Regionalwahlkreis Wien Nord

Wahlkreis Wien Nord
Regionalwahlkreise Oesterreich.png
Staat Österreich
Bundesland Wien
Anzahl der Mandate 6[1]
Wahlberechtigte 214.446 (2008)[2]
Wahlbeteiligung 74,3 %[2]
Wahldatum 28. September 2008
Abgeordnete

Der Regionalwahlkreis Wien Nord (Wahlkreis 9G) ist ein Regionalwahlkreis in Österreich, der bei Wahlen zum Nationalrat für die Vergabe der Mandate im ersten Ermittlungsverfahren gebildet wird. Der Wahlkreis umfasst die beiden Wiener Gemeindebezirke 21. Floridsdorf und 22. Donaustadt. Bei der letzten Nationalratswahl 2008 waren im Regionalwahlkreis Wien Nord 214.446 Personen wahlberechtigt, wobei bei der Wahl Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) mit 40,5 % als stärkste Partei hervorging. Bei der Wahl konnte neben der SPÖ, die zwei Grundmandate erreichte, auch die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) eines der sechs Grundmandate gewinnen.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach dem Ende des Staates Österreich-Ungarn wurden für das Gebiet Wiens mit der Wahlordnung 1918 für die Wahl der konstituierenden Nationalversammlung sieben Wahlkreise geschaffen, wobei für das Gebiet des heutigen Regionalwahlkreises der Wahlkreis Wien Nordost (Wahlkreis 4) bestand. Dieser umfasste neben dem Bezirk Floridsdorf, der heute Teil des Regionalwahlkreises Wien Nord ist, auch die Bezirke Brigittenau und Leopoldstadt (heute Regionalwahlkreis Wien Innen-Ost). Teile des späteren Bezirks Donaustadt lagen zu dieser eit noch außerhalb Wiens und waren Teil des Wahlkreises Viertel unterm Manhartsberg (Wahlkreis 11).[3] Nachdem Wien von Niederösterreich Anfang der 1920er Jahre seine Selbständigkeit erlangt hatte und Gebiete wie Südtirol und Südböhmen endgültig von Österreich an die Nachfolgestaaten abgetreten worden waren, erfolgte 1923 die Neuordnung der Wahlkreise. Diese Neuordnung wirkte sich jedoch nicht auf die bestehenden Wahlkreise Wiens bzw. auf den Wahlkreis 'Viertel unterm Manhartsberg aus.[4] Nachdem die Wahlordnung von 1923 von der austrofaschistischen Regierung 1934 außer Kraft gesetzt worden war, wurde die ursprüngliche Einteilung der Wahlkreise nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Verfassungsgesetz vom 19. Oktober 1945 weitgehend wieder eingeführt, wenngleich die Grenzen der Wahlkreise an die veränderten Grenzen Wiens angeglichen wurden. Dadurch wurden die Teile des 1954 geschaffenen Bezirks Donaustadt nun auch Teil des Wahlkreises Wien Nordost.[5] Mit der Nationalrats-Wahlordnung 1971 kam es zu einer tiefgreifenden Wahlkreisreform, mit der die Anzahl der Wahlkreise in Österreich auf nur noch neun reduziert wurde. Für das Bundesland Wien bestand in der Folge nur noch ein Wahlkreis (nun Wahlkreis 9).[6] Mit Inkrafttreten der Nationalrats-Wahlordnung 1992 wurde das österreichische Bundesgebiet schließlich in 43 Regionalwahlkreise unterteilt und somit ein drittes Ermittlungsverfahren eingeführt, wobei die Bezirke FHietzing, Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus und Liesing zum Regionalwahlkreis Wien Nord (Wahlkreis 9G) zusammengefasst wurden.[7] 1993 wurde dem Regionalwahlkreis fünf Mandate zugewiesen,[8] wobei die Neuberechnung der Mandatsverteilung im Jahr 2002 (nach den Ergebnissen der Volkszählung 2001) zu einer Erhöhung der Direktmandat auf sechs Mandate führte.[9]

