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Warum dieser Softie so hart im Nehmen ist #

Talk ist das weichste Mineral der Welt, erhöht aber u. a. Festigkeit und Temperaturbeständigkeit Tausender Produkte. Auch dank steirischer Innovationskraft.#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Freitag, 9. Dezember 2016)

Von

Manfred Neuper

Im Werk von Imery Talc Austria in Weißkirchen
Im Werk in Weißkirchen betreibt Imery Talc Austria enormen Forschungs- und Entwicklungsaufwand
Foto: IM-TA

Mit dem „Härtegrad 1“ auf der zehnstufigen Härteskala (auf 10 rangiert der Diamant) gilt er als „Softie“ unter den Rohstoffen und auch sonst eilt dem Mineral Talk in der breiten Öffentlichkeit kein spektakulärer Ruf voraus. Zu Unrecht, denn dieser Softie ist extrem hart im Nehmen. Das weiß kaum jemand besser als Klaus Dörfler, Leiter von Imerys Talc Austria (früher auch als Naintsch Mineralwerke bekannt). Denn in seinem Unternehmen spielt Talk seit mittlerweile 100 Jahren die Hauptrolle.

In Tausenden Produkten des Alltags kommt vermahlenes Talkpulver zum Einsatz. Und Imery Talc Austria – seit 2011 Teil des französischen Imery- Konzerns – mit Hauptsitz in Graz ist ein Schlüsselspieler in der Branche. Abgebaut wird bereits seit 1917 im Bergbau Rabenwald, verarbeitet wird in Oberfeistritz, das Leukophyllit wird nahe Kleinfeistritz gewonnen. Im Werk Weißkirchen wurde sowohl Talk als auch Leukophyllit (Mineralgemenge aus Talk, Chlorit und Serizit) verarbeitet. „Forschung und Entwicklung sind Teil unserer DNA“, betont Dörfler. In Weißkirchen kommt eine Mahltechnik zum Einsatz, die weltweit einzigartig ist. Die dafür notwendigen sogenannten Strahlmühlen sowie die Anlagen für die Sichtung und das Kompaktieren werden vom Unternehmen selbst entwickelt. „Die gibt es nirgends zu kaufen“, betont Dörfler. Und auf diesem Prozess- Know-how basiert auch der seit Jahrzehnten weiterentwickelte Technologievorsprung der Steirer. So kann Talkpulver inweltweit einzigartiger Feinheit erzeugt werden. „Im Vergleich dazu ist Staubzucker wie Schotter.“

Das Rohgestein dafür komme aus anderen Talklagerstätten aus der ganzen Welt, eben weil das Werk über diese Hightech- Mahltechnik verfüge. So wird der Rohstoff mitunter aus China geliefert, in Weißkirchen vermahlen und dann wieder nach China exportiert. Von Weißkirchen aus werden etwa 200 Kunden in der Kunststoff sowie der Farben- und Lackindustrie in mehr als 40 Ländern beliefert. Talkprodukte im Bereich von 0,5 Mikron haben Fließeigenschaften wie Wasser und sind aufgrund ihrer Eigenschaften bei der Herstellung von modernen Kunststoffen eine wichtige Zutat.

Wobei das „dominierende und besonders zukunftsträchtige Feld“, wie es Dörfler nennt, Kunststoff für die Autoindustrie ist. Kaum jemand weiß, dass in jedem Auto im Schnitt acht bis zwölf Kilo Talk verarbeitet sind – u. a. bei Kunststoffarmaturen oder Stoßfängern. Die Eigenschaften von Talkprodukten wie Biegefestigkeit und Schlagzähigkeit sind für die Autoindustrie prädestiniert. Ein wichtiger Grund liegt aber auch im Gewicht. Denn Kunststoffe machen Autos leichter und das ist für die Senkung von Treibstoffverbrauch und Schadstoffausstoß von immenser Bedeutung. Durch die steirischen Innovationen werden die Kunststoffteile in den Autos zudem hitzebeständiger, fester und – ganz wichtig – auch recyclingfähig. Talk kommt neben den Kunststoffen für Autos u. a. auch in Haushaltsgeräten sowie in Farben und Lacken vor.

Weitere Einsatzbereiche sind die Papier-, Karton- und Zellstoffindustrie, wo Talk als Füllstoff verwendet wird, aber auch dafür sorgt, dass Harzverklebungen an der Papiermaschine und somit Ausfälle verhindert werden.

Kosmetischen Produkten verleiht Talk wiederum seidige Eigenschaften, auch Duftstoffe werden gut transportiert. Talk ist zudem ein idealer Wirkstoffträger für Tabletten und medizinische Puder. Auch die Beschichtung von Tabletten ist häufig talkhaltig, denn so verkleben die einzelnen Pillen nicht.

Kleine Zeitung, Freitag, 9. Dezember 2016