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vom 30.06.2017, aktuelle Version,

Stiftskirche Klosterneuburg

Stiftskirche Klosterneuburg
Südwestansicht der Stiftskirche und davor die Tutzsäule

Südwestansicht der Stiftskirche und davor die Tutzsäule

Basisdaten
Konfession röm.-kath.
Ort Klosterneuburg, Österreich
Diözese Erzdiözese Wien
Patrozinium Mariä Geburt
Baugeschichte
Baubeginn 1114
Baubeschreibung
Baustil Gotik und Neugotik bzw. Historismus
Ausstattungsstil vorwiegend Barock
Bautyp Hallenkirche mit Seitenkapellen und Querschiff
Funktion und Titel

Pfarr-, Dekanats-, Stiftskirche

Koordinaten 48° 18′ 26″ N, 16° 19′ 33″ O

Die Stiftskirche Klosterneuburg des niederösterreichischen Augustiner-Chorherren-Stiftes Klosterneuburg ist eine ehemalige dreischiffige Basilika mit Querhaus. Im 17. Jahrhundert wurde sie zu einer Saalkirche umgebaut und erhielt um 1890 weitgehend ihr heutiges Erscheinungsbild. Sie hat einen romanischen Ursprung mit gotischen Ergänzungen und ist innen barockisiert.[1]

Der römisch-katholische Sakralbau wurde am 24. September 1936 von Papst Pius XI. mit dem Apostolischen Schreiben Inter praeclara pietatis in den Rang einer Basilica minor erhoben[2], ist zugleich eine Dekanatskirche (Dekanat Klosterneuburg) und eine Pfarrkirche (Stiftspfarre Klosterneuburg). Das Patrozinium der Stiftskirche ist Mariä Geburt.[3]

Baugeschichte

Statue des hl. Leopold am Südwestturm mit Modell der ursprünglichen Basilika

Der Vorgängerbau der Stiftskirche dürfte eine urkundlich 1108 erwähnte Marienkirche sein. Die Grundsteinlegung der Stiftskirche fand am 12. Juni 1114 durch den Stifter und Babenberger Markgrafen Leopold III. (der Heilige) statt. 1136 erfolgte die Weihe einer dreischiffigen Basilika mit Querschiff und mit drei halbkreisförmigen Apsiden sowie einem Turm über dem Quadrat der Vierung.

Ende des 14. Jahrhunderts wurde unter Propst Peter I. Lenhofer mit dem Bau des Südwestturmes begonnen. [4] In der ersten Barockisierungsphase von 1634 bis 1645 unter den Architekten Andrea Retti (1634/35), Johann Jakob Spaz (1636/37) und Giovanni Battista Carlone (ab 1638) wurde 1636 der Vierungsturm abgetragen. Von Steinmetzmeister Pietro Maino Maderno[5] samt den 23 Gesellen und 2 Bildhauern sowie seinen Steinbrechern und Tagwerkern im Steinbruch Haselbachleiten am Weidling-Steig wurde 1638 bis 1644 der gotisierte Nordostturm errichtet und die romanische dreischiffige Gliederung innen zu einer barocken Saalkirche mit Seitenkapellen abgeändert. In der zweiten Barockisierungsphase von 1680 bis 1702 erhielt das Langhaus eine hochbarocke Freskenausstattung von Johann Georg Greiner und Stuckaturen von Domenico Piazzol. In der dritten Barockisierungsphase schließlich wurde in der Zeit von 1723 bis 1730 das Presbyterium erhöht, barockisiert und mit Stuckatur von Santino Bussi sowie dem Kuppelfresko Aufnahme Mariens in den Himmel von Johann Michael Rottmayr ausgestattet.

In den Jahren von 1882 bis 1892 wurde unter dem Architekten und Dombaumeister Friedrich von Schmidt, den Baumeistern Martin und Josef Schömer, sowie den Bildhauern Karl Schwiefert und Franz Erler der Sakralbau renoviert und teilweise umgestaltet. Unter anderem erfolgte eine teilweise Neugestaltung des Äußeren vom Langhaus, vom Querhaus und vom Chor. Weiters wurde der Südwestturm teilweise abgetragen und unter Anlehnung an die Höhe und Form des Nordostturmes, der ebenfalls verändert wurde (Verdachung, neugotische Dekorationselemente), neu errichtet.

Ausstattung

Hochaltar

Hochaltarbild von Johann Georg Schmidt

Der prunkvolle romanische Verduner Flügelaltar als Hochaltar wurde 1714 entfernt[6] und durch einen monumentalen, barocken, die Apsis einnehmenden, ersetzt. Dieser wurde von dem Salzburger Steinmetz Sebastian Stumpfegger nach einem Entwurf von Matthias Steinl aus verschiedenfarbigen Salzburger Marmorarten um 1725 bis 1728 angefertigt. Das Altarbild von Johann Georg Schmidt stellt die Marienverehrung dar und die Figuren den Stammbaum Jesu, die von dem Hofbildhauer (Johann) Franz Caspar († 1728) angefertigt wurden.

Weitere Altäre

Die sechs Marmorwandaltäre in den Seitenkapellen des Langhauses (rechts: Anna-, Kreuz- und Michaelsaltar; links: Augustini-, Sebastina- und Barbaraaltar), die zwischen 1689 und 1697 von den Linzer Brüdern Johann Baptist der Jüngere und Johann Peter Spaz († 1695) geschaffen wurden. Die Altarbilder dazu stammen teilweise von Peter Strudel.

