Weinzierl (Gemeinde Perg)

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Weinzierl (Katastralgemeinde)
Weinzierl (Gemeinde Perg) (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Perg (PE), Oberösterreich
Pol. Gemeinde Perg
Koordinaten 48° 15′ N, 14° 36′ O48.25543114.605444345Koordinaten: 48° 15′ N, 14° 36′ Of1
Fläche d. KG 7,88dep1
Statistische Kennzeichnung
Katastralgemeindenummer 42319
Zählbezirk/Zählsprengel 41116 002 (41116 )
Bild
Stadtwappen von Perg
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM

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Weinzierl (Dorf)
Ortschaft Aisthofen
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Perg (PE), Oberösterreich
Gerichtsbezirk Perg
Pol. Gemeinde Perg  (KG Weinzierl)
Koordinaten 48° 15′ N, 14° 36′ O48.25543114.605444345f1
Höhe 345 m ü. A.
Einwohner d. Ortsch. 176 (2001)
Gebäudestand 52 (2001)
Postleitzahl A-4320f1
Vorwahl +43/07262f1
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 10190
Zählbezirk/Zählsprengel Weinzierl (41116 002)
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM

Weinzierl ist eine bereits im Mittelalter urkundlich erwähnte Ortschaft im Bezirk Perg im Unteren Mühlviertel.

Die Ortschaft wurde 1782 mit ihrem Umland zur Katastralgemeinde sowie 1848 zu einer selbständigen Gemeinde. Am 1. November 1938 erfolgte zeitgleich mit der ebenfalls selbständigen Gemeinde Pergkirchen die Eingemeindung zur damaligen Marktgemeinde Perg eingemeindet.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Übersicht Ortschaften in der KG Weinzierl

Das Gebiet der Katastralgemeinde Weinzierl bedeckt eine Fläche von 7,88 km² und es wohnen dort 846 Personen in den Ortschaften Aisthofen (125 Einwohner), Lanzenberg (271), Weinzierl (176) und Zeitling (274). Die Zahlenangaben beziehen sich auf die Anzahl der Einwohner zum Zeitpunkt der Volkszählung per 1. Jänner 2001.

Weinzierl grenzt im Norden an die Katastralgemeinde Lebing in der Gemeinde Allerheiligen, im Westen und Nordwesten an die Katastralgemeinde und Gemeinde Schwertberg, im Süden und Südwesten an die Katastralgemeinde Au der Gemeinde Naarn und im Osten an die Katastralgemeinde Perg in der Stadtgemeinde Perg.

Die höchste Erhebung von Weinzierl mit rund 407 m ü. A. befindet sich in der Ortschaft Lanzenberg in der Nähe zur Gemeindegrenze mit Allerheiligen. Es handelt sich gleichzeitig um den zweithöchsten Punkt im Gemeindegebiet von Perg.

Der Aisthofenerbach entsteht durch den Zusammenfluss des Lebingerbaches und des Gänsebaches an der Stelle, wo die Grenzen von Allerheiligen, Schwertberg und Perg zusammen treffen und entwässert in die Aist. Der Zeitlingerbach durchfließt das Zaubertal und wurde von der Ortschaft Zeitling bis zur Mündung in die Naarn verrohrt.

In Weinzierl befinden sich die Ortschaften Aisthofen, Hainbuchen, Lanzenberg, Weinzierl und Zeitling.

Geschichte

Weinzierl teilt im Wesentlichen die Geschichte der beiden anderen Katastralgemeinden auf dem Gebiet der Stadtgemeinde Perg. Nachstehend sind nur die auf die Katastralgemeinde Weinzierl bezogenen historischen Aspekte dargestellt. Siehe auch Hauptartikel Aisthofen, Lanzenberg und Zeitling.

