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vom 25.06.2017, aktuelle Version,

Life Science Austria

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Life Science Austria (LISA) ist ein Schwerpunktprogramm im Bereich Life Sciences (Lebens- oder Biowissenschaften), welches die Austria Wirtschaftsservice im Auftrag des Österreichischen Wirtschaftsministeriums seit 2002 umsetzt. Life Science Austria sieht sich als Schnitt- und Anlaufstelle für Fragen der branchenspezifischen Unternehmens- und Projektförderung und ist ein Werkzeug der österreichischen Technologiepolitik und Standortförderung.

Geschichte

Nach dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 gehörte eine grundlegende Neupositionierung der österreichischen Wirtschaftspolitik zu den Kernanliegen der Regierungen, vor allem der Regierung Schüssel ab 2000. Bis in die 1990er Jahre war Österreich von der Privatisierung der großen Staatsbetriebe in Schwerindustrie und Infrastruktur geprägt.[1] Nachdem viele Großbetriebe Österreichs in der Produktion unter dem Druck der Globalisierung litten und wieder Forschung und Entwicklung forcierten, sollte auch der schon traditionell starke Sektor der Klein- und Mittelbetriebe, wie auch die Ansiedlung internationaler Firmen, weiter gefördert werden. Dabei wurde herausgearbeitet, dass ein kleines Land wie Österreich am internationalen Markt langfristig nicht in der klassischen Produktionswirtschaft bestehen kann und eine Analyse des Potentials ergab, dass neben dem Tourismus technologische Innovation eine österreichische Kernkompetenz darstellt.[2] Weiter wurde festgestellt, dass die „Marke Österreich“ international mit Begriffen wie Natürlichkeit und Lebensqualität assoziiert wird, was das auch zu den Wunschvorstellungen der Bevölkerung gehörte.[1]

Neben high-tech-Innovation in ingenieurwissenschaftlichen Schlüsseltechnologien etwa in der Autoindustrie und am Kommunikationssektor wurden daher die Biowissenschaften, wie Medizin, Agrartechnologie und Ernährungswissenschaften und deren Ausbau in moderne Zweige wie Biochemie und Molekularbiologie als geeignete Schlüsseltechnologien des beginnenden 21. Jahrhunderts identifiziert. Das LISA-Programm soll die Hochtechnologie in diesem Sektor fördern. Dazu gehören als begleitenden Maßnahmen auch die Schaffung des umfassenden „Lebenministeriums“ für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und des „Infrastrukturministeriums“ für Verkehr, Innovation und Technologie in der Bundesregierung Schüssel I mit 2000 – diese beiden Ministerien gibt es ebenfalls bis heute.[3] Zentrale Methodik ist, einerseits die schon etablierten Zentren wie klassischen Universitätsstandorte weiter zu fördern, und andererseits durch Neuansiedlungen in strukturschwachen Gebieten neue wirtschaftliche Impulse zu setzen. Da Standortpolitik in Österreich Sache der Länder ist, übernimmt das LISA-Programm des Bundes primär die landesübergreifende Vernetzung und die internationalen Angelegenheiten.[1]

Mit den Regierungen (Gusenbauer, Faymann) wurde diese Wirtschaftstrategie beibehalten.[2] und für die Präsentation des Standortes Österreichs 2008 das Internationale Standortmarketing Life Science Austria (LISA) im Auftrag des seinerzeitigen Bundesministeriums für Wirtschaft und Familie und Jugend (BMWFJ) gegründet, das internationale Kooperationen intensivieren und die Wahrnehmung des Standortes Österreichs international steigern soll.[3]

Von der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft wurden zwischen 2000 und 2009 mehr als 370 Mio Euro bereitgestellt und als Kredite, Garantien und Förderungen im Life Science Bereich vergeben.[4]

