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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Seite - 355 -
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Seite - 355 - in Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit

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10.11.1989: Gespräch Mock – Eyskens Dok. 70 355 AM Eyskens spricht von einem „historischen Augenblick“ und gibt der Hoff- nung Ausdruck, daß diese Entwicklung anhält. Er weist auf das Problem fehlen- der Devisen hin, das mit der freien Ausreise unmittelbar zusammenhänge. Der nächste Schritt müßten freie Wahlen sein. Für Gorbatschow bedeute die Entwicklung eine Gefahr, da seine Gegner die Politik Gorbatschows dafür verant- wortlich machen würden, daß der Ostblock „in Ruinen liege“. Der HBM sieht in der Entscheidung der DDR-Führung die einzige Möglichkeit, das Volk in seinem Freiheitsdrang zu halten. Er weist auf den Triumph der De- mokratie und ihrer Ideale hin und spricht davon, daß „ein ideologisches Gebäude zerbreche“. Die Entwicklungen im Osten seien zwar nicht gänzlich reversibel, aber Rückschläge seien zu erwarten. Von ungarischer Seite habe man mehrfach betont, es gelte, die Reformen schnell voranzutreiben, um für den Fall des Sturzes Gor- batschows möglichst das Stadium der Irreversibilität erreicht zu haben. AM Eyskens drückt seine Freude über seinen Besuch in Wien im Jänner2 aus. Auf eine Frage des HBM teilt er mit, daß er mit seiner Gattin kommen werde. Er freue sich, daß ein Belgier, Gérard Mortier, die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele übernommen habe. Der Stolz Belgiens ob dieser Tatsache überwiege die Trauer über den Verlust für Brüssel. AM Eyskens berichtet dem HBM von der Gründung der „Fondation Mozar- teum“. Es sei beabsichtigt, 1990 eine „semaine de Mozart“ abzuhalten, mit der auf den Umstand aufmerksam gemacht werden sollte, daß Mozart 3 Reisen nach Belgien unternommen habe, was weithin unbekannt sei. Man habe diese Woche bewußt 1990 angesetzt, damit sie nicht im Trubel des „Bicentenaire“ untergehe. Bot. Weinberger wirft ein, daß er hoffe, AM Eyskens als Präsident der Gesell- schaft der Freunde der Wiener Philharmoniker gewinnen zu können, die ge- gründet werde, um häufigere Gastspiele der Wr. Philharmoniker organisieren zu können. AM Eyskens nimmt sodann zu europäischen Fragen Stellung. In Europa sei derzeit alles möglich. Er rechne gesamteuropäisch mit der Entwicklung einer „géometrie variable“. Die bevorstehende WEU-Tagung (13./14.11.)3 sei von großer Bedeutung für die Einschätzung der Lage in Europa. Gorbatschow zwangsläufig eine starke Opposition im Politbüro gewärtigen, die darauf ver- weisen könne, dass das sowjetische Imperium nunmehr ‚en ruine‘ sei. […] Außenminister Eyskens bemerkte, dass die Entwicklung im Osten die österreichische EG-Beitrittsproblema- tik wohl erleichtere. Der Herr Bundesminister stimmte dem zu und hat auch bei dieser Gele- genheit auf die Genesis und Qualität der österreichischen Neutralität verwiesen. Das Gespräch war angesichts des gedrängten Programms des Herrn Bundesministers und weil sich Außenminister Eyskens für dieses Gespräch im belgischen Ministerrat verspäten musste, von kurzer Dauer, verlief aber in ausgesprochen freundlicher Atmosphäre.“ Unter- redung des Herrn Bundesministers mit Außenminister Mark Eyskens am 10.11.1989, Akten- vermerk, Brüssel, 15. November 1989, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1989, GZ. 518.02.27/2-II.1/89. 2 Eyskens besuchte vom 17. bis 18. Jänner 1990 Wien. 3 Die Außen- und Verteidigungsminister der Mitgliedsstaaten trafen am 13. November 1989 in Brüssel zusammen. Dort berieten sie über die jüngsten Entwicklungen im Ost-West-Ver- hältnis und schlugen vor, die Hilfe der 24 westlichen Industrienationen für Polen und Ungarn
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Titel
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Untertitel
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Herausgeber
Michael Gehler
Maximilian Graf
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-ND 4.0
ISBN
978-3-666-35587-5
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
792
Kategorien
Geschichte Nach 1918

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
  2. I. Vorbemerkungen 7
  3. II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
    1. 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
    2. 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
    3. 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
    4. 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
    5. 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
  4. III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
    1. 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
    2. 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
    3. 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
    4. 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
    5. 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
    6. 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
    7. 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
    8. 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
  5. IV. Editorische Vorbemerkungen 99
    1. Verzeichnis der Dokumente 103
    2. Dokumente 111
    3. Abkürzungsverzeichnis 723
    4. Literaturverzeichnis 731
    5. Personenregister 735
    6. Sachregister 773
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