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„Adelheid“ konnte von den damit befassten Forschern nicht entdeckt bzw urkundlich belegt werden. Beinahe
ebenso unwahrscheinliche dünken vermutete machtpolitische Motive, Anrechte auf die Erbgüter etc als
Ursachen für einen so schwerwiegenden Familienstreit - vor allem in Anbetracht der Kinderlosigkeit der letzten
Haunsperger! König Ludwig von Bayern, der bei einem Aufenthalt im ehemaligen Haunsperger Schloss
Weitwörth von dieser Legende erfuhr, eine Ballade über die Haunsperger im Zusammenhang mit dieser
Begebenheit verfasste, konnte sich im Falle etwaigen Wahrheitsgehaltes der Sage lediglich Machtstreben bzw
Habgier vorstellen.
Als Tatsache ist historisch belegt, dass Erzbischof Eberhard II. von Salzburg am 6. Juli 1211, mit Gottschalk, dem
letzten der Haunsperger Brüder einen Vertrag schloss, gemäß welchem die „untere“ Burg Haunsperg samt den
Dienstleuten nach dem Tod des kinderlosen Edelmannes Gottschalk II. um 100 Pfund Salzburger Münze an das
Erzstift überzugehen hätte. Heinrich, der ältere Bruder, schien dabei nicht mehr auf, war also tatsächlich bereits
verstorben, könnte seinen eventuellen Verletzungen ähnlich wie im beschriebenen Zweikampf auf der (heute
noch sichtbaren) Schwelle der Schlosskapelle zum Hl. Pankraz/Ruine Haunsperg bei Nussdorf/Haunsberg
erlegen sein.
Die Geschichte vom tragischen Ende der Haunsperger wird in der von Jakob vHaunsperg [aus der jüngeren Linie
„vHaunsperg“, ursprünglich Ministerialen der Hochfreien] verfassten und im Kloster Michaelbeuern
aufbewahrten Haunsperger Familienchronik folgendermaßen geschildert:
„Als sich aber zween Brueder mit Namen Harthold und Dypold zertragen und tödtlich uneins worden, ja
dermasses in Vehd und Feindschaft gerathen, dass niemand verhueten mögen und auf das Löben an einander
nachgestellet, welches ihr böses Fürhaben sich zuletzt im Schlosse und Herrschaft an der Salza gegen Laufen
über gelegen ain End gemacht, dass sich also unversehens so zugetragen. Nachdem der ain Brueder sein
Gebeth in der St. Pankrazen=Kirchen im Schloss verricht und herausgehen wollen, ist ihme der andere Bruder
begegnet, haben also beede zu den Waffen griffen und unter der Kirchthür auf dem finsteren Gang nach
getroffenen Kampf beede aneinander leider entleibt, daß der ain, wie man sagt, hinein, und der andere heraus
todter gefallen ist, welches erbärmliche Ort noch heutiges Tages im Schloss Haunsperg gezeiget wert. Auf
solches schröckliches Endt hat das Erzstift Salzburg die Herrschaft von innen samt dem Landgericht viscalisch
und verfällen Gütt zur Straffe eingezogen.“ 2906
König Ludwig von Bayern, der 1813 als Kronprinz im nahegelegenen Haunsperger Schloss Weitwörth
(Salzburg) weilte, hielt das tragische Geschehnis in einer Ballade fest, deren „Schlüsselstelle“ lautet: 2907
„Sehet dort auf jenen Höhen,
An des Klausners Zell vorbei,
Trümmerndes Gemäuer stehen,
Ragen in die Lüfte frei.
Lang in dieses Schlosses Mitte
Hohen Muthes ungeschwächt,
Treu der alten biedern Sitte
War ein ritterlich Geschlecht;
Lebte froh und lebte bieder,
bis von Habsucht arg gefaßt,
Die zwei letzten, welche Brüder,
Mordbegierig sich gehaßt.
Unfern von den grünen Wiesen,
Die hindurch ein Bach sich schmiegt,
Sich die Brüder niederstießen,
Wo die schmale Stelle liegt…..“
2906
Haunsperger Familienchronik, Hs im Stift Michaelbeuern (P. Mag. Michael Eppenschwandtner).
2907
Michalek, Haunsberg, 227 ff, nach Bucelinus Gabriel, Genealogica Germaniae IV, Fragmentum
Genealogicum de Havnsperg, Augsburg/Ulm, 1655.
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Buch Adelsgeschlechter Hagen"
Adelsgeschlechter Hagen
- Titel
- Adelsgeschlechter Hagen
- Autor
- Hanna und Herbert Schäffer
- Verlag
- Austria-Forum
- Ort
- Linz
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Oberösterreich, Linz
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Inhaltsverzeichnis
- Vorbemerkungen 1
- Die Herren Sunelburg und ihr Wappen 7
- Die Stammburg der Herren Sunelburg 16
- Stammtafel der Edlen Sunelburg 21
- Das Auftreten der Sunelburger in Urkunden 22
- Hohold (Irmingard Pürten) 22
- Reginhard privignus 26
- Reginhard (I.) 28
- Walchun Sunelburg-Lungau 29
- Reginhard (II.) 30
- Elisabeth 31
- Beatrix 32
- Konrad (Benedicta von Haunsperg ) 37
- Beiträge zu mit den Edlen Sunelburg versippten Adelsgeschlechtern, den Sta 45
- Grafen Dornberg x - Lungau 46
- Dietmar I. (Irmingard vPürten ) 47
- Wolfram I. 49
- Hugo 49
- Dietmar II. 50
- Wolfram III. 54
- Edelfreien vAmerang - Schleunz 59
- Pabo 64
- Pabo I. Amerang-Schleunz (Elisabeth Sunelburg ) 65
- Pabo II. vAmerang-Schleunz (Anzbach, Elisabeth Waxenberg ) 68
- Otto I. Schleunz (Kunigunde Lengenbach/Velburg-Clam, Kunigunde Mern/Mähren)….………… 74
- Hochfreien Perg/Machland / Clam 83
- Walchun III. Machland-Lungau 85
- Hartlieb 87
- Otto II. (Kloster Erla ) 88
- Walchun IV. (Beatrix Sunelburg ) 94
- Grafen Bergtheim/Velburg -Clam 98
- Hermann (Adelheid Machland-Clam) 99
- Otto (Elisabeth Schleunz) 102
- Ulrich (Kunigunde Lengenbach) 105
- Stammtafel der Hochfreien Haunsperg 108
- Hochfreie Haunsperg 109
- Besitzungen der Hochfreien Haunsperg 114
- Linz/Donau -Haunsperger 119
- Meginhard I. 131
- Friedrich I. 132
- Benedicta (Schönhering , Sunelburg , Wilhering ) 134
- Luitgard (Erchenbert Moosbach ) 134
- Gottschalk I. (Otilia Wilhering) 138
- Friedrich III. de Lincz 140
- Ulrich I. (Adelheid von Au) 141
- Gottschalk II. 145
- Hinweise auf Elisabeth und Adelheid Haunsperg 152
- Stammtafel der Schönhering-Plankenberg 154
- Edlen Schönhering - Plankenberg 155
- Pernhart I. 160
- Engelbert I. Schönhering (Benedicta Haunsperg ) 162
- Engelbert II. Schönhering-Plankenberg (Kunigunde) 166
- Verbindung mit den Herrn Rosenberg/Witigonen (Witigo) 176
- Stammtafel der Rosenberg 176