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Klagenfurt am Wörthersee#

Wappen - Klagenfurt
© Verlag Ed. Hölzel, Wien.

Bundesland: Kärnten Klagenfurt, Kärnten
Bezirk: Klagenfurt
Einwohner: 99.790 (Stand 2017)
Bevölkerungsentwicklung: Statistik Austria
Höhe: 446 m
Fläche: 120,07 km²
Website: www.klagenfurt.at
Stadtplan:   Klagenfurt


Klagenfurt
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Klagenfurt am Wörthersee ist die Landeshauptstadt Kärntens und liegt im Klagenfurter Becken, das im Nordosten von der Glan durchflossen wird.

Klagenfurt - 2008 umbenannt in "Klagenfurt am Wörthersee" - ist eine Statutarstadt und gliedert sich in 15 Gemeindebezirke. Die Stadt ist nicht nur Sitz der Kärnter Landesregierung, Verwaltungszentrum, Universitätsstadt und Einkaufssstadt, sondern durch die Lage am Wörthersee auch touristisch bedeutsam; darüber hinaus ist mit dem "Lakeside Park" ein Wissenschafts- und Technologiepark in Klagenfurt beheimatet.

In den letzten Jahren hat sich Klagenfurt als Austragungsort international bedeutender Veranstaltungen einen Namen gemacht - vom Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb, dem Musikforum über die "Starnacht am Wörthersee" bis zum "Kärnten Ironman Austria" oder dem Wörthersee-Halbmarathon "Kärnten läuft!".

Geschichte#

Keltische und römische Funde am Spitalberg in Untergoritschitzen und in der St. Veiter Vorstadt bezeugen eine frühgeschichtliche Besiedlung. Die von Herzog Hermann von Kärnten (1161-81) angelegte erste Siedlung lag im Norden beim Spitalberg an der Glan; als Markt um 1193 erwähnt.

Herzog Bernhard gründete um 1250 weiter südlich die heutige Stadt (Stadtrecht 1320 erwähnt) am Schnittpunkt der Straßenverbindungen Völkermarkt- Villach und Friesach- St. Veit- Loiblpass (um den heutigen Alten Platz). Vor dem Westtor befand sich außerhalb der Stadtmauern die Burg.

1518 schenkte Kaiser Maximilian I. die 1514 zum größten Teil abgebrannte Stadt den Landständen (bis 1849 deren Besitz). Klagenfurt wurde Landeshauptstadt (vorher St. Veit an der Glan). 1534-94 Ausbau der Stadt zu einer neuzeitlichen Festung nach Plänen von D. de Lalio (1809/10 wurden die Befestigungsanlagen von den Franzosen geschleift, Reste des Villacher Tors, des Stadtgrabens und andere sind noch erhalten).

1527 wurde mit dem Bau des Lendkanals als schiffbare Verbindung zum Wörther See begonnen. Zentrum der neuen Stadtanlage wurde der rechteckige Neue Platz (südlich vom Alten Platz) mit dem Denkmal des Lindwurms als steinernem Symbol des Stadtwappens (Wahrzeichen der Stadt); die Straßen wurden geradlinig angelegt. 1529 erhielt Klagenfurt das Münzrecht.

Zur Zeit der Reformation war Klagenfurt ein starkes Bollwerk der protestantischen Stände, die hier eine eigene evangelische Kirche (heutige Domkirche), eine adelige Landschaftsschule (später Sitz des ständischen Burggrafen, "Burg") und als prächtigen Repräsentationsbau das Landhaus (1574-94) errichteten (Sitzungssaal des Kärntner Landtags, Großer und Kleiner Wappensaal).

Die Gegenreformation ab 1600 führte zur Ausweisung der protestantischen Bürger und Adeligen und trug mit dem Erliegen des Edelmetallbergbaus zum wirtschaftlichen Niedergang des Landes im 17. Jahrhundert bei.

Nach dem Aufschwung von Triest wurde Klagenfurt ein wichtiger Hauptumschlagplatz der Monarchie. 1787 verlegte der Gurker Bischof seinen Sitz von Straßburg bzw. Schloss Pöckstein hierher, 1848/49 wurde Klagenfurt politisches Zentrum des Kronlands Kärnten; 1850 erhielt Klagenfurt ein eigenes Statut.

Die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt von der Entwicklung zur modernen Stadt: 1869 wurde die Eisenbahnlinie nach St. Veit eröffnet, später auch die Karawankenbahn nach Süden; die Stadtgräben wurden teilweise zugeschüttet, die Stadt dehnte sich zuerst vorwiegend nach Osten, dann auch nach Westen Richtung Wörther See aus, eine städtische Wasserleitung und eine moderne Infrastruktur wurden geschaffen (Landeskrankenhaus, 1895; Landesmuseum, Stadttheater, elektrische Straßenbahn).

