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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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29.9.1989: Bericht Botschafter Bauer Dok. 59 321 Misstrauensbekundungen gegenüber demokratischer Reife der Deutschen auf die Dauer abstoßend wirken und zu einer sich selbst verwirklichenden Prophe- zeiung werden könnten) erregt sich umsonst – niemand rechnet mit einer zwangsläufigen, unaufhaltsamen Eigenentwick- lung in Richtung Wiedervereinigung. In der BRD überwiegen  – man lasse sich durch scheinbare innenpolitische Aus- einandersetzungen nicht täuschen!  – ganz eindeutig die politischen Kräfte, wel- che auf absehbare Zeit von der Existenz zweier deutscher Staaten und daher der Sinnhaftigkeit von Regelungen mit der DDR-Führung ausgehen, gegenüber ver- einzelten Stimmen, die eine Existenzkrise der DDR erwarten und deshalb Nor- malisierungspolitik mit ihr als sinnlos betrachten. Das AA erkennt jedoch einen starken und ständigen Erklärungsbedarf über die Einbettung der deutschen Frage in den europäischen Rahmen; wie Genscher sagt:22 „Wir haben unser Schicksal untrennbar mit dem des ganzen Europa verbun- den, wir dürfen deshalb unsere Politik nicht enteuropäisieren. Nationale Allein- gänge wären ein Rückfall in die Vergangenheit. Sie würden neue Instabilitäten für Europa schaffen, sie würden den Prozess der West-Ost-Annäherung ernsthaft gefährden. Sie würden damit auch den nationalen Interessen der Deutschen, die heute mit den europäischen Interessen identisch sind, schaden. Deshalb wollen wir alles in unseren Kräften Stehende tun, um die Gegensätze zwischen Ost und West in Europa überwinden zu helfen.“ Diese Einbettung werde auch für die operative Tagespolitik immer bedeuten- der, was sich besonders stark in der KSZE zeige, wo BRD und DDR als Partner zusammenarbeiteten. Dass auch die DDR immer mehr in Europa eingebunden werde, belegte dieser Gesprächspartner u. a. mit dem im Juli 1989 an die franzö- sische Präsidentschaft herangetragenen DDR-Wunsch nach EPZ-Kontakten, der u. a. dem Prestigedenken des MfAA, dem DDR-Interesse an der EG und auch der Anwendung des KSZE-Menschenrechtsmechanismus gegen Ostberlin entspringe: Bonn unterstützt diesen EPZ-Wunsch, der vermutlich zu Kontakten zwischen den politischen Direktoren der Präsidentschaft und der DDR einmal jährlich füh- ren werde. Es gilt also, auch und vor allem für die deutsche Öffentlichkeit, über der tages- politischen Erregtheit und trotz der unübersichtlichen Bewegung in Osteuropa den Blick für die heute noch bestehenden Realitäten nicht zu verlieren, und mit Gorbatschow die deutsche Frage der Geschichte zu überlassen. Österreichische Erklärungen oder Stellungnahmen zum Thema  – über die Hoffnung auf einen all- gemeinen Demokratisierungsprozess und Veränderungen in Stabilität hinaus  – wären wenig hilfreich: Wir werden die „Wiedervereinigung“ weder herbeiführen 22 Es konnte nicht exakt eruiert werden, aus welcher Rede Genschers das folgende Zitat stammt. Er verwendete die darin vorkommenden Redewendungen in leichter Variation in regelmäßi- ger Wiederkehr. So auch noch im Deutschen Bundestag am 16. November 1989. Vgl. Steno- graphischer Bericht der 176. Sitzung.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Titel
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Untertitel
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Herausgeber
Michael Gehler
Maximilian Graf
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-ND 4.0
ISBN
978-3-666-35587-5
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
792
Kategorien
Geschichte Nach 1918

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
  2. I. Vorbemerkungen 7
  3. II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
    1. 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
    2. 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
    3. 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
    4. 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
    5. 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
  4. III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
    1. 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
    2. 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
    3. 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
    4. 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
    5. 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
    6. 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
    7. 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
    8. 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
  5. IV. Editorische Vorbemerkungen 99
    1. Verzeichnis der Dokumente 103
    2. Dokumente 111
    3. Abkürzungsverzeichnis 723
    4. Literaturverzeichnis 731
    5. Personenregister 735
    6. Sachregister 773
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