unbekannter Gast
vom 16.05.2017, aktuelle Version,

Anhaltelager Wöllersdorf

Mahnmal auf dem Gelände des ehemaligen Anhaltelagers Wöllersdorf
Plan des Lagers im Industrieviertel-Museum Wiener Neustadt
Tafel beim Zugang zum Mahnmal
Detail des Mahnmals

Das Anhaltelager Wöllersdorf war ein Anhaltelager des Austrofaschismus in Wöllersdorf-Steinabrückl, Niederösterreich.

Geschichte

Im Jahre 1933 richtete die Regierung des österreichischen Ständestaates in einigen Hallen der Wöllersdorfer Werke ein sogenanntes Anhaltelager ein. Im Oktober wurden die ersten Häftlinge – neun Nationalsozialisten und ein Kommunist – nach Wöllersdorf gebracht. Mit Jänner 1934 wurde mit dem Anhaltelager Kaisersteinbruch im Burgenland ein zweites Anhaltelager begonnen. Mit dem Bürgerkrieg im Februar 1934 wurden hunderte Schutzbündler und sozialdemokratische Funktionäre nach Wöllersdorf verbracht. Zum 1. Mai 1934 befanden sich 831 politische Gefangene im Lager, 508 Sozialdemokraten und Kommunisten sowie 323 Nationalsozialisten. Mit dem gescheiterten Juliputsch 1934 erweiterte sich das Anhaltelager Wöllersdorf mit tausenden Nationalsozialisten. Im Oktober 1934 war mit knapp 5.000 Personen der Höchststand erreicht, davon 4256 Nationalsozialisten und 538 Sozialdemokraten und Kommunisten.[1] Durch eine Amnestie im Jahre 1936 verringerte sich die Zahl der Inhaftierten auf rund 500 Personen. Nach einer Unterredung des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg mit Adolf Hitler im Februar 1938 wurde das Lager aufgelöst. Kurz vor Schließung waren noch 114 Personen in Wöllersdorf, darunter 45 Nationalsozialisten, 11 Sozialdemokraten und 58 Kommunisten.

Im Zuge des Anschlusses von Österreich an Hitlerdeutschland im März 1938 wurde das Lager von den Nationalsozialisten für die Inhaftierung von Funktionären des Ständestaates reaktiviert. Im Sinne der Propaganda einer sogenannten Befreiung wurde das Lager zum 2. April 1938 geschlossen und die Baracken niedergebrannt. Die Gefangenen wurden in das KZ Dachau verbracht.

Im Jahre 1973 wurde nach einem Entwurf von A. Kirchner an der Stelle des ehemaligen Anhaltelagers ein Mahnmal errichtet und zur 40-jährigen Erinnerung an die Februarkämpfe im Februar 1974 enthüllt.

Gefangene mit Artikeln in Wikipedia

Kommunisten
 
Sozialdemokraten
 
Nationalsozialisten
 

Literatur

  • S.n.: Österreichische Konzentrationslager. In: Schweizer Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft, Kultur. Band 14/April 1934 – März 1935, ZDB-ID 2600245-0. Genossenschaft zur Herausgabe der Schweizer Monatshefte, Zürich 1935, S. 98–102. doi:10.5169/seals-157842.
  • Karl Flanner: Das Konzentrations-/Anhaltelager Wöllersdorf. (= Dokumentation des „Industrieviertel-Museums“ Wiener Neustadt, Band 129). Verein Museum und Archiv im Viertel unter dem Wienerwald, Wiener Neustadt 2008, OBV.
  • Anton Philapitsch: Wöllersdorf 1933–1938 Trauma oder Mythos? In: Klaus Mulley, Hans Leopold (Hrsg.): Geschosse – Skandale – Stacheldraht, Arbeiterschaft und Rüstungsindustrie. Ebenfurth-Pottendorfer Linie, 1999, ISBN 3-9500563-1-6.
  • Pia Schölnberger: Das Anhaltelager Wöllersdorf 1933–1938. Strukturen – Brüche – Erinnerungen. Lit, Wien 2015, ISBN 978-3-643-50628-3.
  • Regina Zodl: Das Anhaltelager Wöllersdorf 1933–1938 Ergänzende Bemerkungen. In: Klaus Mulley, Hans Leopold (Hrsg.): Geschosse – Skandale – Stacheldraht, Arbeiterschaft und Rüstungsindustrie. Ebenfurth-Pottendorfer Linie 1999, ISBN 3-9500563-1-6.
  Commons: Anhaltelager Wöllersdorf  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gerhard Jagschitz: Die Anhaltelager in Österreich. In: Ludwig Jedlicka, Rudolf Neck (Hrsg.): Vom Justizpalast zum Heldenplatz. Studien und Dokumentationen 1927 bis 1938. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1975, S. 149.