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Österreichs Hymnen vor hundert und mehr Jahren #

Vom Kaiserlied zum Spottgesang#


Von

Günther Jontes


Hymnen sind Chorgesänge, die bei öffentlichen Anlässen gesungen, gleichsam staatliche und nationale Identität symbolisieren und in ihrem Inhalt auf Geschichte und Zukunftshoffnung eines Staates, eines Landes als Teil desselben aber auch einer Staatengemeinschaft Bezug nehmen. In der Antike verstanden die Griechen unter hymnos einen Preisgesang in gebundener Form, der sich an die Götter richtete. Ab dem Spätmittelalter wurde diese Form der Lobpreisung in Europa zur feierlichen Anrede auf eine Herrscherpersönlichkeit, die quasi das gesamte Gemeinwesen in sich trägt. Dies ist bei Monarchien noch heute der Fall wie das Beispiel Großbritannien zeigt, wo die Königin dem Schutze Gottes empfohlen wird, sodass sie umso besser in ihrer –seit langem sehr eingeschränkten Herrschergewalt – für das Wohl der Untertanen sorgen kann.

Gerade in diesen herrscherbezogenen Hymnen stellt sich das Problem des dynastisch bestimmten Herrscherwechsels von Generation zu Generation. Die Briten haben dies auf ihre Weise gelöst, indem sie nicht den Namen des Oberhauptes zitieren, sondern einfach durch das Geschlecht desselben markieren, indem sie Queen bzw. King singen.

Der österreichische Vielvölkerstaat seligen Angedenkens hatte es sich weniger leicht gemacht. Da gab es auf dem Thron des Römisch-deutschen Kaisers und des späteren Kaisertums Österreich, also bis Kaiser Franz II. bzw. Franz I. in derselben Person keine weibliche Erbfolge, wenn man wie Maria Theresia zeigt, die im habsburgischen Besitz befindlichen Erblande als „Privateigentum“ ausnimmt. Das Römisch-deutsche Reich endete 1806 und aus Franz II., der 1792 nach seinem Vater Leopold II. den Thron bestiegen hatte, regierte dieser nun als österreichischer Kaiser Franz I. noch bis 1835.

Es sollte also die Herrscherperson in ihrem Gottesgnadentum, die sie für sich beanspruchte, mit ihrem Namen angesprochen werden. Das geschah in Österreich erstmals 1797. Das Reich war in Gefahr. Napoleon, dessen kriegerischer Geist wie ein Adler aufgeflogen war und sich nun auch Schritt für Schritt politisch in die führende Person aufschwang, näherte sich mit seiner Armee den Kernlanden und drohte sogar bis zur Haupt- und Residenzstadt vorzudringen. In dieser Zeit versuchte man die patriotischen Gefühle des Volkes zu stärken, indem man den bedrohten Staat in der Person des Kaisers Franz, der damals noch die Ordnungszahl II. trug, hochleben ließ. Ein Dichterling, der Freimaurer Lorenz Leopold Haschka (1749-1827) schuf einen solchen Text, der am 12. Februar 1797 zum Geburtstag des Kaisers in den Wiener Theatern gesungen wurde. Und zwar nach der später unsterblich gewordenen Melodie von Joseph Haydn, der diese auch noch zum Kaiserquartett in C-Dur erweiterte.

Diese Melodie wurde auch zur Sangesweise der Hymne der Bundesrepublik Deutschland. Als Text nahm man den des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), den dieser 1841 auf Helgoland verfasst hatte und der dann als „Lied aller Deutschen“ Geltung erlangte. 1922 hatte ihn der erste deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert als deutsche Nationalhymne eingesetzt, die bis heute in Geltung ist, wenngleich sie bis heute erst manche Schicksale zu ertragen hatte. Zur Zeit wird sie nur mehr in Selbstbeschämung verstümmelt mit ihrer vierten Strophe intoniert.

