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17. Dezember - Der doppelte Advent#

© Dr. Helga Maria Wolf


O-Antiphonen
Die O-Antiphonen als Kirchenjahrebilder des Volksliturgischen Apostolats.
Der Advent besteht nicht nur aus vier Wochen, sondern auch aus zwei Abschnitten. Die Grundordnung des Kirchenjahres spricht vom doppelten Charakter dieser Zeit: "Sie ist einerseits Vorbereitungszeit auf die weihnachtlichen Hochfeste mit ihrem Gedächtnis des ersten Kommens des Gottessohnes zu den Menschen. Anderseits lenkt die Adventszeit zugleich durch dieses Gedenken die Herzen hin zur Erwartung der zweiten Ankunft Christi am Ende der Zeiten." Vom ersten Adventssonntag bis zum 16. Dezember bringt die Liturgie eher den "endzeitlichen Charakter" des Advents zum Ausdruck. Danach betont sie mit eigenen Texten die "Hinordnung auf Weihnachten ". Ab dem 17. Dezember gibt es daher keine Roratemessen mehr.


An den Wochentagen des zweiten Abschnitts werden die "O-Antiphonen" aus dem Stundengebet als Hallelujaverse eingesetzt. Sie verbinden die preisende Anrede des erwarteten Messias mit der flehentlichen Bitte um sein Kommen. Im Lateinischen beginnen sie mit einem vokativen O: O Sapientia (Du Weisheit des Höchsten), O Adonai (Du Führer des Hauses Israel), O radix Jesse (Du Wurzel Jesse), O clavis David (Du Schlüssel Davids), O Oriens (Du Morgenstern), O Rex gentium (Du König der Völker), O Emmanuel (Du König und Gesetzgeber). Diese sieben poetischen Anreden reichen zumindest bis in das 7. Jahrhundert zurück.


Der typische Brauch dieser Zeit ist die "Herbergssuche". Das "Frautragen" findet an den neun Abenden vor Weihnachten, in Erinnerung an die neun Schwangerschaftsmonate statt. Er beruht auf der nichtbiblischen Szene, bei der ein hartherziger Wirt Josef und Maria den Einlass verweigert. Der Brauch besteht darin, ein Marienbild oder eine -statue jeden Abend zu einer anderen Familie zu bringen, wo man sich zum (Rosenkranz-)Gebet versammelt. In der Christnacht kehrt das Bild in die Kirche zurück. In manchen Gegenden bleibt es bis zum Ende der Weihnachtszeit in der Familie, die es zuletzt bekommen hat.


Das Thema der "Herbergssuche" findet sich erst nach dem Konzil von Trient unter den "verehrungwürdigen Lebensstationen" Jesu. Es erschien 1566 im Catechismus Romanus, dessen Verbreitung den Jesuiten oblag. In den Exerzitien ihres Ordensgründers Ignatius spielte die "Zurichtung des Schauplatzes" eine große Rolle. Vergangenes sollte durch Einbeziehung in die eigene Lebenswelt vergegenwärtigt werden und die Betrachtung zu einer Entscheidung oder Verhaltensänderung führen. Bei der "Herbergssuche" lag das Interesse auf der Barmherzigkeit, die Maria und Josef verwehrt blieb. Die Orden, auch die Franziskaner, ließen Tafeln malen, die "die heiligen Leut in der Umfuhr" zeigten. Diese wurden mit feststehenden Sprüchen feierlich begrüßt. Die Familien gestalteten eine Art Hausaltar und hielten eine Andacht, der ein geselliges Beisammensein folgte. Am nächsten Abend beim "Aveläuten" erschien der Zug der Kinder, jungen Frauen und Fackelträger wieder, um die Tafel in das nächste Haus zu bringen. Dass bei den Besuchen manchmal gut gegessen, viel getrunken und getanzt wurde, widersprach den kirchlichen Vorschriften und führte zeitweise zu Verboten. Es entwickelte sich ein beachtlicher Kult um die "Herbergsuche in Bethlehem", forciert durch neue Gebetbücher, Lieder und Flugblätter. Zwischen 1892 und 1914 erschien der populäre Text "Geistlicher Krippenbau" in zahlreichen Auflagen.


Frauenbildtragerinnen
Frauenbildtragerinnen in Oberndorf, Salzburg, 1997
Der dritte Adventssonntag, Gaudete, verdankt seinen Namen dem lateinischen Gesang beim Einzug zur Messfeier "Freuet euch im Herrn". Zu den biblischen Worten, welche die Tradition als Voraussagen der Ankunft des Gottessohnes versteht, gehört die Prophetie des Sacharja aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert über den Friedensfürsten: "Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft..." (Sach 9,9).


Der Gebrauch von rosa Messgewändern statt in der Bußfarbe Violett folgt dem Vorbild des 4. Fastensonntags Laetare, der, nachdem die Hälfte der Fastenzeit vergangen ist, ebenfalls freudigen Charakter trägt. Während die liturgische Unterkleidung (Albe) stets weiß ist, wurde die festliche Oberkleidung verschieden eingefärbt. Dies geschah durch Kochen des Stoffes im verdünnten Sekret der Purpurschnecke und der anschließenden Einwirkung des Sonnenlichtes. Je nach Menge des Purpursaftes und Dauer der Lichteinwirkung entstanden verschiedene Farbtöne, vom zarten Rosa bis zum dunklen Rot und Violett. Daraus ergaben sich die noch heute üblichen liturgischen Farben. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts legte Papst Innozenz III. die jeweiligen Tagesfarben fest. Seit dem Messbuch des Trientiner Konzils sind sie fast unverändert vorgeschrieben: Weiß (für die Weihnachtszeit, Osterzeit, Herrenfeste, Marientage und Gedenktage der Nicht-Märtyrer), Rot (für Palmsonntag, Karfreitag, Kreuzesfeste, Pfingsten, Gedenktage der Apostel und Märtyrer), Violett für Advent und Fastenzeit, Rosa für Gaudete und Laetare, Schwarz oder Violett für Totengottesdienste, Grün für die Zeit im Jahreskreis.