Seite - 542 - in Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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23.–25.3.1990: Aktenvermerk Gesandter Prohaska
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Dok. 131
enthaltes in Washington im Dezember 19894 ausgesprochen hatte. Die Ein-
ladung wurde bei einem weiteren Besuch des HGS in Washington im Februar
19905 konkretisiert, wo Eagleburger die erneute Anregung, vom Know-How
und der österreichischen Erfahrung in der Beurteilung der Entwicklung in
Osteuropa zu profitieren, gern aufnahm. Tatsächlich schlug Eagleburger dann,
wie aus den folgenden Aufzeichnungen ersichtlich, einen derartigen, zweimal
jährlich geplanten Gedankenaustausch (einmal in Wien, dann in Washington)
vor.
Das Ziel dieses regelmäßigen Zusammentreffens von Experten liegt, abgesehen
vom vordergründigen Erfahrungsaustausch, darin, in Washington klar zu ma-
chen, dass Österreich einen qualifizierten Beitrag der Schaffung eines neuen
demokratischen Europas geleistet hat und weiter leisten kann.
Eagleburger weiß um den Beitrag Österreichs und um diese spezifische Mög-
lichkeit Österreichs und will durch die regelmäßigen Kontakte (die sich auf
State Department und National Security Council erstrecken) auch den eigenen
policy-makers diese Rolle Österreichs ins Bewußtsein rufen. Die Kontakte sind
nach der Beurteilung der amerikanischen Seite somit auch ein Zeichen einer
qualifizierteren Beziehung zu den USA und Ausdruck des Wunsches des State
Department, Österreich in Washington größeres Profil zu verleihen.
Die Liste der Zusammensetzung der amerikanischen Delegation mit Funk-
tionsangaben der Teilnehmer liegt bei.6
4 Generalsekretär Klestil absolvierte vom 11. bis 14. Dezember 1989 einen Arbeitsbesuch in
den USA, bei dem er unter anderem zu Gesprächen mit Eagleburger zusammentraf. Dieser
bekräftigte die US-amerikanische Unterstützung eines österreichischen Beitrittsantrages zur
EG und die Notwendigkeit, dass sich Österreich angesichts der Vorgänge in Osteuropa im
Westen „Gehör verschaffe“ mit den Worten „come and knock on our door“. Klestil wiederholte
die Einladung nach Wien für weitere Gespräche mit dem Hinweis „gerne, denn ihr werdet se-
hen, daß unsere Expertise in vielen Fragen, die vor allem jetzt aktuell sind, sehr nützlich sein
kann“. Siehe Information zum Besuch des HGS bei Deputy Secretary of State Eagleburger
in Washington, 14.12.1989, Wien, 18. Dezember 1989, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1989, GZ.
502.16.49/2-II.9/89.
5 Am 2. Februar 1990 traf Generalsekretär Klestil erneut mit Eagleburger im Rahmen der öster-
reichisch-amerikanischen KSZE-Konsultationen in Washington zusammen und wiederholte
seine Einladung zu einem Wien-Besuch. Eagleburger kündigte an, in Verbindung mit seinen
Reisen nach Polen, Ungarn und Jugoslawien für einen Tag nach Wien zu kommen. Er wieder-
holte noch einmal die Bedeutung der österreichischen Kenntnisse über Osteuropa und ver-
wies auf einen möglichen bilateralen Meinungsaustausch auf Expertenebene bezüglich der
Entwicklungen in Osteuropa. Vgl. Information, Österreichisch-amerikanische KSZE-Kon-
sultationen, Washington, 2.2.1990, Wien, 7. Februar 1990, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1990,
GZ. 807.30/39-II.7/90.
6 Die zwölfköpfige amerikanische Delegation setzte sich zusammen aus: Deputy Secretary
of State Lawrence Eagleburger; Charge Michael J. Habib; Deputy Secretary of Treasury
John Robson; Assistant Secretary of State for Legislative Affairs Janet Mullins; Assistant
Secretary of Commerce for International Economic Policy Dr. Thomas Duesterberg; Senior
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Buch Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit"
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Titel
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Untertitel
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Herausgeber
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 792
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99