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An dieser Stelle erscheint ein Hinweis auf das damalige Landgut Hagen und seine Kapelle
angebracht: Laut Chroniken und Legendengut gab es dort schon früh einen sogenannten
„Bruder“. Von den Wallseern wird überliefert, sie hätten ihn zur Fürbitte für die Familie
eingestellt und jedem Lehensmann als Verpflichtung samt Kammer und Kost auferlegt. Der
„Bruder“ verbrachte viel Zeit in der Kapelle, unterrichtete aber auch die untertänigen Kinder,
half bei Krankheit und stand dem Amtmann zur Seite, wie aus Chronikberichten bekannt ist.
Auf ihn mag das Anlegen des Taufbuches „Copialbuech der capelln im hackhen bey lyntz“
zurückgehen (erw bereits im 15. Jh, in Kopie erhalten blieb ein Blatt 1482>1494
betreffend).2726
Sehr wahrscheinlich war in der Ära der Wallseer auch in der Schlosskapelle Wallsee und vm
ebenso in der Pfarrkirche Sindelburg das im Hagen gesungene „Wallseer Lied “ und die für
Hagen wiederholt erwähnte „Lochpfeife“ in Gebrauch.2727 Laut Überlieferung im
Hagen´schen Schulbuch wurde Jahrhunderte hindurch bei allen bedeutenden Festen im
Hagen, so auch in der Kapelle, auf einer Lochpfeife aus der Wallseer Zeit des Hagen (ca
1298 bis 1483) gespielt, und dies unter spezieller Hervorhebung und Bevorzugung des
sogenannten „Wallseer Liedes“. Laut Auskunft des bekannten Musik-und Lieder-Experten,
Sammlers und Bewahrers von Liedgut, Dr. Arthur Blöchl aus Linz, handelte es sich bei
diesem Musikinstrument um die seit dem 12. Jahrhundert im alpenländischen/süddeutschen
Raum (Waldsee!) als dort heimisch nachweisbare Schwegel (-pfeife), eine Querpfeife,
welche zum Vortrag von Liedweisen, bei Festen des Adels und des einfachen Volkes, bei
Landknechtszügen, Jagden, etc verwendet wurde. Das „Wallseer Lied“ (Text und Melodie)
konnte auch er nicht ausfindig machen. 2728
EH Franz vHabsburg-Lothringen und seine Familie wären an Text und Melodie des Wallseer
Liedes ebenfalls sehr interessiert gewesen, bedauerten jedoch, dass sie ihrerseits auf
Schloss (Nieder-) Wallsee keinerlei Hinweise oder Notenschriften besäßen, zumal das
Schloss von den Vorbesitzern total ausgeräumt worden war. Aus diesem Grund sei auch
das Kirchenbild (Vorbild für jenes in der Schlosskapelle Hagen) in der alten Wallseer
Schlosskapelle nicht mehr vorhanden und gleich allen übrigen Objekten verschollen.2729
Einer der Wallseer, Friedrich V. vWE (erw 1350 >1408) fand im März 1408 aufgrund einer
Explosion auf der Feste Wallsee den Tod. Die Klosterneuburger Chronik schreibt dazu:
„Diß jar nam herr Friderich vWalssee ain pesen thott, wan ain dunne vol pulffer stuendt zu Newen Walsse in
ainem gwelb. Da wolt er in ainer seiner khamer wein hinauf tragen und drueg ain wintliecht mit im, wie beschach,
daz das liecht an die bulffer dunnen riert, und fert durch 3 gewelber, do her saß, und prendt im hand und har ab,
daz er starb.“ 2730
2726
OÖLMBibl, Ehe. SA Hagen, As fol. 14; 7: 23 Eintragungen. Die Anlage von Pfarrbüchern (Tauf-, Trauungs-
und Sterbebüchern) wurde als Verordnung erst auf dem Konzil von Trient (1545>1563) erlassen und von den
Pfarrern in der Regel ab Ende des 16. Jhs ausgeführt. Pfister, Metropolitan-Verband Salzburg, 40.
2727
Blöchel, PI 21. Juli 2010; Eidenberger (Vize-Rektor der privaten Anton-Bruckner-Musik-Universität Linz, PI
23. März 2010; Deutsch, PI 6. Februar 2012; Jäger Constance, PI 13. Februar 2012. vHabsburg-Lothringen Franz
EH, PI ua 28. Dezember 2007: In seinem Archiv gebe es keine Hinweise, es sei wenig erhalten. Schäffer,
Johannes-Kapelle, 33f. - Es gab auch ein Haunsperger Lied (s.o.). Michalek, PI 2009.
