Hagenbund

Katalog-Illustration Herbst 1904
von Joseph Urban

Der Hagenbund war eine Künstlervereinigung in Wien. Während der Zwischenkriegszeit stellte sie die fortschrittlichste Vertretung bildender Künstler in Österreich dar.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Vereinigung wurde am 3. Februar 1900 als Künstlerbund Hagen – ähnlich wie drei Jahre zuvor die Wiener Secession – von jüngeren und mit den Gepflogenheiten der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs unzufriedenen Künstlern gegründet. Beteiligt waren die Künstler Heinrich Lefler, Joseph Urban, Maximilian Suppantschitsch und Eduard Kasparides, der die Gruppe 1905 wieder verließ[1]. Bis Ende des Jahres 1900 verblieb der Hagenbund als Club mit selbständigem Ausstellungsrecht in den Räumlichkeiten des Künstlerhauses.

1901 folgten Ausstellungen in der damals renommierten Wiener Galerie Miethke und in München. Zu Beginn des Jahres 1902 wurde die erste Ausstellung im eigenen Haus eröffnet, einem Teil einer etwa 1870 errichteten Markthalle in der Zedlitzgasse in der Wiener Innenstadt, die vom Architekten und Mitbegründer des Hagenbundes Joseph Urban adaptiert und im Sinne des Jugendstils geschmückt wurde. Heute befindet sich an diesem Ort ein Umspannwerk der Wiener Elektrizitätswerke.

In den ersten Jahren des Bestehens stand der Hagenbund künstlerisch im Schatten der Sezession, die um 1900 die Avantgarde darstellte, während der Hagenbund eine „gemäßigt moderne“ Richtung vertrat und sich andererseits deutlich vom konservativen Wiener Künstlerhaus abhob. Die tolerante und liberale Kunstauffassung, nach der von den Mitgliedern und Gästen kein bestimmter Stil erwartet wurde und das Religionsbekenntnis, die politische Einstellung oder die Herkunft eines Künstlers nicht maßgeblich waren, hatte zur Folge, dass die Vereinigung auch jüdischen Künstlern offen stand. 1902 und 1903 waren hier Werke des damals noch relativ unbekannten Anton Hanak zu sehen.

Zu den Gästen des Hagenbunds gehörten unter anderem Oskar Kokoschka (1911), Egon Schiele (1912) und Anton Kolig. Die Ausstellung dieser Bilder stieß auf Ablehnung durch maßgebliche öffentliche Funktionäre, und die Gemeinde Wien verlängerte den Mietvertrag 1913 nicht mehr. Eine Rolle spielte dabei auch der die moderne Kunst völlig ablehnende Thronfolger Franz Ferdinand. Bis zur Wiedereröffnung der „Zedlitzhalle“ im Jahre 1920 gastierte der Hagenbund wieder im Wiener Künstlerhaus und in der Wiener Sezession, aber auch in Prag und in anderen Ländern außerhalb Österreichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte der Hagenbund zahlreiche Neubeitritte (etwa Carry Hauser, Georg Ehrlich, Georg Mayer-Marton, Fritz Schwarz-Waldegg und Georg Philipp Wörlen) zu verzeichnen. Hier fand auch die erste österreichische Auseinandersetzung mit dem Kubismus und der Neuen Sachlichkeit statt.

1938 wurde die Vereinigung von den nationalsozialistischen Machthabern aufgelöst, und viele Mitglieder, von denen die meisten Juden im Sinne der Nürnberger Gesetze waren, mussten Österreich verlassen oder wurden ermordet.

1947 wurde von ehemaligen Mitgliedern des Hagenbundes der Neue Hagenbund gegründet, der bis etwa 1960 Ausstellungen veranstaltete und zwischen 1982 und 1984 noch kurz aktiv war.

Mitglieder und verbundene Künstler

Literatur

  • Die verlorene Moderne: Der Künstlerbund Hagen 1900–1938 Eine Ausstellung der Österreichischen Galerie Wien in Schloss Halbturn. Ausstellungskatalog, Halbturn 1993 dnb

Einzelnachweise

  1. Kasparides, Eduard. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 23, E. A. Seemann, Leipzig 1929, S. 123