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13.3.1990: Bericht Gesandter Sajdik Dok. 135
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Dok. 135: Bericht. Sowjetische Haltung vor Beginn der „2+4“-Verhandlungen,
13.3.1990
Gesandter Martin Sajdik an BMAA, Moskau, 13. März 1990, Zl. 149-RES/90, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1990, GZ. 22.17.01/
71-II.3/901
Deutsche Frage, sowjet. Haltung vor den 2+4-Gesprächen in Bonn2 (Info)
1) Unterscheidung von innerdeutschen und internat. Aspekten der Vereinigung
der beiden dt. Staaten
Die SU ist bemüht, die Lösung der innerdt. Aspekte „den Deutschen selbst zu
überlassen“, um sich auf die äußeren Momente der Wiedervereinigung zu konzen-
trieren. Wo genau die Wasserscheide zwischen diesen beiden Bereichen verläuft,
vermag in Moskau aber niemand zu definieren. Zu ersterem gehört das pauschale
akzeptieren des Selbstbestimmungsrechtes der Deutschen und man subsummiert
hierunter im wesentlichen alle wirtschaftl. Aspekte der Vereinigung, wobei man
sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass man sowjetischerseits immer dann
von einer innerdt. Frage spricht, wenn es gilt, die zerrüttete Wirtschaft der DDR
durch BRD-Hilfe wieder auf die Beine zu bringen. Grundsätzlich herrscht aber
die Tendenz vor, beinahe jedem Fragenkomplex der Vereinigung einen äußeren
1 Der Bericht wurde in Verfolg der Fernschreiben Nr. 25092 vom 2. März (siehe Dok. 134) und
Fernschreiben Nr. 25099 vom 7. März als Funkdepesche Nr. 25107 erstattet und war für das
Kabinett des Bundesministers, das Generalsekretariat und die Sektion II bestimmt. Dort
wurde er am 15. März 1990 in der Abteilung durch Gesandten Ernst Sucharipa in Bearbei-
tung genommen und am 16. März als Zirkulardepesche Nr. 85182 an die österreichischen
Botschaften in Bonn und Berlin sowie im „Pol-Versand“ an die österreichischen Botschaften
in Washington, London, Paris und Warschau weitergeleitet. Sucharipa war von dem Bericht
derart angetan, dass er handschriftlich auf dem Akt vermerkte: „bitte auch positive Reaktion
an Sajdik f[ür] interessante Berichterstatt[ung]!!“ und am 16. März nach Moskau schrieb: Der
„Bericht zur sowjetischen Haltung in der deutschen Frage wurde mit großem Interesse zur
Kenntnis genommen und an die Botschaften in Bonn, Berlin, Washington, London, Paris
und Warschau verteilt. Die Einblicke in die Gedankenströme und die Willensbildung der
sowjetischen Außenpolitik sind für die ha. Auswertung besonders wertvoll. Für die Bericht-
erstattung im Gegenstand wird daher gedankt.“ Sämtliche Unterstreichungen im Dokument
erfolgten durch Sucharipa. Der Bericht wurde in der Abteilung II.3 zudem durch Legations-
sekretär Hans Peter Manz am 15. März und durch Legationsrat Josef Litschauer am 19. März
als gesehen abgezeichnet. Außerdem nahm der Leiter der Abteilung II.1 Gesandter Johann
Plattner am 19. März Einsicht.
2 Das erste 2+4-Beamtentreffen wurde am 14. März 1990, wenige Tage vor den DDR-Volks-
kammerwahlen, in Bonn abgehalten. Vgl. Erste Gesprächsrunde Zwei plus Vier auf Beamten-
ebene, Bonn, 14. März 1990 (=
Dokument 220), in: Deutsche Einheit, S. 950–952; 2+4-Prozeß:
[MfAA] Bericht über das 1. Treffen „4+2“ am 14. März 1990 in Bonn [Auszug] (= Dokument
69), in: Die Außenpolitik der DDR, S. 522–526; Drahtbericht des Botschafters von Ploetz,
Brüssel (NATO), 15. März 1990 (= Dokument 73), in: Die Einheit, S. 366–374.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Titel
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Untertitel
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Herausgeber
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 792
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99