2728
Blöchel, PI 21. Juli 2010. Galatz Sandra, OÖN, 4. August 2011, 25: Schwegel oder Seitelpfeife= klappenlose
hölzerne Querflöte mit 6 Grifflöchern [heute erzeugt ua von Dietmar Derschmidt in Scharnstein aus dem Holz von
Buchsbaum, Kornelkirschen- (Dirndlbaum), Zwetschken-, Apfelbaum oder Pfaffenkapplstauden].
2729
OÖLMBibl, Ehem. SA Hagen, As fol. 19. Schäffer, Merkwürdiges aus dem Hagen/Linz, 54. vHabsburg-
Lothringen Franz EH, ua tel. PI 2007. EH Margaretha vHabsburg-Lothringen, Schloss Wallsee, PI 9. und 16.
Jänner 2008. Schäffer, GHft Hagen/Inhaber, Bd I, II.
2730
AStL, LR, A 1 c / 663. KlNbger Chronik, 298f. Hruza, Wallsee 1171>1331, 486, Anm.7. vHabsburg-
Lothringen Franz EH, ua persönl. PI 11. Oktober 2007, könnte sich ein Attentat vorstellen, die Macht der Wallseer
war vielen heimischen Adelsleuten ein Dorn im Auge. Seine Gemahlin Anna verstarb am 21. Oktober/XII kal:
MGH, V, Necr. Camp. Lil., 415/416. „Ob. d a
Anna ux d i
Friderici n
i
advocati de Walsse“.
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Adelsgeschlechter Hagen
- Titel
- Adelsgeschlechter Hagen
- Autor
- Hanna und Herbert Schäffer
- Verlag
- Austria-Forum
- Ort
- Linz
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Oberösterreich, Linz
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Inhaltsverzeichnis
- Vorbemerkungen 1
- Die Herren Sunelburg und ihr Wappen 7
- Die Stammburg der Herren Sunelburg 16
- Stammtafel der Edlen Sunelburg 21
- Das Auftreten der Sunelburger in Urkunden 22
- Hohold (Irmingard Pürten) 22
- Reginhard privignus 26
- Reginhard (I.) 28
- Walchun Sunelburg-Lungau 29
- Reginhard (II.) 30
- Elisabeth 31
- Beatrix 32
- Konrad (Benedicta von Haunsperg ) 37
- Beiträge zu mit den Edlen Sunelburg versippten Adelsgeschlechtern, den Sta 45
- Grafen Dornberg x - Lungau 46
- Dietmar I. (Irmingard vPürten ) 47
- Wolfram I. 49
- Hugo 49
- Dietmar II. 50
- Wolfram III. 54
- Edelfreien vAmerang - Schleunz 59
- Pabo 64
- Pabo I. Amerang-Schleunz (Elisabeth Sunelburg ) 65
- Pabo II. vAmerang-Schleunz (Anzbach, Elisabeth Waxenberg ) 68
- Otto I. Schleunz (Kunigunde Lengenbach/Velburg-Clam, Kunigunde Mern/Mähren)….………… 74
- Hochfreien Perg/Machland / Clam 83
- Walchun III. Machland-Lungau 85
- Hartlieb 87
- Otto II. (Kloster Erla ) 88
- Walchun IV. (Beatrix Sunelburg ) 94
- Grafen Bergtheim/Velburg -Clam 98
- Hermann (Adelheid Machland-Clam) 99
- Otto (Elisabeth Schleunz) 102
- Ulrich (Kunigunde Lengenbach) 105
- Stammtafel der Hochfreien Haunsperg 108
- Hochfreie Haunsperg 109
- Besitzungen der Hochfreien Haunsperg 114
- Linz/Donau -Haunsperger 119
- Meginhard I. 131
- Friedrich I. 132
- Benedicta (Schönhering , Sunelburg , Wilhering ) 134
- Luitgard (Erchenbert Moosbach ) 134
- Gottschalk I. (Otilia Wilhering) 138
- Friedrich III. de Lincz 140
- Ulrich I. (Adelheid von Au) 141
- Gottschalk II. 145
- Hinweise auf Elisabeth und Adelheid Haunsperg 152
- Stammtafel der Schönhering-Plankenberg 154
- Edlen Schönhering - Plankenberg 155
- Pernhart I. 160
- Engelbert I. Schönhering (Benedicta Haunsperg ) 162
- Engelbert II. Schönhering-Plankenberg (Kunigunde) 166
- Verbindung mit den Herrn Rosenberg/Witigonen (Witigo) 176
- Stammtafel der Rosenberg 176