Haydn hatte in dieser bedrohlichen Zeit von 1797 auch eine Messe komponiert, in welcher er die Angstgefühle des Volkes mit einem musikalischen Friedenswunsch verbunden hatte. Dieses Werk führt den bezeichnenden Titel „Missa in tempore belli“ / „Messe in Zeiten des Krieges“. Der Meister hatte bei seinen umjubelten Englandaufenthalten 1790 und 1795 auch die suggestive Wirkung des englischen „God save the King“ kennengelernt, was ihn ihm wahrscheinlich auch den Gedanken reifen ließ, ähnliches musikalisch aufs Politische gemünzt umzusetzen.

Diese österreichische Kaiserhymne, die in der Folge bis 1918 eine Unzahl von Abänderungen, Anpassungen, ja manchmal einen zeitweiligen Ersatz über sich ergehen lassen musste, lautete in dieser ersten Fassung:

Gott erhalte Franz, den Kaiser
Unsern guten Kaiser Franz!
Lange lebe Franz, der Kaiser
In des Glückes hellstem Glanz!
Ihm erblühen Lorbeerreiser,
Wo er geht, zum Ehrenkranz!
Gott erhalte Franz, den Kaiser,
Unsern guten Kaiser Franz!

Lass von seiner Fahne Spitzen
Strahlen Sieg und Fruchtbarkeit!
Lass in seinem Rate sitzen
Weisheit, Klugheit, Redlichkeit!
Und mit Seiner Hoheit Blitzen
Schalten nur Gerechtigkeit!
Gott erhalte Franz, den Kaiser,
Unser guten Kaiser Franz!

Ströme deiner Gnaden Fülle
Über ihn, sein Haus und Reich!
Brich der Bosheit Macht, enthülle
Jeden Schelm- und Bubenstreich!
Dein Gesetz sei stets sein Wille,
Dieser uns Gesetzen gleich.
Gott erhalte Franz, den Kaiser,
Unsern guten Kaiser Franz!

Froh erleb’ er seiner Landes,
Seiner Völker höchsten Flor!
Seh’ sie, Eins durch Bruderbande,
Ragen allen andern vor.
Und vernehm’ noch an dem Rande
Später Gruft der Enkel Chor!
Gott erhalte Franz, den Kaiser,
Unsern guten Kaiser Franz!

1826 wurde jedoch die Version eines anonymen Dichters ins Hofprotokoll aufgenommen. Deren vierte Strophe nahm hier Bezug auf den Sieg über Napoleon:

Er zerbrach der Knechtschaft Bande,
Hob zur Freiheit uns empor.
Froh erleb’ er deutscher Lande,
Deutscher Völker höchsten Flor
Und vernehme noch am Rande
Später Gruft der Enkel Chor!
Gott erhalte Franz, den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!

Die Kaiserhymne steht noch ganz für submisseste Verehrung eines absolutistischen Herrschers, dessen Politik allerdings vom Staatskanzler Metternich modelliert wurde. 1835 starb Kaiser Franz und ihm folgte sein Sohn Ferdinand, der eigentlich zur Herrschaft gar nicht fähig war. Nur wenige Monate lang wurde unter Bezug auf ihn eine Hymne des nicht unbedeutenden Literaten Karl von Holtei (1798-1880) gesungen, in der der Refrain den neuen Kaiser nach dem Versmaß gerade noch unterbringen konnte. Da hieß es dann:

Gott erhalte unsern Kaiser,
unsern Kaiser Ferdinand!

Das „gut“ für Franz musste wegen des verlangten Rhythmus weichen, doch war Ferdinand im Volksmund bald als „der Gütige“ bekannt, weil es schwer war, irgendwelche andere positive Herrschertugenden an ihm zu erkennen.

Das Volk nahm diese neue Hymne aber überhaupt nicht an, vielleicht auch aus dem Grund, dass Holtei nicht Österreicher, sondern preußischer Untertan war.

1836 bis 1854 sang man dann eine Hymne von Josef Christian v. Zedlitz (1790-1862), in der übrigens zum ersten Mal der Begriff Österreich vorkommt. Hier hieß es dann:

Segen Östreichs hohem Sohne,
unserm Kaiser Ferdinand!

Diese Hymne wurde dann auch in alle im Kaisertum Österreich gesprochenen Sprachen übersetzt, um die auseinanderstrebenden nationalen Strömungen wenigstens mit diesem Mittel zusammenzubinden.