Ortschaft Weinzierl

"Feldarbeit" - Motiv eines Notgeldscheines der Gemeinde Weinzierl bei Perg

Funde deuten darauf hin, dass die Gegend um Weinzierl schon seit Jahrtausenden besiedelt war, wobei auffällt, dass die höheren Lagen um Weinzierl, Lanzenberg und Lebing bevorzugte Siedlungsplätze waren. Siedlungsspuren gibt es aus der Jüngeren Altsteinzeit (80000 bis 10000 vor Christus), der Jungsteinzeit (5000 bis 1800 vor Christus) und dem Frühmittelalter (6. bis 9. Jahrhundert).[1]

Der Name Weinzierl (Weinzürl) deutet auf einen ehemaligen Weinbau hin. Ein Weinzürler war ein Weingärtner oder Weinhauer. Klimaverschlechterungen sowie die zunehmende Verbreitung des Obstmostes und des Bieres verdrängten den Weinbau aus dieser Gegend.

Die Ortschaft Weinzürl, ursprünglich das gesaecz Weinzurl (der Sitz zu Weinzierl) wurde als Kuenringer Lehen 1315 erstmals im Besitz des Ulrich von Holspeck genannt. Der Sitz zu Weinzierl (Burgstall) konnte bislang in dem stark verbauten Gebiet nicht lokalisiert werden, er dürfte, wie aus den urkundlichen Quellen hervorgeht ein gemauerter Stock mit einer Hofstatt gewesen sein.[2]

  • Am 24. März 1390 verkauft Stephan der Gulher an Stephan dem Pyber den sicz ze Weinczürl mitsambt der Hofstat dapei
  • ungefähr 1393 Stephan der Pyber hat ze Lehen den halben hof ze Weinzürl, da der Sicz aufleit

Um 1400 wurde der Sitz Weinzürl im Maissauer Lehensbuch noch genannt. Dieser dürfte im Verlauf des 15. Jahrhunderts abgekommen sein. Ein Hinweise auf Weinbau in der Gegend ist auch die Erwähnung einer Hofstadt (Hofstatt) am Weingarten in Weinzierl in der Pfarre Perg um 1545.[3] Im 18. Jahrhundert bestand das Dorf aus 14 Häusern (6 Bauerngütern und 8 Sölden und Kleinhäuseln).

Holzer-Kapelle
Holzerkapelle in Weinzierl
 Commons: Chapel in Weinzierl (Perg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Die Holzer-Kapelle in Weinzierl liegt auf einer Kuppel am Güterweg zwischen Weinzierl und Zeitling. Sie wurde nach sorgfältiger Untersuchung 1992 von Josef Primetshofer aus Steyr restauriert. Die aus der Zeit um 1800 stammende Kapelle wurde aus Dankbarkeit errichtet, weil ein heftiges Unwetter ohne Schadensfolge über Weinzierl zog. Die Kapelle besitzt eine scheitelgekrümmte, flachtonnige Decke. Im Vorbereich befinden sich eine zarte florale Bemalung und einige Jahreszahlen zu Besucherinschriften aus dem 19. Jahrhundert. Über dem korbbogigen Eingang ist ein Christusmonogramm angebracht. Die Kapellennische ist durch ein feuergeschweißtes Gitter gesichert.

Hainbuchen

Der Name Hainbuchen ist ein Naturname und bezeichnet einen Ort, wo Hainbuchen (Weißbuchen) vorhanden waren. Die beiden BauerngüterMichl und Hansl in Hainpuchen liegen in einer muldenförmigen Hanglage. Das Terrain fällt nach Nordwesten zum Aisthofnerbach leicht ab.[4] Das Lehensbuch der Kapeller erwähnt um 1300 zwei Bauerngüter ain hueb datz hainpuchen und Lehen datz haynpuchen. Im Josefinischen Lagebuch 1786 werden die beiden Bauernhäuser als Mörtlgut und Hießlgut bezeichnet.