Nach dem 1. Weltkrieg, der bereits die Entwicklung der Stadt gehemmt hatte, da sie im engeren Kriegsgebiet lag, erfolgte am 6. 6. 1919 die Besetzung Klagenfurts durch jugoslawische Truppen, die am 31. 7. wieder abzogen. Die interalliierte Abstimmungskommission für Kärnten hatte ab 21. 7. 1920 in Klagenfurt ihren Sitz; aufgrund des Abstimmungsergebnisses in der Zone A vom 10. 10. 1920 blieb die Zone B mit Klagenfurt ohne Volksabstimmung bei Österreich (Kärntner Volksabstimmung).

In der 1. Republik wurde durch die Gründung der Wörther-See-Sportfeste der Tourismus gefördert. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde Klagenfurt durch Eingemeindung zahlreicher Nachbargemeinden zu "Groß-Klagenfurt"; die Stadtentwicklung war gekennzeichnet von neuen Volkswohnungen und nationalsozialistischen Prestigebauten (SS-Kaserne Lendorf); am 16. 1. 1944 begannen die alliierten Luftangriffe auf Klagenfurt, durch die 500 Menschen getötet und 60 % der Wohnungen zerstört oder beschädigt wurden. Ab 8. 5. 1945 wurde Klagenfurt durch britische Truppen besetzt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden durch die Errichtung der Satellitenstadt Ost neue Wohnungen geschaffen; 1947-49 entstand in Klagenfurt das erste Fernheizkraftwerk Österreichs. Das Bildungswesen wurde ab den 1950er Jahren stark ausgebaut (1957 Bundesgymnasium für Slowenen, 1970 Grundsteinlegung zur heutigen Universität Klagenfurt).

Zusätzliche Attraktivität als Freizeit- und Fremdenverkehrsstadt gewann Klagenfurt durch die erste Fußgängerzone in Österreich (1961), die Sanierung des Wörther Sees (Trinkwasserqualität) und die Errichtung von Europapark und Minimundus. Durch die Stadterweiterung 1973 erhielt Klagenfurt seine heutige Ausdehnung.

Seit den 1970er Jahren kommt der Altstadtsanierung ein wichtiger Stellenwert zu (Europa-Nostra-Diplom 1981, 1984, 1995); seit 1977 wird in Klagenfurt (Geburtsstadt von I. Bachmann) der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. Seit 1996 besitzt Klagenfurt eine Autobahnumfahrung.

Stadtplan Klagenfurt
Klagenfurt: 1 Dom und Pfarrkirche St. Peter und Paul - 2 Stadthauptpfarrkirche St. Egyd - 3 Heiligengeistkirche - 4 Landhaus - 5 Altes Rathaus - 6 Haus "Zur goldenen Gans" - 7 Lindwurm-Brunnen - 8 Landesmuseum - 9 Landesgalerie - 10 Diözesanmuseum - 11 Robert-Musil-Literatur-Museum mit Ingeborg-Bachmann-Raum

Durch die im Zuge der Gemeindereform 1973 erfolgte Eingemeindung von vier großflächigen Nachbargemeinden (Viktring, Hörtendorf, Wölfnitz und St. Peter am Bichl mit dem Ulrichsberg) sowie einiger Gebiete von Nachbargemeinden wurde das Gemeindegebiet nach 1938 nochmals erheblich – auf gut das Doppelte – erweitert.

