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Veranlassung EH Karls II. von Innerösterreich wurde 1581 die „Compagnie oder bürgerliche
Eisenhandelsgesellschaft“ mit Sitz in Steyr gegründet. Im Zuge der Gegenreformation
jedoch geriet manch protestantischer Aktionär in Bedrängnis, wanderte des Glaubens
wegen aus oder erlegte „Bleiblichkeitssummen“. In der Folge wurde die Innerberger
Hauptgewerkschaft gegründet. 2670
Nemrod Kölnböck konnte den Besitz Wallsee finanziell nicht halten, was außer an seiner
Leidenschaft für das kostspielige Hobby der Alchemie,2671 ua vielleicht auch an entsprechend
hohen Zahlungen für den Verbleib im Lande (trotz Beibehaltung des Lutherischen Glaubens)
gelegen haben mag. Verordnungen und Patente der Gegenreformation wurden (ua laut
Katzinger/Mayrhofer, Wacha u.a.) nicht so rigoros wie angenommen, durchgesetzt. In Linz
verwendete man solche Gelder ua zum Wiederaufbau des Bürgerspitals.2672
Interessant erscheint in Anbetracht der üblicherweise mehr oder weniger auffälligen
Ausschaltung bzw Hintanhaltung evangelischer Glaubensgenossen (wie ua des
„angehenden Mautners“ Sebastian Bischoff in Linz 2673), dass der Protestant Nemrod
Kölnböck bleiben und sogar Schloss Niederwallsee am 24. April 1597 (laut Siebmacher
aber bereits unter Nemrods Vater Johannes 2674) erwerben konnte. Der Sachsen-
Coburgische Archivar Dr. Carl Samwer, welcher nicht nur das Archiv des Schlosses Wallsee
ordnete, sondern auch eine Chronik und Studien verfasste, vermutete, dass sich Kölnböck -
ebenso wie Gundackar vPolhaim und Wolff Nicolaus vGrienthal, welche zur kaiserlichen
Partei zählend - in dem Verzeichnis der zu schonenden unkatholischen, aber treuen (Ober-)
Österreicher eingetragen war, welches 1620 Kaiser Ferdinand II. dem bayrischen Kurfürsten
Maximilian übersandte. 2675
Wohl befindet sich die Grabplatte des am 31. Dezember 1620 verarmt in Enns verstorbenen
ehemaligen Besitzers von Schloss Wallsee, Nemrod Kölnböck, in der Pfarrkirche Sindelburg
(s.u.), er soll jedoch nicht dort beigesetzt worden sein. Sein Epitaph ist ebenso wie jenes
seiner Gemahlin Salome an der Außenwand der Johannes-Kapelle der Pfarrkirche
Sindelburg angebracht. Der Kupfersarg der Salome Kölnböck, geb. vSinzendorf, verstorben
am 25. August 1616, soll in der Pfarrkirche Sindelburg beigesetzt worden sein.2676
Gastgeb, heiratete (erw 1588>1598). Wolfs Epitaph zeigt ihn zweimal, im oberen Feld mit dem Erlöser und dem
Tod, im 2. mit seiner gesamten Familie (1588), entsprechend dem damaligen Wunsch des Zusammenführens der
Familie im Tode, auch in der Grabskulptur. Das Epitaph befindet sich in der Vorhalle an der Kirchenwand der
Steyrer Stadtpfarrkirche. Matthäus Urkauff, vm sein Sohn, verstarb 1627. Preuenhueber, Annales, 306. Die
Urkauff erhielten 1555 einen Wappenbrief (Hieronymus Urkhauff). OÖLA, Schlüsselbergerarchiv, 56, fol. 364. AK
Adel im Wandel, 387. In der Emigrantenliste von 1628 scheint der Name Urkauff auf. Neumann, Steyr, 38.
2670
Begriff und Erläuterung Dr. Wacha, PI 21. Dezember 2004: Eine Art Schutzgeld, welches das Verbleiben im
Glauben und im Land gewährleistete. Mayrhofer/Katzinger, Linz, 146.
2671
Schuster, Geheime Gesellschaften, 509f. Von den Arabern überliefert, gelangte der Glaube an die Alchemie
(Goldmacherkunst) nach Spanien und ganz Europa. Seit dem 13. Jh wurde sie von den Autoritäten auf dem
Gebiet der Naturwissenschaften anerkannt. Papst Johann XXII. erließ 1317 eine Bulle gegen die Anhänger der
Goldmacherkunst. Ks Rudolf II. (Regierungszeit 1576>1612), Ferdinand III. (Rz 1637>1657), Leopold I. (Rz
1658>1705) waren ebenfalls der Hermetik zugetan. Im Kunsthistor. Museum Wien findet sich eine Erläuterung
wie im 17. Jh Silber in Gold verwandelt wurde: Ein Medaillon aus einer Legierung von Gold, Silber und Kupfer
wurde in Säure getaucht, das Silber herausgelöst, >die goldgelbe Farbe entstand. KuHiMu, Münzkabinett.
