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21.2.1990: Bericht Gesandter Hagg Dok. 128
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der Bündnisse im vereinigten Deutschland, d. h. eine Option, die NATO und War-
schauer Pakt eine Rolle zuweist, findet hier durchaus Zustimmung.
Interessant waren in diesem Zusammenhang Stimmen innerhalb der Regie-
rung, die sich für einen vorläufigen Verbleib von W. P.-Truppen in Polen ausspra-
chen, unter Hinweis darauf, dass die Stationierung bis zur Regelung der gesamt-
europäischen Sicherheit im Interesse Europas sei und für weitere Verhandlungen
von Polen positiv ins Spiel gebracht werden könnte. Vor kurzem erst waren
Lech Wałęsa, aber auch Jaruzelski für deren Rückzug eingetreten. Die offizielle
Haltung der Regierung zur Frage des Abzugs der sowjetischen Truppen sowohl
aus Polen als auch aus der DDR stellt auf den Erfolg der Gespräche der 23 in
Wien21 ab.
Der Botschafter:
(Wagner)
Dok. 128: Bericht. Besuch Genschers in Rom, 21.2.1990
Gesandter Walter Hagg an BMAA, Rom, 21. Februar 1990, Zl. 116-Res/90, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1990, GZ. 22.17.01/
45-II.1/901
Deutsche Wiedervereinigung; Besuch AM Genschers in Rom am 21.2.19902 (Info)
Die Frage der deutschen Wiedervereinigung war Anlass eines Blitzbesuches AM
Genschers in Rom am 21.2. Nachmittag. In den zweistündigen Gesprächen mit
MP Andreotti und AM de Michelis konnte volles Einvernehmen erzielt werden,
das Ergebnis kann wie folgt zusammengefasst werden:
eines geeinten Deutschland zur EG und zur NATO nicht in Frage steht. Er betonte aber auch,
dass die Einbeziehung des Gebietes der DDR in die militärischen Strukturen der NATO die
deutsch-deutsche Annäherung blockieren würde. Genscher vertrat die Ansicht, dass Ost-
deutschland nicht in die militärische Struktur der NATO einbezogen werden dürfe. Siehe dazu
bereits Dok. 116, Anm. 6. und Dok. 119, Anm. 12.
21 Seit 6. März 1989 wurde in Wien im KSZE-Rahmen zwischen Vertretern des Warschauer
Pakts und der NATO über eine Reduzierung konventioneller Streitkräfte in Europa (KSE)
verhandelt. Der KSE-Vertrag wurde am 19. November 1990 am Pariser KSZE-Gipfel unter-
zeichnet. Siehe dazu bereits Dok. 20, Anm. 10.
1 Der Bericht erging im Verfolg des Fernschreibens Nr. 10025 als Fernschreiben Nr. 25040 an
das BMAA und war an das Kabinett des Bundesministers, das Generalsekretariat und die Sek-
tion II gerichtet. Dort wurde er am 26. Februar 1990 vom Leiter der Abteilung II.1 Gesandten
Johann Plattner in Bearbeitung genommen, der die Depeschenweiterleitung Nr. 85136 an die
österreichischen Botschaften in Bonn und Berlin verfügte. Auch Legationsrat Marius Calliga-
ris zeichnete den Bericht am 26. Februar ab.
2 Für das Gespräch Genschers mit Premierminister Giulio Andreotti und Außenminister
Gianni de Michelis siehe Dokument 56, in: Die Einheit, S. 286–296.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Titel
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Untertitel
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Herausgeber
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 792
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99