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„Beethoven gibt’s nur einen“ #

In „Mythos Beethoven“ werden die letzten Geheimnisse des berühmtesten Komponisten der Welt aufgedeckt. #


Von der Wiener Zeitung (Samstag, 3. Dezember 2016) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Barbara Dürnberger


Beethoven
„Es war ihm nie genug“: Zeit seines Lebens galt Beethoven als Mann der Extreme.
Foto: ZDF/3sat/Kat Menschik

Die Taubheit, die zerzausten Haare, das mürrische Gesicht: Fällt der Name Ludwig van Beethoven, dann reduzieren den Künstler die wenigsten alleinig auf jene drei markante Achteln auf G, denen im fortissimo ein lang gezogenes Es folgt – den Beginn seiner legendären fünften Sinfonie. Genauso wie die Musik, war auch die Person Ludwig van Beethoven interessant und außergewöhnlich. Er hatte eine Begabung, die es ihm ermöglichte, am 26. März 1778, mit nur siebzehn Jahren, erstmals in einem Konzert als Pianist aufzutreten. Nur wenige Jahre später wird seine Musik, sein Umgang mit dem Klavier und seine Kompositionen als Sensation gefeiert. Beethoven ist bereits zu Lebzeiten eine Legende.

Über sein Leben ist viel bekannt – und doch gibt die Person Beethoven nach wie vor viele Rätsel auf. Eine neue sechsteilige Dokumentationsreihe hat versucht einigen der letzten Geheimnisse auf den Grund zu gehen. Die ersten beiden der insgesamt sechs Geheimnisse, werden am heutigen Samstagabend in „Mythos Beethoven“ (ab Sa., 21 Uhr, 3sat) behandelt. Die restlichen Teile folgen jeweils im Doppelpack am 10. und 17. Dezember.

Im ersten Teil, „Der Revolutionär“, geht Filmemacher Thomas von Steinaecker aber nicht nur, wie es der Titel vermuten lassen würde, Beethovens subversivem Verhältnis zur Musik nach, sondern auch jenem, das er zu seinen Mitmenschen pflegte. Regelmäßig, so ist es überliefert, fällt er beispielsweise in den Adelskreisen durch sein großspuriges Verhalten auf, durch sein respektloses Benehmen und seine legendären Tobsuchtsanfälle. Eine Anekdote aus dem Jahr 1806 zeigt deutlich, wie sehr Beethoven nicht nur mit seiner Musik, sondern auch als Person aufbegehrte: Damals kam es im Schloss des Fürsten Lichnowsky zum Eklat. Der große Mäzen und Gönner Beethovens hat französische Offiziere zu Gast und fordert den Musiker auf, für diese zu spielen, sie zu unterhalten. Beethoven ist jedoch auf Frankreich nicht gut zu sprechen. Nachdem sich Napoleon selbst zum Kaiser gekrönt hat, sieht er die Ideale der Französischen Revolution verraten und weigert sich folglich, für die Offiziere zu spielen.

Der Revolutionär, der Verliebte

Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit Lichnowsky, auf deren Höhepunkt Beethoven tobend das Schloss verlässt und ihm am nächsten Tag in einem Brief mitteilt: „Fürst, was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt. Was ich bin, bin ich durch mich. Fürsten hat und wird es noch Tausende geben; Beethoven gibt’s nur einen.“

Beethoven konnte aber auch anders: Er besaß ebenso eine ruhige, romantische Seite, um die sich das zweite Geheimnis aus der Doku- Reihe dreht. In der Folge „Der Verliebte“ beschäftigt sich Georg Wübbolt mit Beethovens Verhältnis zu Frauen und seinem Unglück in der Liebe. Ein Unglück, dem unter anderem die „Mondscheinsonate“ zu verdanken ist: Als er die Noten dafür niederschrieb, war er unglücklich verliebt.

Für den Starpianisten und Beethoven- Kenner Rudolf Buchbinder sind Beethovens amouröse Empfindungen – ebenso wie seine Wutausbrüche – auch in der Musik spürbar. Über die Klaviersonate Nr. 7 in D-Dur, die Beethoven einst der Gräfin von Browne widmete, sagt er: „Das klingt wie eine Liebeserklärung und ich spüre in diesen Takten immer wieder die Sehnsucht von Beethoven.“

Zeit seines Lebens galt der Musiker als Mann der Extreme. Er ging buchstäblich an die Grenzen des Instruments und dehnt seine Kompositionen auf ein nicht gekanntes Maß aus. Zufrieden war er trotzdem nicht, wie Buchbinder resümiert: „ Es war ihm nie genug“.

Vielleicht konnte er auch deshalb nie eine Frau an sich binden. Eine weitere Anekdote ist nämlich diesbezüglich aus dem Jahr 1812 überliefert: Da traf er völlig unerwartet jene Frau, in die er seit langem verliebt war, die er jedoch längst verloren glaubte. Gleich nach dem Treffen schreibt er ihr leidenschaftliche Zeilen, die als „Brief an die unsterbliche Geliebte“ zur Legende wurden: „Mein Engel, mein alles, mein ich. Erheitere dich – bleibe mein treuer, einziger Schatz: das Uebrige müssen die Götter schicken. Dein treuer Ludwig“. Die Identität des „Engels“ konnte übrigens nie ganz geklärt werden. Dafür war die Auswahl einfach zu groß.

Wiener Zeitung, Samstag, 3. Dezember 2016