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Romantik#

Im Bereich der bildenden Kunst waren Wien und seine nähere Umgebung das Zentrum der österreichischen Romantikerbewegung. Vor allem die Malerei brachte den romantischen Geist zum Ausdruck, während die Architektur und insbesonders die Bildhauerei weiterhin hauptsächlich dem Formenideal des Klassizismus huldigten. Während dieser der Antike nacheiferte, wurde für die Romantik immer mehr das Mittelalter zum Vorbild.

In der Architektur sind romantisierende Tendenzen im historisierenden Schlossbau und in der Vorliebe zur Schaffung künstlicher Ruinen festzustellen. Besonders gefördert wurde der Schlossbau durch die "Wildensteiner Ritterschaft auf blauer Erde" (1790-1823) mit Sitz in Seebenstein. Das Hauptwerk der Burgen- und Schlösserromantik des frühen 19. Jahrhunderts ist die Franzensburg im Laxenburger Park (1797-1836, von M. Riedl und F. Jäger). Den Geist der Romantik vertraten auch noch die späten, im Stil der englischen Gotik errichteten Schlossanlagen von Grafenegg (1840-77), Hernstein (1856-80) und Wolfsberg in Kärnten (1846-53). Andere ältere Anlagen wurden "gotisierend" umgebaut, wie etwa Burg Liechtenstein (ab 1808) oder Greifenstein (1818).

Meist gingen derartige Bauprojekte mit einer Neugestaltung der Garten- und Parkanlagen einher. Das Vorbild hierfür war der naturbelassene, romantisch-wilde "englische" Landschaftsgarten, in dem Pavillons, kleine Tempel und Ruinen nicht fehlen durften. Der Bau künstlicher Ruinen hatte in Österreich schon im 18. Jahrhundert ein prominentes Vorbild in der von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg errichteten römischen Ruine im Schlosspark von Schönbrunn (1778). Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Ruinenbau besonders durch den Fürsten Liechtenstein auf dessen Besitzungen bei Mödling (Schwarzer Turm, 1810, Amphitheater, 1810, Pfefferbüchsel, 1818) und Seebenstein (Türkensturz, 1826) gefördert.

Unter dem Einfluss der Nazarener standen die Kirchenbauten von C. Roesner (zum Beispiel Erlöserkirche, Wien 3, 1834-36, Johann-Nepomuk-Kirche, Wien 2, 1841-46, Meidlinger Pfarrkirche, Wien 12, 1842-45) und die nach Entwürfen J. G. Müllers errichtete Altlerchenfelder Kirche in Wien 7 (1848-61). Die Architektur Müllers bildet hier gemeinsam mit der von Josef von Führich, Leopold Kupelwieser und anderen geschaffenen Freskenausstattung - dem Hauptwerk der Nazarener in Österreich - eines der seltenen Gesamtkunstwerke der Romantik. Gleichzeitig stellt es die direkte Überleitung zum Historismus dar.

Obwohl sich in der österreichischen Malerei, besonders in der Landschaftsmalerei, schon immer eine latente Romantik gezeigt hatte, entwickelte sich keine eigenständige romantische Schule. Einer der bedeutendsten Wegbereiter der Romantik in der Malerei war der Tiroler Joseph Anton Koch. Als Ahnherr der heroisch-poetischen Landschaftsmalerei übte er Anfang des 19. Jahrhunderts großen Einfluss auf die Studenten der Wiener Akademie aus.

In Österreich wurde die romantische Strömung beeinflusst und geprägt durch Literatur und Musik sowie durch eine neue Religiosität. Daneben ist vor allem die Abkehr vom Formenideal des Klassizismus und eine Hinwendung zum Naturvorbild zu bemerken. Weitere Vorbilder waren die deutsche Malerei des 16. Jahrhunderts sowie die Malerei der Hochrenaissance in Italien.

Die neue Strömung beschränkte sich in Österreich weitgehend auf die Mitglieder des Lukasbundes, die Nazarener und deren unmittelbaren Freundeskreis und ließ sich anfänglich insbesonders in den Reihen der deutschen Studenten an der Wiener Akademie erkennen (unter anderem F. Overbeck, F. Pforr, J. und P. Veit, J. und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld, J. Wintergerst, die Brüder Ferdinand von Olivier und Friedrich von Olivier, J. A. Heinrich, F. P., G. und H. Reinhold, J. A. Klein, Johann Christoph Erhard).

Die bedeutendsten Österreicher in diesem Umfeld waren J. Sutter, Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff, W. A. Rieder, Edward von Steinle, J. von Führich, L. Kupelwieser und Josef Sebastian Ritter von Hempel.

Die meisten der genannten Künstler folgten den führenden Mitgliedern des Lukasbundes nach Rom, um dort die Hauptwerke der italienischen Hochrenaissance zu studieren. Einige wenige blieben in Rom, die meisten kehrten bald wieder in ihre Heimat zurück.

