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Game of Drones #

Drohnen, selbstfahrende Autos und Transporter, ferngesteuerte Frachter, Paketroboter, digitale Bestellknöpfe – was sich Handel und Logistik von neuen Zustellformen versprechen. #


Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt von der Kleinen Zeitung (Montag, 7. November 2016)

Von

Manfred Neuper und Klaus Höfler


DHL-Drohnen
DHL-Drohnen
Quelle: Kleine Zeitung

In acht Minuten konnte die acht Kilometer lange Distanz von der auf 696 Meter Seehöhe gelegenen Talstation zur Alm auf 1200 Metern überwunden werden. Mehr als 130 Tests hat der Logistiker DHL heuer in den ersten Monaten des Jahres mit der neuesten Generation seines „Paketkopters“ in den oberbayerischen Bergen durchgeführt. Bereits seit dem Jahr 2013 beschäftigt sich DHL mit der Frage, wie man Waren per Fluggerät in geografisch schwer zugängliche Gebiete bekommt.

Konkretes Einsatzgebiet war 2014 etwa die Versorgung der Nordseeinsel Juist mit dringend benötigten Medikamenten.

Der DHL-Paketkopter komme vor allem dann zum Einsatz, wenn ein Transport über etablierte Infrastrukturen schlecht möglich ist oder deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, so das Unternehmen. „Natürliche Barrieren“ wie Wasser oder Berge stellen kein Hindernis dar.

Bei den Tests in Bayern lag ein Fokus auf dem selbstständige Be- und Entladen des Paketkopters. Das Fluggerät nimmt die Sendung bei der Packstation automatisiert auf und legt es am Zielort – ebenfalls vollautomatisiert – wieder in den sogenannten „Skyport“ ab.

Es ist nur ein Beispiel für die neuen Hightech-Wege, die der Handel und die Logistikbranche bei Bestellmöglichkeiten, Vertrieb und Zustellung mittlerweile beschreiten.

Onlinehändler Amazon testet seit Jahren in seinem „Prime Air“-Programm Lieferungen per Drohne, um Bestellungen künftig binnen 30 Minuten zustellen zu können. Für den endgültigen Durchbruch müssen noch rechtliche, aber auch technische Hürden überwunden werden. Um den Drohnen beizubringen, wie man Hindernisse erkennt und ihnen ausweicht, hat Amazon in Graz ein eigenes Entwicklungszentrum geschaffen, an dem u. a. an der Navigation geforscht wird.

Ein Knopfdruck setzt die Lieferkette in Gang #

Rasierutensilien
Rasierklingen sind aus, das Toilettenpapier, das Waschpulver ... für diese Alltagsnöte will Amazon mit dem „Dash-Button“ eine Antwort bieten. Geht ein bestimmtes Produkt aus, reicht ein Knopfdruck und schon wird eine Online-Bestellung ausgelöst. Jeder Knopf ist für ein Produkt programmiert. Konsumentenschützer sind skeptisch.

Ein Bus ohne Fahrer für den Stadtverkehr #

Bus ohne Fahrer für den Stadtverkehr
GPS, Kameras und Sensoren, die pro Sekunde eine Million Lichtpunkte aussenden, um die Umgebung abzutasten: So „tasten“ sich autonom fahrende Elektro-Minibusse durch den Stadtverkehr. Mehrere Produzenten drängen mit derartigen Modellen auf den Markt. Meist bieten die wendigen, rund fünf Meter langen Busse 15 Passagieren Platz. Maximalgeschwindigkeit: 45 km/h; Batterleistung: 10 bis 13 Stunden.

Zimmerservice 4.0: Ein Roboter als Hotelboy #

Roboter als Hotelboy
Ein kühles Getränk, frische Handtücher, eine neue Zahnpastatube oder die online bestellten Konzertkarten: Die vom Silicon-Valley-Start-up Savioke entwickelten Zustellroboter sind bereits in Hotels im Einsatz. Ausgestattet mit 3D-Kameras, Sensoren und Internetanschluss fahren sie selbstständig mit dem Lift, finden in Hotelgängen die richtige Zimmertür und melden ihre Ankunft aufs Handy des Gasts.

Autonomer Lastwagen liefert 50.000 Dosen Bier #

Autonomer Lastwagen
200 Kilometer legte im Oktober ein Roboter- Lastwagen in den USA zurück. Die Fracht: 50.000 Dosen Bier. Für diese Premierenfahrt kooperierte der Fahrdienstvermittler Uber und der Bierriese Anheuser-Busch. Die Aktion sollte zeigen, dass die Technologie – sie kommt vom Uber- Start-up „Otto“ – für den Alltagseinsatz bereit ist.

Selbstfahrender Roboter stellt die Post zu #

Selbstfahrender Post-Roboter
Seit September testet die Schweizerische Post in drei Gemeinden selbstfahrende Lieferroboter. Sie sind auf den Gehsteigen unterwegs und können auf einer Distanz von sechs Kilometern Lasten von bis zu zehn Kilo befördern. Ist der Roboter an seinem Ziel, sendet er eine SMS an den Empfänger, und der Deckel des Roboters öffnet sich. Sobald der Deckel geschlossen wird, kehrt er an den Ausgangspunkt zurück. Paketzustellung heute in Österreich.

Schwimmende Roboter ohne Kapitän an Bord#

Roboat
Der Verkehr im Amsterdamer Kanalsystem könnte schon bald noch dichter werden. Ein Forschungsnetzwerk arbeitet an der Entwicklung von selbstfahrenden schwimmenden Plattformen, mit denen Güter, aber auch Personen transportiert werden können. Die Plattformen – Projektname „Roboat“ – können aber auch als Behelfsbrücken oder zum Bergen von in den Grachten versenkten Fahrrädern verwendet werden.

Fotonachweis: KK (2), APA

Kleinen Zeitung, Montag, 7. November 2016