Seite - 579 - in Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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2.4.1990: Information Gesandter Plattner Dok. 141
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schen Westgrenze abgeben sollen. Die Grenzgarantie soll dann durch einen Ver-
trag zwischen dem vereinigten Deutschland und Polen bekräftigt werden.11 Polen
hat den Text dieser Erklärung als unbefriedigend bezeichnet, da er die polnische
Westgrenze geographisch nicht definiert. Polen wünscht die Ausarbeitung und
Paraphierung eines Grenzgarantievertrages mit den beiden deutschen Staaten
und dessen Ratifizierung durch Gesamtdeutschland.
Polen wird betreffend Grenzfragen auch den „2+4“-Verhandlungen beigezo-
gen werden.12
4) Die Berlin-Frage
Die Aufhebung des 4-Mächteabkommens13 könnte durch eine gemeinsame poli-
tische Erklärung der 4 Mächte erfolgen.
5) Haltung der westeuropäischen Staaten
Durch Modifizierung der ursprünglichen Haltung (Flexibilität in der Grenzfrage,
Beiziehung Polens zu „2+4“ bei diesem Problem) und intensive Informationstä-
tigkeit der BRD-Regierung (über 20 Kontakte BK Kohls auf höchster Ebene seit
Jahresbeginn) konnte die zeitweilige Irritation, insbesondere Frankreichs und
Großbritanniens, überwunden werden.14
11 Der Grenzvertrag erfolgte nach Vollzug der deutschen Einheit. Siehe dazu bereits Dok. 127,
Anm. 14. Die gemeinsame Erklärung vom 21. Juni 1990 ist abgedruckt in Texte zur Deutsch-
landpolitik, III / Bd. 8a – 1990, S. 411–412.
12 Die 2+4 Gespräche in Paris am 17. Juli 1990, bei denen Grenzfragen behandelt wurden, fanden
jedoch mit Vertretern aus Polen statt. Siehe Dok. 166.
13 Siehe Dok. 1, Anm. 15.
14 Handschriftliche Randnotiz am Dokument: „inzwischen auch deutsch-französische Initia-
tive: Politische Union + EWW-Union parallel.“ Am 18. April 1990 übermittelten Mitterrand
und Kohl an den irischen Premierminister und amtierenden Präsidenten des Europäischen
Rates, Charles Haughey, eine gemeinsame Botschaft. In dieser plädierten sie anlässlich der
Einberufung einer außerordentlichen Sitzung des Europäischen Rates am 28. April 1990
über die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) dafür, „die Gesamtheit der Beziehungen
zwischen den Mitgliedstaaten in eine Europäische Union umzuwandeln und diese mit den
notwendigen Aktionsmitteln auszustatten“, siehe: Europa Archiv, 1990, D 283. Zur öster-
reichischen Wertung des EG-Gipfels in Dublin siehe: Information für Herrn Bundesminister,
gezeichnet Gesandter Johann Plattner, Wien, 2. Mai 1990, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1990,
GZ. 706.01/85-II.1/90. Dort wurde mit Blick auf die deutsche Einigung festgehalten: „Begrü-
ßung als positiver Faktor für EG und Europa. Befriedigung, daß Einigung unter Bedingungen
wirtschaftlichen Gleichgewichtes und monetärer Stabilität stattfinden soll. BRD wird EG über
Verwirklichung der Einheit laufend informieren. EG-Kommission wird Vorschläge für Über-
gangsarrangements vorlegen. Finanzieller Beitrag der Gemeinschaft zur Deutschen Einigung
nicht vorgesehen.“ Der Vorschlag Kohls und Mitterrands zur „Politischen Union“ soll „im
Detail geprüft werden. […] Skepsis insbesondere seitens Großbritanniens, aber auch anderer
Staaten gegen rasche Verwirklichung der Union.“ Zur KSZE wurde für Österreich unerfreu-
licherweise festgehalten: „Entscheidung über Einberufung eines KSZE-Gipfels vor Ende 1990
soll möglichst bald fallen. Als Ort wird seitens der EG Paris vorgeschlagen.“
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Buch Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit"
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Titel
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Untertitel
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Herausgeber
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 792
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99