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Neujahrstag#

Neujahrstag

Seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert war der 1. Jänner Jahresbeginn in Rom, 1691 legte ihn auch Papst Innozenz XII. als Neujahrstag fest. Zuvor hielten sich die Christen an andere Jahresanfänge. Noch immer beginnt das Kirchenjahr am 1. Adventsonntag und anstelle des bürgerlichen Neujahrs steht das Hochfest der Gottesmutter Maria im liturgischen Kalendarium. Die Ablehnung hat Tradition: Die Römer feierten um diese Zeit das Fest des doppelgesichtigen Gottes Janus. Die frühe Kirche rief zur Buße auf, zelebrierte Messen "zum Fernhalten vom Götzendienst" (ad prohibendum ad idolis) und legte später ein Marienfest auf den Oktavtag von Weihnachten

Zum Jahresbeginn hofft(e) man auf ein gutes Omen. "Wie der Anfang so das Ganze," lautet das mehr oder minder ausgesprochene Motto, das schon die Römer kannten: Gut essen, Geld oder Geschenke bekommen, sich schön anziehen, fröhlich sein und es sich gut gehen lassen. Zeichen dafür sind die Glückssymbole, die man einander zu Silvester schenkt. Orakelhafte Bedeutung sprach man dem "Angang" zu. Je nachdem wer einem als erster begegnete, wurde dies als künftiges Glück (Kind) oder Unglück (Nonne, Greis) gedeutet.

Bis heute ist das "Neujahrsbaby" den Tageszeitungen Schlagzeilen wert. 22.000 Österreicherinnen und Österreicher haben am 1. Jänner Geburtstag. In letzter Zeit erblickten die meisten Neujahrsbabys im Jahr 1970 (285), die wenigsten 2013 (158) das Licht der Welt. 2020 kam das österreichische Neujahrsbaby aus der Stadt Salzburg. Um 0.01 Uhr wurde das Mädchen Kalina im Uniklinikum per Kaiserschnitt geboren. Früher glaubte man, wenn der 1. Jänner auf einen Sonntag fiel, die an diesem Tag Geborenen Macht über Geister und Schätze hätten.

Neujahrswünsche wurden persönlich entboten oder als Postkarten verschickt. Im Salzburgischen wünschte man einander "An Fried, an Reim und an Gsund." (Friede, Glück und Gesundheit). Allgemein erwarteten Gratulanten eine kleine Gegengabe für ihre guten Wünsche. Wiener, bei denen sich zu viele Gratulanten einstellten, suchten dies durch Enthebungskartenzu verhindern. Im Biedermeier galten die Wiener Kunstbilletts,Glückwunschkarten und Neujahrsbriefe als besonders elegant.

Ein weltweiter Brauch aus Wien ist das Neujahrskonzert und seine Fernsehübertragung aus dem Goldenen Saal des Musikvereins. Zu den traditionellen Programmpunkten zählen der Donauwalzer und der Radetzkymarsch von Johann Strauß. Bei den Fernsehzuschauern besonders beliebt sind die Zuspielungen der Balletteinlagen aus historischen Gebäuden. Das Konzert wird in mehr als 90 Länder weltweit übertragen und von mehr als 40 Millionen TV-Zusehern verfolgt. Das Neujahrskonzert 2020 erreichte bei den Zuschauerzahlen im Fernsehen den höchsten Wert seit 2013. Live sahen 1,162 Millionen Personen zu, inklusive zeitversetzter Nutzung bis zu 1,234 Millionen. Dirigent war Andris Nelsons. 1978 in Riga geboren, fungierte er u.a. als Chef des City of Birmingham Symphony Orchestra, des Boston Symphony Orchestra und Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Das Programm 0 brachte einige Premieren. Carl Michael Ziehrer:Die Landstreicher: Ouvertüre; Josef Strauß: Liebesgrüße (Walzer); Josef Strauß:Liechtenstein-Marsch; Eduard Strauß: Knall und Fall (Polka schnell); Josef Strauß:Cupido (Polka francaise); Eduard Strauß: Eisblume (Polka mazur); Josef Hellmesberger d. J.:Gavotte; Hans Christian Lumbye: Postillon-Galopp; Ludwig van Beethoven: 12 Contretänze (Nos. 1, 2, 3, 7, 10 & 8). Weiters auf dem Programm standen von Johann Strauß Sohn: Blumenfest-Polka, Wo die Zitronen blühn (Walzer), Seid umschlungen Millionen (Walzer), Freut euch des Lebens (Walzer), Tritsch-Tratsch-Polka; sowie Franz von Suppe: Leichte Kavallerie (Ouvertüre) und Josef Strauß: Dynamiden (Walzer).


Quellen:
Adolf Adam: Das Kirchenjahr mitfeiern. Freiburg/Br. 1979. S.188, 195
Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. München 1994. S. 195
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 57 f.
Baby Salzburg, publiziert 1.1.2020
Wiener Philharmoniker
2020, publiziert 10.1.2020

Bild: Glückwunschbrief zum neuen Jahr. Wien 19. Jahrhundert. Gemeinfrei


Siehe auch: