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Neujahrstag#

Neujahrstag

Seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert war der 1. Jänner Jahresbeginn in Rom, 1691 legte ihn auch Papst Innozenz XII. als Neujahrstag fest. Zuvor hielten sich die Christen an andere Jahresanfänge. Noch immer beginnt das Kirchenjahr am 1. Adventsonntag und anstelle des bürgerlichen Neujahrs steht das Hochfest der Gottesmutter Maria im liturgischen Kalendarium. Die Ablehnung hat Tradition: Die Römer feierten um diese Zeit das Fest des doppelgesichtigen Gottes Janus. Die frühe Kirche rief zur Buße auf, zelebrierte Messen "zum Fernhalten vom Götzendienst" (ad prohibendum ad idolis) und legte später ein Marienfest auf den Oktavtag von Weihnachten

Zum Jahresbeginn hofft(e) man auf ein gutes Omen. "Wie der Anfang so das Ganze," lautet das mehr oder minder ausgesprochene Motto, das schon die Römer kannten: Gut essen, Geld oder Geschenke bekommen, sich schön anziehen, fröhlich sein und es sich gut gehen lassen. Zeichen dafür sind die Glückssymbole, die man einander zu Silvester schenkt. Orakelhafte Bedeutung sprach man dem "Angang" zu. Je nachdem wer einem als erster begegnete, wurde dies als künftiges Glück (Kind) oder Unglück (Nonne, Greis) gedeutet. Bis heute berichten Zeitungen über das "Neujahrsbaby".Neujahrswünsche wurden persönlich entboten oder als Postkarten verschickt. Besonders elegant waren die Glückwunschkarten und Neujahrsbriefe im Biedermeier.

Ein weltweiter Brauch aus Wien ist das Neujahrskonzert und seine Fernsehübertragung aus dem Goldenen Saal des Musikvereins. Zu den traditionellen Programmpunkten zählen der Donauwalzer und der Radetzkymarsch von Johann Strauß. Bei den Fernsehzuschauern besonders beliebt sind die Balletteinlagen aus historischen Gebäuden. 2018 findet die 60 ORF-Fernsehübertragung statt. 17 Kameras sind im Einsatz, 95 Länder übernehmen das Programm. In Österreih zählte man 1,135 Millionen Zuschauer.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 67% an, Neujahrsbräuche zu kennen und 32 %, solche selbst zu begehen. Vorgegebene Stichworte: Neujahrsblasen der Musikkapelle, Aperschnalzen, Neujahrsschießen.


Quellen:
Adolf Adam: Das Kirchenjahr mitfeiern. Freiburg/Br. 1979. S.188, 195
Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. München 1994. S. 195
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 57 f.
Neujahrsbaby
2018

Bild: Glückwunschbrief zum neuen Jahr. Wien 19. Jahrhundert. Gemeinfrei