Die beiden Revolutionen von 1848 erzwangen dann den Rücktritt Kaiser Ferdinands und der jugendliche Franz Josef, Neffe Ferdinands, bestieg den Thron. Das setzte auch die Hymne wieder unter Zwang, sich den geänderten Verhältnissen anzupassen. Die Volkshymne, wie man das Kaiserlied auch nannte, erfuhr nun einige voneinander differierende Fassungen, die aber kein Gehör fanden. Selbst ein neuer Text von Franz Grillparzer wurde abgelehnt.

Die endgültige Hymne wurde am 27. März 1854 für authentisch erklärt. Ihre Worte stammen von dem Wiener Johann Gabriel Seidl (1804-1875), der vor allem als Archäologe und Numismatiker Bekanntheit erlangt hatte, und blieben bis 1918 gültig. Der junge Kaiser hatte dazu auch einige Forderungen erhoben. So musste die Hymne bis zur Hochzeit mit der Wittelsbacher Prinzessin Elisabeth am 24. April 1854 unbedingt fertig sein. Dies gelang und Franz Josef erteilte mit Handbillet vom 27. März 1854 den Gesang für authentisch. Weiters verlangte er, dass der Text der alten Hymne aus dem neuen nicht vollständig verschwände, falls sich ein Herrscherwechsel ereignen sollte.

Die neue Hymne, deren sich unsere Groß- und Urgroßeltern noch erinnerten, hatte den folgenden Text:

Gott erhalte, Gott beschütze
Unsern Kaiser, unser Land!
Mächtig durch des Glaubens Stütze
Führ’ er uns mit weiser Hand!
Laßt uns seiner Väter Krone
Schirmen wider jeden Feind!
Innig bleibt mit Habsburgs Throne
Österreichs Geschick vereint.

Fromm und bieder, wahr und offen
Laßt für Recht und Pflicht uns stehn;
Laßt , wenns gilt, mit frohem Hoffen
Mutvoll in den Kampf uns gehen!
Eingedenk der Lorbeerreiser,
Die das Heer so oft sich wand:
Gut und Blut für unsern Kaiser,
Gut und Blut fürs Vaterland!

Was der Bürgerfleiß geschaffen,
Schütze treu des Kriegers Kraft;
Mit des Geistes heitren Waffen
Siege Kunst und Wissenschaft!
Segen sei dem Land beschieden
Und sein Ruhm dem Segen gleich;
Gottes Sonne strahl in Frieden
Auf ein glücklich Österreich!

Laßt uns froh zusammenhalten,
In der Eintracht liegt die Macht;
Mit vereinter Kräfte Walten
Wird das Schwere leicht vollbracht;
Laßt uns Eins durch Brüderbande
Gleichem Ziel entgegen gehen!
Heil dem Kaiser, Heil dem Lande,
Österreich wird ewig stehn!

An des Kaisers Seite waltet,
Ihm verwandt durch Stamm und Sinn,
Reich an Reiz, der nie veraltet,
Uns’re holde Kaiserin.
Was als Glück zu höchst gepriesen,
Ström’ auf sie der Himmel aus:
Heil Franz Josef, Heil Elisen,
Segen Habsburgs ganzem Haus!

Heil auch Öst’reichs Kaisersohne,
Froher Zukunft Unterpfand,
Seiner Eltern Freud und Wonne,
Rudolf tönt’s im ganzen Land.
Unsern Kronprinz Gott behüte,
Segne und beglücke ihn,
Von der ersten Jugendblüte
Bis in fernste Zeiten hin!

In einem uns heute fremden Überschwang ergießt sich ein unendlicher Strom von Lobpreisungen des Herrschers und seiner Familie über den Bürger der habsburgischen Monarchie. Eine stete Kette von sprachlichen Hortativen, Aufforderungen an Gott und Volk steht gegen die Lebensrealität, die einst den Kaiser zum Ausspruch zwang: „Mir bleibt auch nichts erspart!“.

