Guntramsdorf

Guntramsdorf
Wappen von Guntramsdorf
Guntramsdorf (Österreich)
Guntramsdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mödling
Kfz-Kennzeichen: MD
Fläche: 14,86 km²
Koordinaten: 48° 3′ N, 16° 19′ O48.04833333333316.315193Koordinaten: 48° 2′ 54″ N, 16° 18′ 54″ O
Höhe: 193 m ü. A.
Einwohner: 8.941 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 601,68 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2353
Vorwahl: 02236
Gemeindekennziffer: 3 17 10
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
2353 Guntramsdorf
Website: www.guntramsdorf.at
Politik
Bürgermeister: Karl Sonnweber (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(33 Mitglieder)
20 SPÖ, 10 ÖVP, 1 Grüne, 2 FPÖ
Lage der Marktgemeinde Guntramsdorf im Bezirk Mödling
Achau Biedermannsdorf Breitenfurt bei Wien Brunn am Gebirge Gaaden Gießhübl Gumpoldskirchen Guntramsdorf Hennersdorf Hinterbrühl Kaltenleutgeben Laab im Walde Laxenburg Maria Enzersdorf Mödling Münchendorf Perchtoldsdorf Vösendorf Wiener Neudorf Wienerwald NiederösterreichLage der Gemeinde Guntramsdorf im Bezirk Mödling (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Guntramsdorf ist eine Marktgemeinde mit 8941 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Industrieviertel in Niederösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage

Der Ort liegt am westlichen Rand des Wiener Beckens an der Thermenlinie. Großteils liegt das Siedlungsgebiet in der Ebene. Nur die schon jahrhundertealten Weingärten liegen an den Hängen des Eichkogels (367m über Seehöhe) und des Anningers (675m) am Rande des Wienerwaldes. Das Ortsbild wird unter anderem durch mehrere Teiche geprägt. Einige davon sind von der Gemeinde für die Öffentlichkeit als Badeteiche und Naherholungsgebiet erschlossen, darunter der sogenannte Ozean im Ortsteil Neu-Guntramsdorf und der so genannte Windradlteich nahe dem Altort. Beide Teiche liegen direkt an der B17 (Wiener Neustädter Straße). Am südlichen Ortsrand befindet sich direkt an der Gemeindegrenze zu Traiskirchen (Grenze zur Katastralgemeinde Möllersdorf) ein im Privatbesitz befindlicher Teich, der als „Ozean II“ bezeichnet wird.

Die meisten Teiche am Gemeindegebiet sind um 1900 nach Grundwassereinbruch in Lehmgruben, die zur Ziegelgewinnung (Ziegelteiche) verwendet wurden, entstanden.

Gliederung

Die Gemeinde besteht aus nur einer Katastralgemeinde. Der Großteil der Besiedlung ist im sogenannten Altort anzutreffen, daneben besteht seit den späten 1930er-Jahren die Siedlung Neu-Guntramsdorf, etwa zwei Kilometer nördlich des Altortes, am Ufer des Ozean-Teiches.

Zwischen dem Altort und Neu-Guntramsdorf entwickelte sich seit etwa 1980 eine durchgehende Besiedlungsachse. Damit entstand seit etwa 2000 ein nahezu geschlossenes Siedlungsgebiet.

Nachbargemeinden

Das Rathaus
Mödling Wiener Neudorf Biedermannsdorf
Gaaden Nachbargemeinden Laxenburg
Gumpoldskirchen Möllersdorf im Bezirk Baden Münchendorf

Geschichte

Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilte der Ort die wechselvolle Geschichte Österreichs. Vom 1. bis ins 4. Jahrhundert war das Gebiet Teil der römischen Provinz Pannonia.

Guntramsdorf und Umgebung um das Jahr 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Die geschichtliche Zeit von Guntramsdorf beginnt mit der ersten Ostmark des Reiches Karls des Großen (um 800). Der Name von Guntramsdorf weist auf den Gründer hin, der „Guntram“ geheißen haben mag. Laut Urkunde aus dem Jahre 859 [1] schenkte Graf Kozel, Fürst von Pannonien (Ungarn), dem Kloster Regensburg Güter. Als Zeugen werden angeführt: Graf Ratpot und Graf Guntram. Dieser Graf Guntram dürfte der Gründer von Guntramsdorf sein, da vor diesem kein Guntram in Urkunden erwähnt aufscheint.

Zur Zeit Leopolds III. (1095–1136) befand sich Guntramsdorf im Besitze des Ritters Heinrich II. von Kuenring. Dieser nannte sich Heinric de Gundrammisdorf. Seinen Namen erhielt er von der Burg Guntramsdorf, zwischen Mödling und Baden gelegen. Dieser befestigte Rittersitz stand wahrscheinlich auf dem Platze des späteren Schlosses. Von diesem Schloss ist heute nur mehr der Barockpavillon erhalten. Um 1200 befand sich Guntramsdorf im Besitze der Herzöge von Mödling. Von 1246 bis 1365 war Guntramsdorf im Besitze des Rittergeschlechtes der Guntramsdorfer. Dieses Rittergeschlecht besaß nach Wisgrill III. Güter und Beziehungen im ganzen Lande.