Besonderen Einfluss nahmen die Nazarener in Österreich auf die religiöse Kunst, auf die Historien- und die Porträtmalerei. In der Historienmalerei (unter anderem L. F. Schnorr von Carolsfeld, J. von Führich, Johann Peter Krafft) erlangten neben Themen aus Religion und Geschichte Motive aus der Märchen- und Sagenwelt Bedeutung. Der Hauptvertreter dieser Richtung wurde Moritz von Schwind, der ab 1828 große Erfolge in Deutschland feierte.

In der österreichischen Landschaftsmalerei machte sich weiterhin der Einfluss von J. A. Koch bemerkbar. Das Malen in der freien Natur wurde immer beliebter. Studienreisen und -wanderungen erschlossen die romantische Schönheit von bislang kaum bekannten Gegenden. In dieser Zeit wurden unter anderem die Salzkammergutlandschaft wie auch die Schneebergregion für die Malerei entdeckt. Wieder trugen Künstler deutscher Herkunft (unter anderem die Brüder Olivier, J. A. Klein, J. C. Erhard, L. F. Schnorr von Carolsfeld) wesentlich zu dieser Entwicklung bei.

Auch in den Landschaftsbildern des Biedermeier sind zum Teil romantische Anklänge festzustellen, so zum Beispiel bei Ferdinand Georg Waldmüller, Franz Steinfeld der Jüngere, Thomas Ender und Adalbert Stifter.

Die Romantik, die in Österreich nie eine prägnant umrissene Richtung war, führte bald zum historisierenden Nachahmungsstil der Gründerzeit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Für die Durchsetzung einer romantischen Auffassung der Literatur in Österreich kam den Brüdern A. W. Schlegel und F. Schlegel besondere Bedeutung zu, in ihren Wiener Vorlesungen formulierten sie die Grundlagen der romantischen Literaturtheorie. 1808 sprach A. W. Schlegel "Über dramatische Kunst und Literatur", 1812 las F. Schlegel über "Geschichte der alten und neuen Literatur" und definierte dabei Literatur als Inbegriff des geistigen Charakters einer Nation, ein Gedanke, der internationale Sprengkraft gewann. 1812/13 gab er in Wien die patriotische Zeitschrift "Deutsches Museum" heraus. Gleichsam zum Zentrum der deutschen Romantik ("Wiener Romantik") wurde Wien in den Jahren 1811-15, als im Zuge des Kampfes gegen Napoleon die Habsburgermonarchie zum Hort patriotischer Hoffnungen wurde und auch deutsche Autoren anzog, so etwa A. Müller (1811-15), C. Brentano (1813/14), Z. Werner (1814-23), J. Grimm (1814/15) und J. von Eichendorff (1810-13), der im Haus von F. und Dorothea Schlegel verkehrte und sich hier mit romantischem Gedankengut vertraut machte. In österreichische Dienste trat der bedeutende Publizist K. A. Varnhagen von Ense, der auch am Wiener Kongress teilnahm. Nach 1815 trat unter dem Einfluss von Clemens Maria Hofbauer, der in persönlicher Beziehung zu den genannten Autoren stand, der religiöse Aspekt in den Vordergrund; die katholische Romantik fand dabei ihre literarische Heimstatt in den Wiener Zeitschriften "Friedensblätter" und "Ölzweige", die protestantische in der Zeitschrift "Janus".

In der Musik konnte die Romantik in Österreich aufgrund der Dominanz italienischer Musikstile und spezifisch österreichischer Entwicklungen in der Biedermeierzeit erst in der 2. Jahrhunderthälfte Fuß fassen. Auf dem Gebiet der Kirchenmusik ging die klassische Tradition fast nahtlos in die cäcilianistischen Reformbestrebungen über, bedeutende Werke der Romantik wurden im Bereich des Liedes von Franz Schubert über J. Brahms bis hin zu Hugo Wolf, G. Mahler und Richard Strauss geschaffen. In der Symphonik gilt Ludwig von Beethoven als letzter Klassiker und erster Romantiker; an seinem Werk orientierten sich F. Schubert, A. Bruckner, J. Brahms und G. Mahler mit ihrem symphonischen Werk. Neue Wege in Harmonik und Form ging in der Romantik vor allem die Schule der "Neudeutschen", als deren Hauptvertreter R. Wagner gilt, von den österreichischen Komponisten können A. Bruckner und F. Liszt teilweise dieser Strömung zugerechnet werden; eine Weiterentwicklung daraus stellen die Spätromantik mit R. Strauss, Franz Schmidt, Egon Wellesz, Joseph Marx und anderen sowie die antonale Musik mit den Vertretern der Wiener Schule Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton von Webern dar.