Der Verlust großer Teile des alten Reiches, der Konflikt mit Preußen und der Austritt aus dem Deutschen Bund, dann der Selbstmord des Kronprinzen und die Ermordung seiner Gattin stehen im krassen Gegensatz zu den Wünschen, die da in der Hymne aufklingen. Das Ende eines nicht enden wollenden Weltkrieges erlebte Franz Josef nicht mehr. Und sein Nachfolger, der glücklose Kaiser Karl I.- oder wenn man will „der Letzte“ – hatte andere Sorgen als eine neue Hymne. So sang man die alte weiter, die nach den tragischen Ereignissen von 1889 und 1898 wegen Rudolfs und Elisabeths Tod ohnehin fallen gelassen worden waren.

Die Wünsche des Hymnentextes waren alle samt nicht in Erfüllung gegangen und auch der Schlussvers der vierten Strophe „Österreich wird ewig stehn“ war ein Trugschluss, zumindest was Österreich als Monarchie betraf. Da nützte auch das Zitat Kaiser Friedrich III. „Austria erit in orbe ultima- AEIOU“ nichts mehr. Österreich war, wie ein hasserfüllter französischer Ministerpräsident 1919 Clemenceau posaunte, „nur mehr der Rest“.

Als der halbwegs einigende Hintergrund einer personifizierten Macht, nämlich eines Monarchen dahin war, machten sich gleich kritische Stimmen über die Ursachen der radikalen politischen, territorialen und wirtschaftlichen Umbruchs und der daraus resultierenden Nöte breit. Ironie und Sarkasmus wandten sich sowohl gegen die neue Republik und ihre Repräsentanten als auch gegen den Kaiser, der von den Ententemächten in ein erstes Exil geschickt worden war. Da hieß es dann, nicht ohne Witz:

Gotte erhalte, Gott beschütze
Unsern Renner, unsern Seitz.
Und erhalt’ – man kann nie wissen –
Auch den Kaiser in der Schweiz!

Gemeint sind Staatskanzler Karl Renner und der spätere Wiener Bürgermeister Karl Seitz, denen es immerhin gelungen war, einen kommunistischen Putsch zu verhindern, der eine Räterepublik nach Münchener oder ungarischem Muster zu schaffen versuchte.

Diese ironischen Verse entstanden noch vor Karls Versuch, in Ungarn seine dortige Königskrone zu retten, was indes misslang und mit der Verbannung nach Madeira endete.

Als Parodie auf den Text der Kaiserhymne war auch die „republikanische Hymne“ gedacht, die 1920 aus der Feder des Spötters Kraus geflossen war, dem später zu Herrn Hitler nichts einfallen wollte. Sie beginnt mit der ersten Strophe:

Gott erhalte, Gott beschütze
Vor dem Kaiser uns Land!
Mächtig ohne seine Stütze,
Sicher ohne seine Hand!
Ungeschirmt von seiner Krone
Steh’n wir gegen diesen Feind:
Nimmer sei mit Habsburgs Throne
Österreichs Geschick vereint!

Das Geschick der Dynastie zog aber noch weitere Kreise. Bekanntlich starb Kaiser Karl 1922 in der Verbannung und seine ältester Sohn Otto galt in der Familie und bei der kleinen Schar der Monarchisten als Thronprätendent. Dies endete erst 1961, als er auf diese Stellung formell verzichtete, sich mit der Republik versöhnte und nun wiederum in Österreich einreisen durfte, nachdem er schon lange zuvor die Staatsbürgerschaft der Bundesrepublik Deutschland angenommen hatte. Seine Anhänger sangen während seiner Verbannung noch tapfer eine neue Strophe, bis endlich auch diese verstummte.

In Verbannung, fern den Landen
Weilst Du, Hoffnung Österreichs.
Otto, treu in festen Banden
Steh’n zu Dir wir felsengleich.
Dir, mein Kaiser, sei beschieden
Alter Ruhm und neues Glück!
Bring den Völkern endlich Frieden.
Kehr zur Heimat bald zurück!

