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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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15.12.1989: Bericht Botschafter Wunderbaldinger und Gesandter Graf Dok. 95 433 menarbeit im Herzen Europas auszubauen. In Zukunft wird auch daran gedacht, KSZE-Aktivitäten in diesem (neuen) Berlin abzuhalten. Die (zum Teil von außen hereingetragene)  Selbstbeschleunigung der Entwick- lung in der DDR hat zu einem drastischen Verbrauch an Zeit geführt: bei „nor- malem“ Gang der Dinge müsste man jetzt unmittelbar an der Schwelle des Weih- nachtsfestes stehen. Der Festbraten und die sonstige Versorgung für die Feiertage ist gesichert: über das Feiern wäre der so notwendige Zeitgewinn erreicht worden, nun aber droht die Straße den so tapfer, aber auch in so kurzer Zeit erkämpften historischen Anspruch zu verlieren. Der BRD-Wohlstand schon morgen scheint in vielen Straßenköpfen alles andere zu überdecken. Apelle und besonnene Worte aus Kreisen der Opposition, der Kirche, der Leitfigur der noch SED, von Künstlern erreichen die erhitzten Köpfe auf der Straße in den letzten Tagen nicht. Neue Signale der Hoffnung wurden gesetzt, die laut Aussage der evangelischen Kirche Teile des Volkes (welche Teile?) erreichen: die kleine Vier-Mächte-Konfe- renz in Westberlin wirkte ernüchternd. Der deutsche Alleingang scheint momen- tan zu verharren. Bakers fast spontaner Besuch bei Hans Modrow in Potsdam glättet auch so manche Woge. Kohl wird sich in Dresden11 unmittelbar vor dem Eintreffen Mitterrands12 noch mehr gegenüber seinen sächsischen Landsleuten zügeln müssen. Erste Zeichen wurden hier durch den kleinen Parteitag in West- berlin bereits empfangen. Kirchenvertreter, Oppositionsgruppen, Persönlichkeiten des Kulturlebens (Kurt Masur)13 beschlossen, die nächste Leipziger Montags-Demonstration am 18. De- zember als Schlusspunkt des Demonstrierens über die Feiertage zu setzen: es soll ein Schweigemarsch für die Opfer des Stalinismus werden. Es bleibt abzuwarten, ob dies die aufgejubelten Vereiniger Sachsens erreichen wird. Diesen Hoffnungspunkten muss entgegengehalten werden, dass spätestens beim Treffen Kohl / Modrow in Dresden am Dienstag nächster Woche die DDR er- klären wird, dass die Visafreiheit gegenüber der BRD bereits für die Weihnachts- feiertage gelten wird. Es muss angenommen werden, dass der Strom Tausender dann aus der Westrichtung einsetzen wird. Das traditionell sehr intensiv gefeierte Jahresendfest wird Deutschen [sic!] hie und da (in Alkohol) vereinen. Sorge muss angebracht sein bei den Gedanken von hunderten Kreuzberger Chaoten, die sich mit einem hier bereits bemerkbar gemachten rechtsradikalen Potential vereini- gen. Die bisher im Hintergrund gestandenen Sicherheitskräfte werden sich wohl dazwischen stellen müssen. Mit dem Risiko, dass sich verfeindete Gruppen jeder- zeit spontan gegen die Sicherheitskräfte vereinigend mobilisieren können. Das Licht im Tunnel ist nach wie vor nur beim Blick nach rückwärts sichtbar. Noch ist die Tunnelmitte nicht erreicht. Hoffnung, zum Teil auch substantieller 11 Kohl besuchte Dresden am 19. und 20. Dezember 1989. Siehe Dok. 101–102. 12 Mitterrand besuchte die DDR vom 20. bis 22. Dezember 1989. Siehe Dok. 103. 13 Kurt Masur, Dirigent, Mitverfasser des Aufrufes „Keine Gewalt“ am 9. Oktober 1989, dem Tag der Leipziger Montagsdemonstrationen, siehe Personenregister mit Funktionsangaben.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Titel
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Untertitel
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Herausgeber
Michael Gehler
Maximilian Graf
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-ND 4.0
ISBN
978-3-666-35587-5
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
792
Kategorien
Geschichte Nach 1918

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
  2. I. Vorbemerkungen 7
  3. II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
    1. 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
    2. 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
    3. 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
    4. 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
    5. 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
  4. III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
    1. 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
    2. 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
    3. 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
    4. 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
    5. 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
    6. 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
    7. 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
    8. 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
  5. IV. Editorische Vorbemerkungen 99
    1. Verzeichnis der Dokumente 103
    2. Dokumente 111
    3. Abkürzungsverzeichnis 723
    4. Literaturverzeichnis 731
    5. Personenregister 735
    6. Sachregister 773
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