Der Peter-und-Paul-Altar in der nordöstlichen und der Afraaltar in der südwestlichen Kapelle des Querschiffes. Beide Altäre sind marmorne Wandaltäre aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.

Der neugotische Adikulaaltar in der Marienkapelle im südwestlichen Turmerdgeschoß mit einer spätgotischen Madonna-Statue sowie der Altar in der Beichtkapelle im nordöstlichen Turmerdgeschoß.

Orgel

Die Festorgel von Johann Georg Freundt

Die Stiftskirche besitzt zwei Orgeln. Die Festorgel hat drei Manuale mit 35 Registern und 2179 Pfeifen.[7] Errichtet wurde sie in den Jahren 1636 bis 1642 und kommt aus der Werkstatt der Passauer Orgelbaufamilie Freundt. Das hohe dreiteilig gestufte Gehäuse wurde von den Tischlern Jakob Kofler und Konrad Schmidt angefertigt. Das reiche Schnitzwerk schufen Michael Schmidt, Georg Gemelich und Max Preyer unter teilweiser Verwendung der Schnitzereien der Vorgängerorgel an. Das dreimanualige Instrument wurde 1984 und 1990 durch die schweizerische Orgelbau Kuhn AG restauriert.[8]
Die Festorgel ist die größte und bedeutendste Denkmalorgel des 17. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Das von internationalen Solisten gerne bespielte Konzertinstrument zeichnet sich neben seinem hervorragenden Klang unter anderem auch durch den Cornettton (a' = 476 Hz) und die mitteltönige Stimmung aus.

I Rückpositiv CDEFGA–c3
1. Principal in der Octave 4′
2. Octave zum Principal 2′
3. Superoctave zum Principal 1′
4. Cimbl II 14
5. Nachthorn gedackt 8′
6. KleinCopl 4′
7. Spitzflöten 4′
8. Krummhorn 8′
II Hauptwerk CDEFGA–c3
9. Principal 8′
10. Octav 4′
11. Quint über der Octav 3′
12. Superoctav 2′
13. Mixtur XII–XIV 4′
14. Cimbl II 23
15. Principalflöten 8′
16. Copl 8′
17. Quintadena 8′
18. OctavCopl 4′
19. Offene Flöten 4′
20. Dulcian in der Octave 4′
21. Dulcian 16′
22. Posaun 8′
III Brustwerk CDEFGA–c3
23. Superoctav 2′
24. Coplflöten 4′
25. Spitzflöten 4′
26. Regal 8′
Pedal CDEFGA–b0
27. Portunprincipal 16′
28. Octav 8′
29. Superoctav 4′
30. Mixtur VII–VIII 4′
31. Rauschwerk III 2′
32. Subbaß 16′
33. Choralflöten 4′
34. Großposaun 16′
35. Octavposaun 8′

Die zweite Orgel, Chororgel bezeichnet, wurde ursprünglich vom Wiener Hoforgelbauer Anton Pfliegler gebaut. Das Gehäuse gestaltete der Bildhauer Christoph Helfer. Im Jahr 2005 wurde von der Firma Orgelbau Kuhn unter Beibehaltung des Gehäuses eine neue Orgel installiert.[9]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 8′
2. Gemshorn 8′
3. Octav 4′
4. Flauten 4′
5. Quint 223
6. Superoctav 2′
7. Mixtur IV 113
8. Trompet 8′
II Unterwerk C–g3
9. Copl 8′
10. Principal 4′
11. Rohrflauten 4′
12. Nassat 223
13. Octav 2′
14. Terz 135
15. Scharff III 1′
16. Krummhorn 8′
Tremulant
Pedal C–f1
17. Subbass 16′
18. Principalbass 8′
19. Gedacktbass 8′
20. Choralbass 4′
21. Mixtur III 223
22. Fagottbass 16′
23. Trompetenbass 8′

Bildergalerie

Literatur

  • Bundesdenkmalamt (Hg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich, südlich der Donau, Teil 1. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, Seite 1014f, ISBN 3-85028-364-X
  Commons: Stiftskirche Klosterneuburg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ulrike Seeger in Wiener Jahrbuch fur Kunstgeschichte, herausgegeben vom Institut für Österreichische Kunstforschung (Austria), Austria. Bundesdenkmalamt, Universität Wien. Institut für Kunstgeschichte, Wien 1923, Seiten 297ff
  2. Pius XI.: Litt. Apost. Inter praeclara pietatis, in: AAS 29 (1937), n. 2, p. 26s.
  3. Stephanscom.at: Klosterneuburg-Stiftspfarre; abgerufen am 17. August 2010
  4. Linktext, zusätzlicher Text.
  5. Pietro Maino Maderno, die 5. und die 8. Station ist das Stift Klosterneuburg, in: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch Nr. 34, Nov. 1994, S. 17-22 und 25-26.
  6. Referat von Barbara Brandl: Der Verduner Altar; abgerufen am 17. August 2010
  7. Orgelfachverlag: Die historische Freundt-Orgel; abgerufen am 17. Aug. 2010
  8. Orgelbau Kuhn: Klosterneuburg; abgerufen am 17. Aug. 2010
  9. Orgelbau Kuhn: Neu im alten Kleid; abgerufen am 17. August 2010
  10. Allgemeine Presseinformation des Stiftes Klosterneuburg; Herbst 2011 (Memento vom 16. September 2012 im Internet Archive) (PDF; 162 kB)