2014 gibt es in Österreich über 200 Firmen, die im Kernbereich der Innovation im biowissenschaftlichen Sektor tätig sind, davon 90 % Kleinbetriebe, mit über 10.000 Beschäftigten. Weitere 600 Firmen sind einschlägige Zulieferbetriebe oder Dienstleister,[5] zusammen 25.000 Arbeitsplätze. Insgesamt hat die Branche eine Wertschöpfung von über 17 Mrd. €, das sind über 5 % der österreichischen Wirtschaftsleistung, davon 10 Mrd. € im Sektor Biotechnologie und Pharmazeutik, und 7 Mrd. € im Sektor Medizin.[6]

Ziele und Aufgaben

Ziele der Initiative sind die Erhöhung der Anzahl an Life Science-Unternehmen in Österreich durch Neugründungen und Ansiedelung, deren Finanzierung und die Betreuung der Gründer und Unternehmen durch diverse Beratungsleistungen und Ausbildungsmaßnahmen. Dazun soll LISA auch als Marketingplattform dienen, um den Life Science-Standort Österreich abzusichern und auszubauen. Kooperationspartner sind dabei insbesondere die einschlägigen Technologie- und Gründerzentren der Länder. Gemeinsam mit den Regionen und in Zusammenarbeit mit der Austrian Business Agency und der Wirtschaftskammer Österreich sieht sich LISA als Ansprechpartner in Fragen der Kooperation, Ansiedlung und Förderung von Projekten und Unternehmen.

Zur Erreichung dieser Ziele[7] veranstaltet LISA den Business-Plan Wettbewerb Best of Biotech – BOB, finanziert vielversprechende, vorwettbewerbliche Forschungsprojekte LISA-PreSeed und berät Unternehmen und Unternehmensgründungen in den Bereichen Geschäftsmodelle, Strukturierung, Businessplanerstellung, Finanzierung, Förderung und Patente. Das Angebot beinhaltet auch Aus- und Weiterbildung von Gründern und Unternehmen sowie Studierenden der Life Science-Studienrichtungen. Die Finanzierung von Gründungen mit LISA Seedfinancing und die Projektfinanzierung (Double Equity, erp Kredite, Garantieinstrumente) in der späteren Unternehmensentwicklung sind für Life Science-Unternehmen die wichtigsten Förderinstrumente in der Start- und Wachstumsphase.

Seit ihrer Gründung hat LISA über 100 Unternehmen, Start-ups und Universitäts-Spin-offs durch Messeauftritte auf 27 internationalen Biotech- und Medizintechnikmessen präsentiert. Die Messeauftritte werden vor allem für die Kontaktpflege und -anbahnung, sowie für die Imagepflege genutzt.[8]

Wichtige Standorte der Lebenswissenschaften in Österreich

In und an den Standorten ist nur eine Auswahl mit Fokus auf Forschungseinrichtungen gegeben (Stand: 2014) (K1, K2 … COMET Kompetenzzentren)

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 BMWFJ : Das österreichische Außenwirtschaftsleitbild. Globalisierung gestalten, Wien, November 2009 (pdf, bmwfw.gv.at).
  2. 1 2 Karl Aiginger: Herausforderungen für Österreichs Aussenwirtschaft im nächsten Jahrzehnt. In: BMWFJ: Außenwirtschaftsleitbild., 2009, insb. 3.1 Vom Technologienehmer zum Technologiegeber, S. 17 (pdf S. 31).
  3. 1 2 Sylvia Kritzinger, Barbara Prainsack, Helga Pülzl: System oder Netzwerk? Veränderungen forschungspolitischer Strategien in Österreich. In: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (ÖZP) 2006/1 Forschungspolitik und Innovation/Research Politics and Innovation, Wien, 2006, Kapitel 4.
  4. , Presseaussendung vom 18. November 2009
  5. College Hill Life Sciences (Bearb.): Advancing Austrian life science at the heart of Europe. Verlag Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft gmbH, Life Sciences in Austria, S. 5 (eReader, issuu.com; englisch).
  6. Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft: Life Science Report Austria 2013, Kapitel 1: Life Science Industry in austria, S. 9 (eReader, issuu.com; englisch)
  7. Life Science Austria, Austria Wirtschaftsservice, awsg.at → Hochtechnologie → Förderungen
  8. LISA-Gemeinschaftsstand auf der MEDTEC Europe 2014, gesundheits-cluster.at, 3. Juli 2014.