Hochgericht am Mühlberg

Weinzierl gehörte ab 1225 zum Landgericht Machland, ab 1491 zum Landgericht Greinburg und ab 1591 bis 1850 zum Landgericht Schwertberg. Am Mühlberg südwestlich unterhalb von Weinzierl ganz in der Nähe der Hauderer Bezirksstraße auf dem Gebiet der späteren Gemeinde Weinzierl in der Pfarre Perg existierte ein uraltes Hochgericht, vermutlich aus der Zeit gegen Ende des 13. Jahrhunderts, das über eine eigene Galgenhofstatt am Fuß des Mühlberges verfügte (heute im Volksmund Galgenhäusln). Einige Flurnamen verweisen auf diese Stelle (Galgenfeld, Galgenlandl, Galgenlüßl, Opferacker und Gerichtslüßl). Die jeweiligen Bewohner dieses Bauerngutes waren verpflichtet, den Galgen in Stand zu halten und bei Hinrichtungen die benötigten Leitern und einen Wagen zur Verfügung zu stellen. In Gerichtsakten sind einige Hinrichtungen überliefert. Bei Grabungen in den Jahren 1878 und 1920 wurden auf dem ehemaligen Galgenberg zahlreiche Knochen und Totenschädel sowie die Grundmauern des Galgens gefunden. Die meisten Hingerichteten wurden in der Nähe des Galgens in ungeweihter Erde verscharrt.

Pfarr- und Gemeindegrenzen

Die Bewohner auf dem Gebiet von Weinzierl gehörten ursprünglich zur Altpfarre Naarn. Von der Ortschaft Aisthofen ist bereits 985 im Zuge der Mistelbacher Synode und später 1357 anlässlich der Pfarrgründung von Schwertberg die Zugehörigkeit zur Pfarre Naarn belegt. Weinzierl und Aisthofen kamen vermutlich 1542 bei deren Gründung zur Pfarre Perg. Weder in Weinzierl noch in Aisthofen ist eine Kirche oder ein Friedhof nachweisbar.

1775/1777 kam im Zuge der von Kaiserin Maria Theresia eingeleiteten Reformen Aisthofen von der Pfarre Perg weg zur Pfarre Schwertberg, sodass sich diesbezüglich die Pfarr- und Gemeindegrenzen zwischen Perg (Katastralgemeinde Weinzierl) und Schwertberg seither nicht mehr decken.

1784 wurde Weinzierl durch Verfügung von Kaiser Joseph II. zur Steuer- und Katastralgemeinde und nach der Revolution von 1848 eine selbständige Gemeinde, die neben Weinzierl, Zeitling und Lanzenberg auch die Ortschaft Aisthofen umfasste. Am 1. November 1938 wurde die Gemeinde Weinzierl mit der Marktgemeinde Perg zusammengelegt.

Politik

Liste der Bürgermeister von Weinzierl (1848 bis 1938): [5]

  • 1850–1861 Johann Starzer
  • 1861–1870 Josef Schützenhofer
  • 1870–1894 Josef Schützeneder
  • 1894–1900 Johann Schweiger
  • 1900–1927 Josef Schützenhofer, Landwirt
  • 1927–1938 Karl Schützeneder, Gastwirt
  • 1938–1938 Franz Piessenberger, Landwirt

Wirtschaft und Infrastruktur

Bahn Haltestelle in Aisthofen
Straßenverbindungen
Verlassenes Kamig Betriebsgebäude in Weinzierl
"Mannersäge" - Motiv eines Notgeldscheines der Gemeinde Weinzierl bei Perg
Postkarte mit Manner Säge Perg, Oberösterreich um 1930

Die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete und 1898 eröffnete Donauuferbahn führt über das Gebiet der Katastralgemeinde Weinzierl und hat in der Ortschaft Aisthofen eine Haltestelle. Im Süden der Katastralgemeinde verläuft die B3c und durch Aisthofen führt die Schwertberger Landesstraße L1420). Der 2010 errichtete Donausteig durchquert Weinzierl auf zwei Routen, wobei eine durch die Ortschaft Weinzierl und die andere durch das Tal des Aisthofnerbaches führt.