Sehenwürdigkeiten#

Kirchliche Bauten

  • Dom- und Stadtpfarrkirche Hll. Petrus und Paulus (Klagenfurter Dom)
    • Wandpfeilerkirche mit Stuckaturen, barocke und moderne Wandgemälde (1928 von S. Lobisser), Hochaltar (1752) mit 2 Gemälden von D. Gran, Seitenaltarbild von P. Troger, barocke Kanzel (1726) und Gestühl, Rokokogitter
    • Bürgerspital: ab 1604 Jesuitenkolleg, 1775-1945 Kaserne, 1964 abgetragen
    • Neubau des Bürgerspitals: 1613-16 weiter östlich
      Der erste Bau der Kirche wurde 1578 in Auftrag gegeben und 1582-91 von den protestantischen Ständen als bedeutendster sakraler Bau der Reformationszeit in Österreich ausgeführt; 1600 wurde das evangelische Bethaus im Zuge der Gegenreformation geschlossen, vier Jahre später den Jesuiten übergeben, die sie bis zur Ordensauflösung 1773 betreuten; 1723 wurde die Kirche nach einem Brand wiederhergestellt und 1787 zur Kathedrale des Bistums Gurk erhoben
  • Stadthauptpfarrkirche: 1692-97, mit 91,7 m hohem Turm (fertig gestellt 1709), Deckengemälden von J. A. Mölk (1761) und J. F. Fromiller sowie modernen Glasgemälden
  • Bürgerspitalskirche (1663) mit Hochaltarbild von J. F. Fromiller (1738)
  • Elisabethinenkirche (1730) mit Kreuzgruppe aus Blei in der Gruft (vermutlich von B. F. Moll)
  • Kreuzberglkirche (geweiht 1742) mit Grabkapelle in der Mitte und Wandgemälden von J. F. Fromiller
    • unterhalb der Kirche Kalvarienberg-Anlage
  • Priesterhauskapelle, 1768 von J. G. Hagenauer erbaut (nicht mehr erhalten)
  • Gotisch-barocke Heiligengeistkirche (14. Jahrhundert, 1630) mit Rokokokanzel (1776)
  • Marienkirche der Jesuiten (1613-24) mit Altarbild von J. F. Fromiller

Weltliche Bauten

Lindwurm
Klagenfurt, Lindwurm
© Franz Hubmann, Wien, für AEIOU

  • Landhaus: entstand 1574-94 als ständischer Repräsentationsbau mit 2 Türmen und Laubengang (die alte Burg, 1252 erwähnt, war 1535 abgebrannt), Fassade 1739 barockisiert
    • Großer und Kleiner Wappensaal: Wandgemälde von J. F. Fromiller (1739-60)
    • Landtags-Sitzungssaal: Fresko von Switbert Lobisser (1928, Kärntner Abwehrkampf)
  • Palais Rosenberg: 1581/82, ab 1650 Neubau durch die Rosenberg, seit 1918 Rathaus
  • Palais Porcia (16. Jahrhundert)
  • Altes Rathaus (um 1600) mit Renaissanceportal
  • spätbarockes Palais Goess (vor 1738)
  • Gurker Domkapitelhaus (16. Jahrhundert) mit spätgotischem Schnitzaltar und romanischem Tragaltar (12. Jahrhundert) in der Kapelle
  • Palais Christalnigg (1787) mit Biedermeier-Fassade (1839)
  • Klassizistische Bischöfliche Residenz, 1769-76 von Nikolaus Pacassi für Erzherzogin Maria Anna (Tochter von Maria Theresia) erbaut
  • Stadttheater 1908-10 von F. Fellner dem Jüngeren und H. Helmer im Jugendstil (1996-98 renoviert und von Günther Domenig erweitert)
  • Künstlerhaus 1914 von Franz Baumgartner im Secessionsstil erbaut
  • Bahnhofshalle: Fresken von Giselbert Hoke (1956)

Denkmäler#

Lindwurm-Brunnen (Auftrag für Lindwurm 1582 an U. Vogelsang, nach 1590 vollendet, Herkules 1636 von M. Hönel); Steinerner Fischer (1606); Dreifaltigkeitssäule (1680); Florianisäule (1781); Obelisk (1807); Maria-Theresia-Denkmal (1765 von B. Moll, nicht erhalten, heutiges Denkmal 1870 fertig gestellt); Sponheimer Brunnen (1948)

Weiterführendes#

Literatur#

  • K. Torggler, Stadtrecht und Stadtgericht in Klagenfurt, 1937
  • A. Steiner, Klagenfurt, 1949
  • Klagenfurt, die Gartenstadt am Wörther See, 1954
  • H. Strutz, Klagenfurt, 1959
  • H. und O. Rudan, Das Stadttheater in Klagenfurt, 1960
  • Magistrat der Landeshauptstadt Klagenfurt (Hg.), 450 Jahre Landeshauptstadt Klagenfurt, 1967
  • G. Moro (Hg.), Die Landeshauptstadt Klagenfurt. Aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart, 2 Bände, 1970
  • S. Hartwagner, Klagenfurt-Stadt, ihre Kunstwerke, historische Lebens- und Siedlungsformen, 1980
  • Magistrat der Stadt Klagenfurt (Hg.), Perspektiven 2000: Stadtentwicklungsplan Klagenfurt, 1989
  • L. Krainer, Klagenfurt, 1990
  • W. Deuer, Das Landhaus zu Klagenfurt, 1994
  • W. Deuer, 800 Jahre Klagenfurt, 1996