Die Ortschronik von Guntramsdorf berichtet, dass im Mittelalter im Bereich des heutigen Friedhofes ein künstlicher Fischteich bestanden hatte. Als Besonderheit wird berichtet, dass der Fischfangertrag dieses Teiches einen zweistelligen Anteil am Haushalt des damaligen Landesfürsten darstellte.

Guntramsdorf und der Eichkogel (Mitte links) um 1900

Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde der Ort in die Stadt Wien zum 24. Bezirk eingemeindet. In diese Periode fällt auch die erste große Wohnbauaktivität des 20. Jahrhunderts in Guntramsdorf. Mit konfiszierten ehemals österreichischen Gewerkschaftsgeldern wurden östlich des sogenannten Ozean-Teiches im neuen Ortsteil Neu-Guntramsdorf zahlreiche Wohnblöcke geschaffen.

1943 und 1944 wurden im Norden von Neu-Guntramsdorf, am Ortsgebiet von Wiener Neudorf, die riesigen „(Flugmotorenwerke Ostmark)“ gebaut. Zur Errichtung und zum Betrieb des Werkes zog man Zwangsarbeiter und Häftlinge aus dem KZ Mauthausen heran. Für deren Unterbringung wurde 1943 auf Guntramsdorfer Gemeindegebiet ein größeres Nebenlager des KZ Mauthausen errichtet, in dem bis zu 3.170 Häftlinge untergebracht waren. Im Bereich des ehemaligen Lagers befindet sich heute eine Gedenkstätte, an der jährliche Gedenkfeiern stattfinden und Führungen für Schulen von einem lokalen KZ-Gedenkverein Guntramsdorf organisiert werden.

In den ersten Apriltagen 1945 kam es im Raum Guntramsdorf zu schweren Kämpfen zwischen Teilen der deutschen 6. SS-Panzerarmee unter Sepp Dietrich und der sowjetischen Dritten Ukrainischen Front unter Marschall Tolbuchin. Nach dem überraschenden Einbruch Tolbuchins ins südliche Wiener Becken am 1. April wurde in der Nacht zum 2. April die 2. SS-Panzerdivision vom Raum Neusiedler See in den Süden Wiens verlegt und errichtet eine Widerstandslinie, die von Gumpoldskirchen über Guntramsdorf und Laxenburg bis Moosbrunn reichte. Da Tolbuchin seine Truppen zur Westumfassung von Wien und zum Generalangriff von Süden vom 2. bis 4. April umgliederte, blieb Guntramsdorf vom 2. bis 4. April Frontgebiet und erlitt vor allem durch sowjetischen Beschuss schwere Schäden.[2]

1954 wurde der Ort gemeinsam mit den anderen im Jahr 1938 eingemeindeten Kommunen wieder eigenständig und fiel wieder an Niederösterreich zurück. Die Energieversorgung liegt aber nach wie vor beim Wiener und nicht beim niederösterreichischen Landesenergieversorger.

Bevölkerungsentwicklung

Volkszählung Einwohner
2011 8.955
2001 8.421
1991 6.977
1981 6.090
1971 6.017

Quelle: Bevölkerungsentwicklung der Statistik Austria

Verkehr

Straßennetz: Guntramsdorf liegt an der Wiener Neustädter Straße B 17 (der früheren Triester Bundesstraße) sowie an der A2 Südautobahn. Eine direkte Verbindung der A2 zum niedrigrangigen Straßennetz in Guntramsdorf besteht zur Zeit nicht, wird derzeit (2006) aber diskutiert.

Bahnhof Guntramsdorf Lokalbahn

Hinsichtlich der Anbindung an das Schienennetz besteht eine Besonderheit. Das Guntramsdorfer Gemeindegebiet wird von zwei Strecken der Österreichischen Bundesbahnen (Südbahn und Aspangbahn) sowie der Privatbahn Badner Bahn berührt und besitzt auf jeder dieser Strecken genau einen Bahnhof, wobei der Bahnhof der Südbahn genaugenommen auf Gumpoldskirchner Gemeindegebiet liegt. Die für Österreich einmalige Besonderheit besteht darin, dass diese drei Strecken auf dem Gemeindegebiet keinerlei Kreuzungspunkt oder Verbindungslinie besitzen. Topologisch sind alle drei Linien parallel.

Zusätzlich bestehen im Industriezentrum Niederösterreich Süd ausgedehnte Gleisanlagen, die nur zum Teil auf Guntramsdorfer Gemeindegebiet liegen. Die Verbindung zum Schienennetz erfolgt über eine Anschlussbahn, die nördlich des Bahnhofes Guntramsdorf Kaiserau auf freier Strecke von der Aspangbahn abzweigt.

Hauptverkehrsträger im lokalen und näheren regionalen Schienenverkehr ist aufgrund der zentralen Lage des Bahnhofes Guntramsdorf Lokalbahn und der hohen Zugfrequenz die so genannte „Badner Bahn“ (Lokalbahn Wien-Baden). Der Pendlerverkehr von und nach der Bundeshauptstadt Wien erfolgt überwiegend über diese straßenbahnähnliche Privatbahn, nicht zuletzt da die oben erwähnte B17 und die A2 zu den Hauptverkehrszeiten staugefährdet sind.