„Abgeändert nach dem Weltkriege im Jahre 1919“ präsentiert sich ein maschingeschriebenes Blatt Papier aus der Sammlung des Autors dieses Essays. Ein Anonymus hatte das fünfstrophige Poem im Stile des Kaiserliedes verfasst und es mit „Dezember 1918 in Linz“ datiert, das heißt, es wurde schon ganz kurz nach Kriegsende geschrieben und im Folgejahr hinausgegeben. In welcher Form, ob hektographiert, ob vielleicht gar gedruckt, muss offenbleiben. Jedenfalls liegt das Motiv dieser bitteren Satire in all dem, was die Menschen spürbar bedrängte: Hunger, Verlust des Vermögens durch die vom Staat eifrig beworbenen Kriegsanleihen, gaunerhafte Kriegsgewinnler, Inflation. Dazu wird auch dem Kaiser vorgeworfen, sich aus dem Staube gemacht und das Volk im Stich gelassen zu haben. Zorn hat sich unter den Bürgern ausgebreitet, die zuvor noch als Patrioten an den Staat geglaubt hatten.

Gott verlassen und vergessen
Ist der Kaiser, ist das Land.
Und das Volk hat nichts zu essen,
Weil beim Heer das Fleisch verschwand.
Man sieht keine Silberkrone,
Unser Geld veracht der Feind.
Innig bleiben wir zum Lohne
Mit der Kriegsanleih’ vereint.

Dumm und ehrlich, wie besoffen
Ließ man Recht und Pflicht verdrehn
Und wir konnten weiter hoffen.
Höher kann es nimmer gehen.
Dachten an die Lorbeerreiser,
Bis zerriss das schöne Band,
Denn verschwunden ist der Kaiser
Und mit ihm das Vaterland.

Was des Bürgers Fleiß geschaffen,
War nicht mehr das Eigentum.
Mit Kanonen und mit Waffen
Brachte man die Weisheit um.
Was sonst wohl dem Land beschieden,
War wohl keinem Segen gleich,
Denn nur Gauner sind zufrieden
Jetzt bei uns in Österreich.

Und zum Schlusse gabs kein Halten.
In der Eintracht liegt die Macht
Mit vereinter Kräfte Walten
Wars in vierzehn Tag vollbracht.
Eigenmächtig zieht die Bande
Jeder nach dem eignen Sinn.
Niemand weiß im ganzen Lande:
Wo ist unser Kaiser hin?

Denn zum Grabe trug jetzt freudig
Seinen Sinn der Patriot.
Denn er war ja doch nur schneidig
Schön daheim bei Fleisch und Brot.
Für dies weint man keine Träne,
Was der Staat für uns erzweckt.
Drum ist er jetzt ohne Zähne
Wie ein altes Ross verreckt.

Dem neuen Staat, der Republik Deutschösterreich, wurde dann ein Diktat zur Kenntnisnahme und Unterfertigung vorgelegt, das fälschlicherweise sich als ein „Friedens“vertrag ausgab. Der Name „Deutsch“österreich wurde ihm verboten, unglaubliche Reparationszahlungen vorgeschrieben und schmerzliche Territorialverluste wie Südtriol, Kanal- und Miestal als Belohnung für vertragsbrüchige ehemalige Verbündete abgetrennt. Österreich war nur mehr ein winziger Rest der einstigen europäischen Großmacht Österreich-Ungarn. Und dass wenigstens das westungarische, deutsch besiedelte Burgenland zu Österreich kam und freilich erst erstritten werden musste, geschah auch nur, um das mit Österreich verbundene Königreich Ungarn zu schmälen, das ebenso ein besiegtes Land war.

Dass der heute aus Gründen politischer Korrektheit verfemte steirische Dichter Ottokar Kernstock den Text einer neuen, ernst genommenen republikanischen Bundeshymne schrieb, die die Zeiten aber auch nicht überdauerte, das ist schon wieder ein anderes Kapitel, das sich auch noch weiterspinnen ließ bis 1945, als man boshafter Weise sang:

Land der Erbsen, Land der Bohnen,
Land der vier Besatzungszonen!
Wir verkaufen Dich im Schleich,
Vielgeliebtes Österreich…

Beachte: Der Autor distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Absicht, das Gedankengut autoritärer, faschistischer, nationalsozialistischer und anderer antidemokratischer oder unmenschlicher Systeme zu verherrlichen oder zu propagieren. Die Aufnahme diesbezüglicher Texte, Abbildungen, Ton- oder Videobeispiele in das Austria-Forum dient einzig und allein wissenschaftlichen und aufklärerischen Zielen.

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