Seit der Schaffung des Wahlkreises gelang es der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) bei jeder Wahl stimmenstärkste Partei zu werden, wobei sie bei der Nationalratswahlen 2002 mit 52,5 % ihr bisher bestes Ergebnis erreichte. Neben 2002 konnte die SPÖ auch 1995 eine absolute Stimmenmehrheit für sich verbuchen. Ihr schlechtestes Ergebnis musste die SPÖ bei der letzten Wahl 2008 mit 40,5 % hinnehmen. Den zweiten Platz im Regionalwahlkreis belegte bei fünf von sechs Wahlen die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), wobei die FPÖ 1999 mit 27,0 % ihren größten Wahlerfolg feiern konnte. Nachdem die FPÖ bei der darauffolgenden Wahl 2002 auf 8,1 % abgestürzt war, konnte sie sich bis 2008 wieder auf 26,0 % steigern. Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) belegte lediglich 2002 den zweiten Platz, als sie mit 26,3 % die FPÖ überholen konnte. 2008 musste die ÖVP mit 11,3 % ihr schlechtestes Ergebnis hinnehmen. Die Grünen – Die grüne Alternative (GRÜNE) belegten zumeist den vierten Platz, wobei sie 2002 durch den Absturz der FPÖ einmalig drittstärkste Partei werden konnte. Die Grünen erreichten bei den letzten drei Wahlen rund 10 bis 11 %.

Wahlergebnisse

Nationalratswahl im Wahlkreis 9E 2008
 %
50
40
30
20
10
0
40,5 %
(-8,2 %p)
26,0 %
(+9,4 %p)
11,3 %
(-5,1 %p)
10,4 %
(-1,2 %p)
5,7 %
(+3,6 %p)
2,8 %
(n. k.)
3,2 %
(-1,4 %p)
2006

2008

Nationalratswahlen im Regionalwahlkreis Wien Nord[2][10]
Wahltermin GM[11] SPÖ ÖVP FPÖ GRÜNE BZÖ LIF Sonstige
9. Oktober 1994 Stimmenanteile (%) 45,4 12,4 23,0 8,1 - 9,3 1,8
5 Grundmandate 2 0 1 - - 0 0
17. Dezember 1995 Stimmenanteile (%) 50,8 13,9 20,9 4,7 - 7,9 1,8
5 Grundmandate 2 0 1 0 - 0 0
3. Oktober 1999 Stimmenanteile (%) 44,5 12,2 27,0 7,9 - 5,0 3,4
5 Grundmandate 2 0 1 0 - 0 0
24. November 2002 Stimmenanteile (%) 52,5 26,3 8,1 10,3 - 1,4 1,4
6 Grundmandate 3 1 0 0 - 0 0
1. Oktober 2006 Stimmenanteile (%) 48,7 16,4 16,6 11,6 2,1 - 4,6
6 Grundmandate 2 0 0 0 0 - 0
28. September 2008 Stimmenanteile (%) 40,5 11,3 26,0 10,4 5,7 2,8 3,3
6 Grundmandate 2 0 1 0 0 0 0

Einzelnachweise

  1. Bundesministerium für Inneres - Wahlkreiseinteilung
  2. a b c d Ergebnis der Nationalratswahl 2008 auf den Seiten des Bundesministeriums für Inneres
  3. Wahlordnung 1918
  4. Nationalrats-Wahlordnung 1923
  5. Staatsgesetzblatt 51/1945 Gesetz Nr. 198
  6. Nationalrats-Wahlordnung 1971 BGBl. 391/1970
  7. Nationalrats-Wahlordnung 1992 BGBl. 471/1992
  8. BGBl. 322/1993 Kundmachung: Zahl der auf jeden Wahlkreis entfallenden Mandate für die Wahl des Nationalrates
  9. BGBl. 337a/2002 Kundmachung: Zahl der auf jeden Wahlkreis entfallenden Mandate für die Wahl des Nationalrates
  10. Wahlergebnisse ab 1995
  11. Anzahl der zu vergebenden Grundmandate

Literatur

  • Verbindungsstelle der Bundesländer beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung: Wahlstatistik. Die Wahlen in den Bundesländern seit 1945. Nationalrat und Landtage. 8. Auflage, Wien 1994