Wasserwege: Guntramsdorf liegt am ältesten künstlichen Wasserweg Ostösterreichs, dem Wiener Neustädter Kanal. Bemerkenswert ist die 3stufige Schleusenanlage, geplant von Sebastian von Maillard, und in den Jahren 1797 bis 1803 unter Joseph Schemerl von Leytenbach errichtet.[3] Als Verkehrsweg wird diese Wasserstraße seit dem Bau von Eisenbahnen nicht mehr genützt, seine Bedeutung lag zuletzt in der Wasser- und Energieversorgung lokaler Wirtschaftsunternehmen. Auf Guntramsdorfer Gemeindegebiet wird der Wiener Neustädter Kanal von einem Radweg begleitet.

Wirtschaft

Der ursprüngliche landwirtschaftliche Ort hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Industriestandort verändert. So gehören Teile des Industriezentrums NÖ-Süd, das von der Eco Plus verwaltet wird, zum nördlichen Teil der Gemeinde. Aber auch andere große Industriebetriebe wie die Lackfabrik DuPont, der früheren Stolllack von Herbert Turnauer, die Assmannmühle und zahlreiche andere Klein- und Mittelbetriebe sind hier angesiedelt.

Weitere Unternehmen in Guntramsdorf:

Nur der Weinbau hat sich über die Zeit bewahrt. Guntramsdorf gehört zur Weinbauregion Thermenregion. Im Ort selbst gibt es 28 Heurigen.

Veranstaltungen

Ende Juli finden in Guntramsdorf seit ca. 30 Jahren die so genannten „Jakobi-Tage“ statt – ein Weinfest, bei dem die lokalen Winzer am Kirchenplatz ausschenken. Circa 3000 Leute pro Tag besuchen über zwei Wochen hinweg die Stände.

Anfang August findet jährlich am Gelände des Badeteiches Ozean eine so genannte Beach-Party statt. Das Fest, bei dem hauptsächlich Reggae von Livebands gespielt wird, ist weit über die Grenzen des Bezirkes bekannt und lockt seit Jahren tausende Besucher auch aus der nahe gelegenen Bundeshauptstadt Wien an.

Großer Bekanntheit erfreut sich auch der Guntramsdorfer Frühlingslauf, der zwischen 2006 und 2008 im Rahmen der Thermen Trophy in Guntramsdorf ausgetragen wurde. Die Strecke führte dabei rund um den Windradlteich und durch die wunderschönen Weingärten Guntramsdorfs. Eine Runde ist ca. 5275 m (das entspricht einem Achtelmarathon) lang. Gelaufen können je nach Belieben zwischen einer und vier Runden. Im Jahr 2009 wurde der Guntramsdorfer Frühlingslauf nicht mehr ins Programm der Thermentrophy aufgenommen und wurde ersatzlos gestrichen.[4]

Sehenswertes

Sport

In Guntramsdorf gibt es auch mehrere Sportmöglichkeiten: Ob Fußball, Volleyball, (Tisch-)Tennis, Judo. Der Judo-Verein ATUS-Guntramsdorf, der älteste Judo-Verein Niederösterreichs, ist besonders erfolgreich. Seine Mannschaft brachte schon zahlreiche niederösterreichische Landesmeister in mehreren Gewichtsklassen hervor. Besonders erfolgreich ist auch der Tischtennisclub Guntramsdorf. 1985 wurde er gegründet und gehört von Beginn an zu den Nachwuchs-Hochburgen des Landes Niederösterreich.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Ortschronik von Guntramsdorf. Bezugsquelle: Gemeindeamt Guntramsdorf
  • Hans Sternhart, Hans Pötschner: 100 Jahre Badner Bahn. Slezak Verlag, Wien 1973. ISBN 3-900134-19-7.
  • Paul Slezak, Friedrich Slezak, Josef Otto Slezak: Vom Schiffskanal zur Eisenbahn. Verlag Slezak. 2. Auflage Wien 1989. ISBN 978-3-85416-151-6.

Einzelnachweise

  1. Josef Widemann: Die Traditionen des Hochstifts Regensburg und des Klosters Sankt Emmeram ISBN 978-3511037697
  2. Hans Egger, Franz Jordan: Brände an der Donau. Das Finale des Zweiten Weltkriegs in Wien, Niederösterreich und dem Nordburgenland. Graz 2004. Seiten 101 bis 112. Diese Arbeit bringt Details der Kämpfe um Gumpoldskirchen und Guntramsdorf.
  3. DEHIO-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Niederösterreich südlich der Donau. Teil 1. A bis L. Guntramsdorf. Technische Denkmäler. Schleusenanlage des Wiener Neustädter Kanals. Bundesdenkmalamt (Hrsg.), Verlag Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-365-8, Seite 629.
  4. http://www.thermentrophy.at/

Weblinks

 Commons: Guntramsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien