Seite - 532 - in Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Bild der Seite - 532 -
Text der Seite - 532 -
21.2.1990: Information Gesandter Plattner
532
Dok. 129
Im 4-Mächteabkommen über Berlin (1971)6 werden die gemeinsamen Rechte
und Verpflichtungen der ehemaligen Siegermächte im Bezug auf Berlin festgelegt.
Die 4 Mächte haben in Berlin Streitkräfte stationiert.
2) Die BRD und die deutsche Einheit:
In der Präambel zum Grundgesetz7 wird das gesamte deutsche Volk aufge fordert,
„in einem vereinten Europa in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit
Deutschlands zu vollenden“.
Im Brief zur deutschen Einheit (1970) hat die BRD ihren Anspruch auf Wie-
dervereinigung bekräftigt („ … auf einen Zustand des Friedens in Europa hin-
zuwirken, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit
wiedererlangt“).8
Jede BRD-Regierung muß sich daher verpflichtet fühlen, auf die Erlangung der
deutschen Einheit hinzuwirken.
Die Aufrechterhaltung des Wiedervereinigungsanspruchs findet auch in Zu-
satzerklärungen der BRD zu den Römer Verträgen ihren Niederschlag. (Vorbehalt
einer allfälligen DDR-Zugehörigkeit zur EG;9 innerdeutscher Handel; Nicht-
anerkennung einer ostdeutschen Staatsbürgerschaft)
3) Grenzfrage und Sicherheitsaspekte:
Die 3 Westmächte haben die durch die „Westverschiebung“ Polens entstandene
Oder-Neisse-Grenze nie als definitiv angesehen, sondern die endgültige Fest-
legung der geographischen Grenzen eines künftigen Gesamtdeutschlands einem
abzuschließenden Friedensvertrag vorbehalten.10
6 Siehe Dok. 1, Anm. 15.
7 Für den Wortlaut der Präambel des Grundgesetzes siehe Dok. 20, Anm. 13.
8 Zum „Brief zur deutschen Einheit“ siehe Dok. 69, Anm. 13.
9 Siehe dazu Dok. 69, Anm. 14.
10 Zu den alliierten Positionen in der Frage der Verschiebung der deutsch-polnischen Grenze vor
der Teilung Deutschlands siehe: Hanns Jürgen Küsters, Der Integrationsfriede. Viermächte-
Verhandlungen über die Friedensregelung mit Deutschland 1945–1990, München 2000,
S. 218–222, 280, 283, 287, 289, 291, 350, 356–358, 362, 407. De facto wurde im Endeffekt die
Westverschiebung Polens gemäß der im Potsdamer Abkommen festgelegten Grenzen auch
seitens der westlichen Alliierten akzeptiert, jedoch blieb die Regelung der Ostgrenzen eines
zukünftigen einheitlichen Deutschlands einem Friedensvertrag vorbehalten. Daran hatten
weder die von der Bundesrepublik geschlossenen Ostverträge noch andere Abkommen etwas
geändert, da der Friedensvertrag noch ausstand und 1990 nicht mehr über einen Friedensver-
trag verhandelt wurde. Der einschlägige Wortlaut des Potsdamer Abkommens lautete: „Die
Häupter der drei Regierungen stimmen darin überein, daß bis zur endgültigen Festlegung der
Westgrenze Polens, die früher deutschen Gebiete östlich der Linie, die von der Ostsee unmit-
telbar westlich von Swinemünde und von dort die Oder entlang bis zur Einmündung der west-
lichen Neiße und die westliche Neiße entlang bis zur tschechoslowakischen Grenze verläuft,
einschließlich des Teiles Ostpreußens, der nicht unter die Verwaltung der Union der Sozia-
listischen Sowjetrepubliken in Übereinstimmung mit den auf dieser Konferenz erzielten Ver-
einbarungen gestellt wird und einschließlich des Gebietes der früheren Freien Stadt Danzig,
zurück zum
Buch Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit"
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Titel
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Untertitel
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Herausgeber
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 792
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99