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22.12.1989: Bericht Botschafter Wunderbaldinger
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Dok. 103
Als EG-Präsident hat Mitterrand die Bereitschaft der Gemeinschaft zu einem
Wirtschaftsabkommen mit der DDR offiziell mitgeteilt.10
Das von Mitterrand vorgelegte Konzept wird mehr oder weniger allen gerecht:
Europa müsse sich so schnell aufeinander zu entwickeln, wie die Deutschen gege-
benenfalls ihre Einheit wünschten. Das Problem ist lediglich: Kann Europa in der
Entwicklung so schnell voranschreiten, wie deutsche Ungeduld dies anmahnt?
In Leipzig führte Mitterrand auch mit dem während der Demonstrationen
politisch bekannt gewordenen Chef des Gewandhaus-Orchesters Masur,11 mit
Studenten- und Oppositionsgruppen Gespräche. Beim Treffen mit dem Vorsit-
zenden der SED-PDS Gregor Gysi in Berlin erklärte er, dass dieser Partei beim
gegenwärtigen Umgestaltungsprozess noch eine wichtige Rolle zukommt.
Während des Besuchs wurden
– das Regierungsprogramm über wirtschaftlich-industrielle und technische
Zusammenarbeit in den Jahren 1990–1994,
– das Regierungsabkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung bei Ein-
kommens- und Vermögenssteuern,
– das Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des
Umweltschutzes,
– das Regierungsabkommen über den Jugendaustausch,
– die Regierungsvereinbarung über weitere Modalitäten der Arbeitsweise der
Kulturzentren und
– ein Briefwechsel über Möglichkeiten zur gegenseitigen Eröffnung weiterer
Kulturzentren auf dem Territorium des jeweilig anderen Staates
unterschrieben.
Derzeit läuft die von Mitterrand gegebene Pressekonferenz. Allenfalls darf wei-
terer Bericht vorbehalten bleiben.12
Wunderbaldinger
10 Zur Vorgeschichte siehe bereits Dok. 80, Anm. 4. und Dok. 81.
11 Kurt Masur, Kapellmeister des Gewandhaus-Orchesters in Leipzig (1970–1997), siehe Per-
sonenregister mit Funktionsangaben.
12 Es scheint kein weiterer Bericht erstattet worden zu sein. Für Auszüge der Pressekonferenz
Mitterrands zum Abschluss seines DDR-Besuchs siehe: Europa-Archiv D 96–D 99.
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Buch Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit"
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Titel
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Untertitel
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Herausgeber
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 792
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99