Zu Beginn der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts hat die Gemeinde Weinzierl Notgeld herausgegeben. Eines der Motive war die auf dem Gemeindegebiet befindliche Manner Säge. Das 1911 gegründete Sägewerk diente der Josef Manner & Comp. AG für die Herstellung von Verpackungskisten für den Transport der legendären Mannerschnitten und brannte am 18. März 1955 ab. Sie wurde nach teilweisem Wiederaufbau Ende der 50er-Jahre endgültig stillgelegt. Auf dem Areal wurde am 12. November 1966 ein Zweigwerk der Firma Manner für die Produktion von Süßwaren errichtet. In Perg werden etwa 80 Mitarbeiter beschäftigt, und der zuletzt eingebaute weltgrößte Waffelofen soll den Standort für die Zukunft sichern.

1952 begann das in Schwertberg seit 1922 ansässige Bergbau-Unternehmen Kamig Österreichische Kaolin- und Montanindustrie AG Nfg. KG, in der Ortschaft Weinzierl mit dem Abbau von Kaolin in Tagebau-Technik. In Aisthofen (Gemeinde Perg) befinden sich sowohl Aufbereitungs- und Siloanlagen als auch ein Verwaltungsgebäude mit der aktuellen Firmenadresse.[6]

Vor allem in der unmittelbar an die Katastralgemeinde Perg angrenzenden Ortschaft Zeitling entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl Wohn- als auch Gewerbegebiete. Unternehmen wie Tobias Altzinger, Lagerhausgenossenschaft Mauthausen, Elektrizitätswerk Perg u.a. errichteten dort Betriebsstätten. Auch das Technologiezentrum befindet sich auf dem Gebiet der Katastralgemeinde Weinzierl. In Aisthofen entstand ein Fachbetrieb für Gartengestaltung und auf den Arealen der ehemaligen Firmen Lumetsberger und Wolf haben sich wieder Unternehmen aus der Baubranche angesiedelt. Auf der Liegenschaft der ehemaligen Tischlerei Guttmann entwickelte sich ein Fachbetriebezentrum.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die mehr als 200 Jahre in Oberösterreich nicht mehr vorhandene Weinbautradition als europäisches LEADER-Projekt wieder belebt. Beim Gmeinerhof in Weinzierl entstand ein Weinkompetenzzentrum für Oberösterreich mit Gebietsvinothek, Weinlabor, Fortbildungsveranstaltungen, Führungen usw. Bereits einige Jahre zuvor wurde mit dem Aufbau eines Weinbaubetriebes und Pflanzung von Weinstöcken für vier Rebsorten auf 1 Hektar Fläche auf einem nach Süden ausgerichteten Hang mit sandigem Lössboden auf dem Mühlberg begonnen und 2007 der erste Wein gelesen. Ergänzt wird das Projekt durch die Schaffung eines Weinlehrpfades, auf dem sukzessive alle in Österreich beheimateten Trauben angesetzt werden sollen und besichtigt werden können.

Literatur

  • Florian Eibensteiner und Konrad Eibensteiner: Das Heimatbuch von Perg, Oberösterreich, Selbstverlag, Linz 1933
  • Rudolf Zach: Perg im Spiegel der Geschichte, in: Stadtgemeinde Perg (Herausgeber): Perg, Festschrift anlässlich der Stadterhebung 1969, Linz 1969

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gerhard Pilz und Leopold Mayböck: Begehung eines (Kultur-) Wanderweges, Perg 1995, S 5
  2. OÖ. Urkundenbuch X/602; Meissauer LB, NBI. VII, S 30, zitiert in Grüll: Mühlviertel, S 145
  3. L. Werneck: Karte des historischen Weinbaues in Oberösterreich, Erläuterungstext und Verzeichnis der Weinbaustandorte, in: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines, Linz 1974, S 135
  4. Gerhard Pilz und Leopold Mayböck: Begehung eines (Kultur-) Wanderweges, Perg 1995, S 4
  5. Bürgermeister der Gemeinde Perg Land OÖ. in: Land Oberösterreich-Unser Land-Landesgeschichte-Gemeinden
  6. Festschrift 80 Jahre Kamig als PDF