Literatur#

  • Romantik in Österreich, Ausstellungskatalog, Salzburg 1959
  • R. Zinner, Romantik in Österreich, 1965
  • Romantik und Realismus in Österreich, Ausstellungskatalog, Laxenburg 1968
  • Von C. D. Friedrich bis A. Menzel - Aquarelle und Zeichnungen der Romantik, Ausstellungskatalog, Wien 1990


--> Anif, Salzburg, 1838-1848 (Video Album)
--> Schloss Grafenegg, Niederösterreich. Romantik, 1840-1873 (Video Album)
--> Historische Bilder zu Romantik (IMAGNO)


Die Grundlage für das Segment der Zeitgeschichte in der Romantik in der Gartenkunst schuf eigentlich zuerst Emanuel-Maurice von Lothringen, Prince d'Elboeuf, der die österreichische Armee in Neapel als General befehligte. Er hatte von 1709 bis 1716 im Wald der Frati Alcantarini nach einem Fund beim Brunnengraben dieses Gelände systematisch untersuchen lassen.

Er stieß dabei in Herculaneum auf eine Mauer der Bühne des Theaters. Seine Funde - viele Statuen, die Bühnenarchitektur etc. - erhielten die Fürsten; dadurch wurde der Gedanke geweckt, die Zeit im Garten durch das Schöpfertum des Menschen von einst als Darstellung in Folgen zu gestalten.

Mit Winkelmann, der als Leiter der lateinischen Bibliothek auf Schloss Nöthnitz und der daraus folgenden Suche nach Pompeji mit den sehr aufwändigen Freilegungen tätig war, war dann auch die Möglichkeit gegeben, Originale der Antike in den Romantischen Garten als Zeitgeist einer anderen Epoche einzubauen.

Winkelmann brauchte die Mittel zum Weiterfreilegen, und die Romantischen Gärten die Originale, um den Parnass - auch unter dem Namen "Stein der Weisen" eher bekannt - in die romantischen Szenen des Garten einzubinden.

Denn es galt der Grundsatz "alles was älter ist als 1000 Jahre ist somit Teil der 'Natürlichen Natur'" und kann in einen Romantischen Garten als Teil in der zeitlichen Folge eingebunden werden.

Gruß Einer_von_uns

--Rosner Leo, Samstag, 6. November 2010, 21:21


Nach der ersten Sichtung sind in Österreich 41 Gärten und Parks, die dem Romantischen Stil in Teilen oder als Ganzes zugeordnet werden können.

Einen Garten von einem Künstler nach philosophischen Grundsätzen - wenn auch nur in Ansätzen erstellen zu lassen - ist schwieriger, als eben eine freie Landschaft nach dem englischen Muster zu erstellen, wo man in den Kolonien billiger und schneller produzieren konnte, sodass die Guts- oder Landbesitzungen frei zur Gestaltung durch das Mehrprodukt werden konnten.

Jedoch erst Alexander Pope hatte dies mit seiner Grotte und seinen Gedenksteinen dann philosophisch einem Thema folgend gestaltet. (Siehe auch School of Task)

Burgenland 2; Kärnten 1; Niederösterreich 13; Oberösterreich 3; Salzburg 2; Steiermark 5; Tirol 3, Vorarlberg 4 und Wien 9. So gliedert sich das grob, ohne eine Wertigkeit festlegen zu wollen.


Den Setagayapark (Setagayapark in Wien-Döbking) kennt doch fast jeder - dieser ist ein vollkommener Romantiker:

hier ist nichts dem Zufall überlassen und alles nach philosophischen Gesichtspunkten festgelegt. Es gibt da passive , halbaktive und aktive Steine im Einklang zum Umfeld und zueinander.

In der Romantik bekommt alles neben der Optik noch einen Hintergedanken als Sinn - warum es so und eben nur so und nicht anders sein muss und kann.

Es wird zu einem Bühnenstück in Akten, die durch Treppen oder Brücken voneinander getrennt sind.


Ein Vergleich zu Deutschland zeigt, dass dort das Klima vielleicht mehr Möglichkeiten gab und die Kleinstaaterei mit den vielen Junker- und Rittergüter sich in formale und nicht formale gut gliedern ließ. Zur Zeit der Napoleonischen Kriege entstanden der Fürstenbund und Rheinbund, wobei der erstere den englischen Stil pflegte und viele zu Romantikern erwuchsen.

Eine ältere Zahl benennt etwas über 12100 Gärten und Parks, wobei allerdings nur etwas über 300 auch romantische Stilelemente in sich bergen oder bargen.

Später erfolgt hier ein Vergleich zur Schweiz, was sicherlich wesentlich interessanter sein sollte. Es wird hier dann ein Vergleich geben Harrach Eggenberg mit Eremitage in Arlesheim und dem Bally Park aus der Schweiz. Gartenszenen werden verglichen wie eben auch das Umfeld, was ja Einfluss auf die Möglichkeiten selber hat.

Dem gegenüber werden wir dann den Wörlitzer Park aus Deutschland stellen, nur um den Zeitgeist "Zurück zur Natur!", der wie ein Lauffeuer all die zuerst erfassen konnte, wo der Fürst selber religionsoffen war oder protestantisch.


Gruß Einer_von_uns

--Rosner Leo, Mittwoch, 10. November 2010, 20:58