2672
Mayrhofer/Katzinger, Linz, 359. Wacha, PI 21. Dezember 2004. vHabsburg-Lothringen Franz EH, ua persönl.
PI 11. Oktober 2007.
2673
Zweiter Gemahl der Barbara Engl vWagrain. Schäffer, GHft Hagen/Inhaber, Bd I,II. Vgl Schäffer, Khueperger,
44 ff; 58, 94ff. Bischoff, Khueperger und Kölnböck aus bürgerlichen Familien stammend, besaßen vm untitulierte
Wappenbriefe, nicht das Adelsprädikat „von“.
2674
Siebmacher, Bd 27, 158.
2675
vHabsburg-Lothringen Franz EH, persönl. PI 11. Oktober 2007, PA. Samwer, Gesch. Wallsee, 75, 87 (PA
Habsburg-Lothringen). Schäffer, Khueperger, 58,109.
2676
Mag. Manfred Heiderer, Pfarrer von Sindelburg, persönl. PI 12. November 2012. Sonnleitner, Festschrift Pf.
Sindelburg, 11, 15. Heute nicht mehr zugänglich. Salome Kölnböck verstarb am 25. August 1616 im Alter von 46
Jahren zu Salaberg. Nemrod war gezwungen, seinen Besitz zu verkaufen, so 1618 Schloss Seggau an Stephan
Eggmüller: Riegler, Burgen, Schlösser, Ruinen, 97.
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Adelsgeschlechter Hagen
- Titel
- Adelsgeschlechter Hagen
- Autor
- Hanna und Herbert Schäffer
- Verlag
- Austria-Forum
- Ort
- Linz
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Oberösterreich, Linz
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Inhaltsverzeichnis
- Vorbemerkungen 1
- Die Herren Sunelburg und ihr Wappen 7
- Die Stammburg der Herren Sunelburg 16
- Stammtafel der Edlen Sunelburg 21
- Das Auftreten der Sunelburger in Urkunden 22
- Hohold (Irmingard Pürten) 22
- Reginhard privignus 26
- Reginhard (I.) 28
- Walchun Sunelburg-Lungau 29
- Reginhard (II.) 30
- Elisabeth 31
- Beatrix 32
- Konrad (Benedicta von Haunsperg ) 37
- Beiträge zu mit den Edlen Sunelburg versippten Adelsgeschlechtern, den Sta 45
- Grafen Dornberg x - Lungau 46
- Dietmar I. (Irmingard vPürten ) 47
- Wolfram I. 49
- Hugo 49
- Dietmar II. 50
- Wolfram III. 54
- Edelfreien vAmerang - Schleunz 59
- Pabo 64
- Pabo I. Amerang-Schleunz (Elisabeth Sunelburg ) 65
- Pabo II. vAmerang-Schleunz (Anzbach, Elisabeth Waxenberg ) 68
- Otto I. Schleunz (Kunigunde Lengenbach/Velburg-Clam, Kunigunde Mern/Mähren)….………… 74
- Hochfreien Perg/Machland / Clam 83
- Walchun III. Machland-Lungau 85
- Hartlieb 87
- Otto II. (Kloster Erla ) 88
- Walchun IV. (Beatrix Sunelburg ) 94
- Grafen Bergtheim/Velburg -Clam 98
- Hermann (Adelheid Machland-Clam) 99
- Otto (Elisabeth Schleunz) 102
- Ulrich (Kunigunde Lengenbach) 105
- Stammtafel der Hochfreien Haunsperg 108
- Hochfreie Haunsperg 109
- Besitzungen der Hochfreien Haunsperg 114
- Linz/Donau -Haunsperger 119
- Meginhard I. 131
- Friedrich I. 132
- Benedicta (Schönhering , Sunelburg , Wilhering ) 134
- Luitgard (Erchenbert Moosbach ) 134
- Gottschalk I. (Otilia Wilhering) 138
- Friedrich III. de Lincz 140
- Ulrich I. (Adelheid von Au) 141
- Gottschalk II. 145
- Hinweise auf Elisabeth und Adelheid Haunsperg 152
- Stammtafel der Schönhering-Plankenberg 154
- Edlen Schönhering - Plankenberg 155
- Pernhart I. 160
- Engelbert I. Schönhering (Benedicta Haunsperg ) 162
- Engelbert II. Schönhering-Plankenberg (Kunigunde) 166
- Verbindung mit den Herrn Rosenberg/Witigonen (Witigo) 176
- Stammtafel der Rosenberg 176