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts viel zum Weltrang jener Fahrzeuge bei. Erich Ledwinka und sein Team schufen in den 1950er Jahren das „Puchauto“ (den „Fünfhunderter“), wie auch den „Haflinger“.

Das bedeutet unter anderem, Fahrzeuge der Marken Puch und Steyr-Puch bezogen ihren Ruf in unseren Kindertagen sowohl aus der Vergangenheit, wie auch aus der damaligen Gegenwart.

Vor allem Fahrräder und Mopeds von Puch hatten eine Verbreitung, die sich bis heute auf unseren Straßen zeigt. In Graz führte solche Popularität zum Beispiel dazu, daß Wegweiser auf der Autobahn immer noch das Puchwerk nennen, wo Frank Stronach daraus schon vor Jahrzehnten Magna Steyr gemacht hatte. Der Rückblick macht deutlich, daß der „Hafi“, die „Allrad-Plattform“, zu einem herausragenden Beispiel für Ingenieurskunst und handwerkliche Kompetenz wurde. Er ist der mobile Grundstein für eine Grazer Allradkompetenz, die von der Automobilbranche immer noch nachgefragt wird.

Das kompakte und leichte Fahrzeug war völlig anders konzipiert als der amerikanische Jeep, den man damals für das Maß der Dinge hielt, was Offroader dieser Gewichtsklasse betraf. Es gibt bis heute kein vergleichbares Automobil, welches in einer einzigen Grundform so viele Einsatzmöglichkeiten bietet und dabei einen derart geringen Materialaufwand fordert.

Puch Fahrrad von zirka 1907. (Foto: Martin Krusche)
Puch Fahrrad von zirka 1907. (Foto: Martin Krusche)
Die „Stangl-Puch“ (MS 50). (Foto: Martin Krusche)
Die „Stangl-Puch“ (MS 50). (Foto: Martin Krusche)
Die Puch D 50, „Daisy“ genannt. (Foto: Martin Krusche)
Die Puch D 50, „Daisy“ genannt. (Foto: Martin Krusche)
Puch 125 mit Teleskopgabel. (Foto: Martin Krusche)
Puch 125 mit Teleskopgabel. (Foto: Martin Krusche)

Interessantes Detail: In dieser Liga wäre allerdings das M274 Mechanical Mule von Willys Overland zu nennen, das der Jeep-Hersteller dem Schweizer Militär damals als Haflinger-Konkurrenz anbot. Doch dieser Motor-Muli fiel noch spartanischer aus als der Haflinger und kann mit dem steirischen Kraxler nicht mithalten. Der Haflinger kam also 1959 auf den Markt, so auch die Puch DS 50, das robuste Zweisitzer-Moped, welches Sie noch heute im Alltagseinsatz finden können. Im Jahr 1979 rollte der zweite Jubilar aus den Grazer Hallen, der Puch G. Erst pures Nutzfahrzeug, heute auch als Mercedes-Benz G-Klasser ein ziviler Hit. Diese G-Klasse feiert heuer ihren Vierziger.

Der Puch Alpenwagen von 1919. (Foto: Martin Krusche)
Der Puch Alpenwagen von 1919. (Foto: Martin Krusche)
Ein Austro-Daimler ADR 6 von 1928. (Foto: Martin Krusche)
Ein Austro-Daimler ADR 6 von 1928. (Foto: Martin Krusche)
Der adaptierte Steyr 100 des Weltreisenden Max Reisch. (Foto: Martin Krusche)
Der adaptierte Steyr 100 des Weltreisenden Max Reisch. (Foto: Martin Krusche)
Der Steyr-Puch 500 vor einem Steyr 480. (Foto: Martin Krusche)
Der Steyr-Puch 500 vor einem Steyr 480. (Foto: Martin Krusche)

Die historische Steyr-Daimler-Puch AG hatte nicht nur den heimischen Fahrrad-Markt dominiert. Im Jahr 1947 erschien der erste Steyr Traktor, der Steyr 180. 1948 waren genug inländisch gefertigte Einspritzpumpen verfügbar, um den Steyr Diesel 380 loszuschicken, einen LKW, dessen Nachfahren, die Baureihe Steyr Plus, ab 1968 produziert wurde und stellenweise bis heute Dienst tut.

Steyr-Puch Haflinger Mark II mit langem Radstand. (Foto: Martin Krusche)
Steyr-Puch Haflinger Mark II mit langem Radstand. (Foto: Martin Krusche)
Pinzgauer Prototyp von 1966. (Archiv Markus Rudolf)
Pinzgauer Prototyp von 1966. (Archiv Markus Rudolf)
Ein Puch G Prototyp von 1978. (Archiv Martin Krusche)
Ein Puch G Prototyp von 1978. (Archiv Martin Krusche)
Der Steyr 680 M, die Militärversion. (Foto: Martin Krusche)
Der Steyr 680 M, die Militärversion. (Foto: Martin Krusche)

Im Jahr 1954 kam außerdem die einsitzige Puch MS 50 heraus, die „Stangl-Puch“, deren Folgemodell unter anderem zum legendären „Postler-Moped“ wurde. Das ist übrigens nur ein Teil der lebhaften Haflinger-Verwandtschaft. Ab 1971 wurden mehreren Varianten des Steyr-Puch Pinzgauer produziert. Die sind heute bei Weltenbummlern ebenso beliebt wie die Allrad-Versionen der Lastwagen Steyr 680. Sie waren allesamt auch bei vielen Feuerwehren im Einsatz.

Der legendäre Fünfzehner (ein Steyr 80 aus der Baureihe 13) vor einem Steyr aus der Jubiläumsserie. (Foto: Martin Krusche)
Der legendäre Fünfzehner (ein Steyr 80 aus der Baureihe 13) vor einem Steyr aus der Jubiläumsserie. (Foto: Martin Krusche)

Der Haflinger war übrigens ein Produkt des Kalten Krieges, hauptsächlich einer defensiven Strategie eines neutralen Staates gewidmet. Als Waffenträger hatte er keine große Bedeutung und nur wenige Gelegenheiten. Heute erfreut er vor allem durch sein immer noch beeindruckendes Einsatzspektrum und seine Bedeutung als rollendes Kulturgut.

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