Zistersdorf

Zistersdorf
Wappen von Zistersdorf
Zistersdorf (Österreich)
Zistersdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Gänserndorf
Kfz-Kennzeichen: GF
Fläche: 88,75 km²
Koordinaten: 48° 31′ N, 16° 45′ O48.51666666666716.75199Koordinaten: 48° 31′ 0″ N, 16° 45′ 0″ O
Höhe: 199 m ü. A.
Einwohner: 5.438 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 61,27 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2225
Vorwahl: 02532
Gemeindekennziffer: 3 08 63
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 12
2225 Zistersdorf
Website: www.zistersdorf.at
Politik
Bürgermeister: Wolfgang Peischl (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(29 Mitglieder)
18 ÖVP, 8 SPÖ, 2 FPÖ, 1 L. Grüne
Lage der Stadt Zistersdorf im Bezirk Gänserndorf
Aderklaa Andlersdorf Angern an der March Auersthal Bad Pirawarth Deutsch-Wagram Drösing Dürnkrut Ebenthal Eckartsau Engelhartstetten Gänserndorf Glinzendorf Groß-Enzersdorf Groß-Schweinbarth Großhofen Haringsee Hauskirchen Hohenau an der March Hohenruppersdorf Jedenspeigen Lassee Leopoldsdorf im Marchfelde Mannsdorf an der Donau Marchegg Markgrafneusiedl Matzen-Raggendorf Neusiedl an der Zaya Obersiebenbrunn Orth an der Donau Palterndorf-Dobermannsdorf Parbasdorf Prottes Raasdorf Ringelsdorf-Niederabsdorf Schönkirchen-Reyersdorf Spannberg Strasshof an der Nordbahn Sulz im Weinviertel Untersiebenbrunn Velm-Götzendorf Weiden an der March Weikendorf Zistersdorf NiederösterreichLage der Gemeinde Zistersdorf im Bezirk Gänserndorf (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Das Stadtamt von Zistersdorf mit der Pestsäule im Vordergrund.
Das Stadtamt von Zistersdorf mit der Pestsäule im Vordergrund.
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Zistersdorf ist eine Stadtgemeinde mit 5438 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Zistersdorf liegt am Fuße des Steinberges im Weinviertel, inmitten von Weinbergen. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 88,61 Quadratkilometer. 8,13 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Katastralgemeinden sind Blumenthal, Eichhorn, Gösting, Gaiselberg, Groß-Inzersdorf, Loidesthal, Maustrenk, Windisch Baumgarten und Zistersdorf.

Geschichte

Zistersdorf wurde im Jahre 1160 erstmals urkundlich erwähnt und um 1250 von den Kuenringern als mit Mauern umgebene Stadt gegründet. Die Verleihung des Stadtrechtes erfolgte 1284.

Der Ort und seine Umgebung waren mehrmals Opfer feindlicher Einfälle, so wurden im 15. Jahrhundert große Teile des Weinviertels von den Hussiten heimgesucht und geplündert, darunter auch Zistersdorf. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges zog der schwedische General Torstensson nach seinem Sieg bei Jankau 1645 eine Spur der Verwüstung bis nach Wien, wobei er mit seinem Heer auch in Zistersdorf einfiel. Am 17. Oktober 1706 fielen die Kuruzen unter Graf Simon Forgatsch (Forgács) mit 16.000 Mann in Zistersdorf ein, plünderten den Ort und töteten im Schloss rund 400 Menschen.

Nachdem der letzte Kuenringer 1594 verstorben war, wurden danach die Pottendorfer, später die Grafen von Althan die Stadtherren von Zistersdorf. Zu den Stadtherren gehörte auch Rudolf von Teuffenbach, der als Feldmarschall im Dreißigjährigen Krieg in der Armee Wallensteins diente. Er gründete ein Spital und ein Franziskanerkloster mit Kirche, die heutige Pfarrkirche. Um 1820 wurde das Schloss der k.k. Ritterakademie übergeben.

Manöver der k.u.k.-Armee 1876 in Maustrenk. Gemälde von Theodor Breitwieser, Heeresgeschichtliches Museum.

Bekannt wurde Zistersdorf durch seine Erdölfunde. Im August 1930 wurde zum ersten Mal Rohöl gefördert. Allerdings reichte die Fördermenge nicht zur Ausbeutung. Vier Jahre später wurde die Bohrung Gösting 2 fündig und erreichte eine Tagesproduktion von 30 Tonnen Erdöl. Diese Erdölvorkommen hatten im Zweiten Weltkrieg für die Kriegsführung der Wehrmacht enorme Bedeutung. Demzufolge kam es zu Engpässen beim Volumen der verfügbaren Treibstoffe, als am 16. und 26. Juni 1944 die Alliierten die dortigen Erdölförderungsanlagen bombardierten.

Durch den Umstand, dass sich in Zistersdorf und seiner Umgebung die letzten noch funktionierenden Erdölfelder des Dritten Reiches befanden, gehörte der Ort zu den Primärzielen der Roten Armee, als diese am 6. April 1945 die March Richtung Westen überschritt. Das Gebiet wurde von Wehrmacht und Waffen-SS energisch verteidigt, jedoch noch im Verlauf des Aprils von den Russen überrannt.

Seit 1994 bemühte sich der Müll-Konzern ASA um die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage im landschaftlich reizvoll gelegenen Ort, im Herbst 2006 wurde mit dem Bau begonnen und 2009 hat die Müllverbrennungsanlage zur thermischen Verwertung von Restmüll und Klärschlamm den Betrieb aufgenommen.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung


Politik

Gemeinderatswahlen
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
60,51 %
(-4,40 %p)
25,56 %
(+0,67 %p)
7,74 %
(+4,56 %p)
6,19 %
(-0,83 %p)
2005

2010


Bürgermeister der Stadtgemeinde ist Wolfgang Peischl, Amtsleiter ist Dr. Josef Mötz. Im Stadtgemeinderat gibt es nach der Gemeinderatswahl 2010 bei insgesamt 29 Sitzen folgende Mandatsverteilung: ÖVP 18, SPÖ 8, FPÖ 2, GRÜNE-Liste 1.

Sehenswürdigkeiten

Pestsäule in Zistersdorf (1747)
Die Stadtmauer von Zistersdorf
  • Schloss Zistersdorf: von 1278, mit Umbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Darin befindet sich seit 1960 die Landesberufschule für das Sanitär-, Heizung- und Lüftungshandwerk.
  • Stadtmauer: teilweise erhaltene Stadtmauer mit Pulverturm und Stadttor
  • Barocke Pestsäule: von 1747
  • Stadtpfarrkirche: die Stadtpfarrkirche wurde als Franziskanerkloster gegründet
  • Wallfahrtskirche Maria Moos: das älteste Quellenheiligtum Niederösterreichs (1160)[1], ursprünglich romanisch, später gotisiert, mit Barockelementen und einem Altarbild von Paul Troger
  • Darüber hinaus gibt es ein Stadtmuseum.


Städtepartnerschaften

TschechienTschechien Hodonín, Tschechien
OsterreichÖsterreich Zwettl im Waldviertel in Niederösterreich, Österreich
DeutschlandDeutschland Nienhagen (Landkreis Celle), Niedersachsen, Deutschland

Wirtschaft und Infrastruktur

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 205, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 332. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2368. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 42,98 Prozent. Zistersdorf ist auch der Standort einer Biodieselraffinerie.

Im Jahr 2009 hat eine von der .A.S.A. Abfall Service Zistersdorf GmbH errichtete Müllverbrennungsanlage zur thermischen Verwertung von Restmüll und Klärschlamm den Betrieb aufgenommen.

In Zistersdorf befindet sich der Sitz der 1997 gegründeten Euregio Weinviertel-Südmähren-Westslowakei.

Verkehr

Zistersdorf ist Endpunkt der nur mehr für den Güterverkehr genutzten Bahnstrecke Drösing–Zistersdorf.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter:


Personen mit Beziehung zur Stadt:

  • Franz Haas (1948–2004), österreichischer Maler, lebte und arbeitete in Zistersdorf
  • Ferdinand Reiter, österreichischer Politiker, Hauptschullehrer, Gemeinderat und Bürgermeister der Stadt Zistersdorf

Literatur

  • Franz Binder: 800 Jahre Wallfahrtskirche Maria Moos und 800 Jahre Zistersdorf. Eigenverlag, Zistersdorf 1960
  • Franz Binder: Zistersdorfer Heimatbuch. Eigenverlag, Zistersdorf 1966

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Zistersdorf in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Heimatlexikon)

Weblinks

 Commons: Zistersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien