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10.11.1989: Information und Sprachregelung Gesandter Plattner Dok. 69
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Dok. 69: Information und Sprachregelung. Wiedervereinigung, 10.11.1989
Information, Gesandter Johann Plattner, Wien, 10. November 1989, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1989, GZ. 22.17.01/8-
II.1/891
Debatte über die deutsche Wiedervereinigung; Information und Sprachregelung
Im Hinblick auf die im Zusammenhang mit der derzeitigen Ost-West-Ent-
wicklung begonnen Debatte über eine mögliche Neugestaltung des deutsch-
tingente, deren Zahl absolut nicht abgeschätzt werden kann, bereitzuhalten und allenfalls
auch durch Sponsoren eine Gratisweitergabe an DDR-Bürger unmittelbar vor dem Spiel-
beginn in Erwägung zu ziehen. Nachdem sich nach Dänemark nunmehr auch Schweden
äußerst kurzfristig entschlossen hat, Kurzbesuche von DDR-Bürgern auf ihrem Territorium
sichtvermerksfrei zuzulassen, muss es Österreich anlässlich dieses Sportereignisses daran
gelegen sein, bei der praktisch galoppierend vor sich gehenden Entwicklung in der DDR nicht
ins Hintertreffen zu geraten.“ Gesandter Lorenz Graf an BMAA, Berlin (Ost), 14. November
1989, BMEIA, ÖB Berlin (Ost), RES-1989 (1–10), Karton 24. Tatsächlich kam eine bisher unge-
kannte Zahl von Anhängern der DDR-Equipe nach Wien und musste mitansehen, wie Öster-
reich auf dieser Spielwiese des österreichisch-ostdeutschen Verhältnisses bereits so kurz nach
dem Mauerfall das Ende der DDR besiegelte. Die österreichische Fußball-Nationalmann-
schaft besiegte die Auswahl der DDR und qualifizierte sich dadurch für die Endrunde in Ita-
lien 1990. Hauptverantwortlich für den 3:0-Sieg zeichnete Anton „Toni“ Polster, der das Spiel
mit einem Triplepack zum letzten Bewerbsspiel der DDR machte. Ausführlich und breit kon-
textualisiert zu diesem Spiel Georg Spitaler, Das Endspiel. Österreich-DDR 3:0. 15. November
1989, Wien – Praterstadion, in: Matthias Marschik (Hg.), Sternstunden der österreichischen
Nationalmannschaft. Erzählungen zur nationalen Fußballkultur (= Österreichische Kultur-
forschung 8), Wien / Berlin / Münster 2008, S. 161–173; sowie zudem Maximilian Graf, „Ösis“
versus „Ossis“ – Österreich gegen die DDR. Zur Länderspielgeschichte der anderen öster-
reichisch-deutschen Fußballkonkurrenz, in: Johannes Gießauf / Walter Iber / Harald Knoll
(Hg.), Fußball, Macht und Diktatur. Streiflichter auf den Stand der historischen Forschung
(= Veröffentlichungen des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgen-Forschung 22),
Innsbruck / Wien / Bozen 2014, S. 207–227, hier S. 223–227.
1 Der Entstehung dieser Sprachregelung ging ein längerer Prozess voraus. Sie scheint im Kon-
text der intern offenbar nicht unumstrittenen Ausarbeitung von Thomas Nowotny (siehe
Dok. 57 und dort insbesondere auch Anm. 1) entstanden zu sein. Die ursprüngliche Fassung
wurde in der Abteilung II.1 unter Federführung des Gesandten Johann Plattner erstellt und
sollte vor Abfertigung wohl am 19. Oktober 1989 den Sektionsleitern, dem Generalssekretär
und dem Bundesminister vorgelegt werden. Der Leiter der Abteilung II.3 Gesandter Ernst
Sucharipa reagierte darauf am 6. November mit der Bemerkung: „Ich hätte es bevorzugt, wenn
eine solche Sprachregelung gemeinsam (II.1+II.3) erstellt werden könnte.“ In der Zwischenzeit
hatte der österreichische Generalkonsul in Los Angeles um eine entsprechende Sprachrege-
lung gebeten: „Die Diskussion um eine mögliche deutsche Wiedervereinigung, die angesichts
der jüngsten Ereignisse in der DDR (Fluchtbewegung, neue SED-Führung, Gorbachev- Besuch
in Ost-Berlin) in der veröffentlichten Weltmeinung ein Thema geworden ist, welches von füh-
renden Kommentatoren, Wissenschaftlern und Politikern wieder angeschnitten wird, ruft
auch aus österreichischer Sicht zu einer Äußerung auf. Der gefertigte Amtsleiter wird bei
Vorträgen und Diskussionen immer wieder auf diese Frage und die diesbezügliche öster-
reichische Position angesprochen. Auf die Gefahr hin, hiebei auf eine sensible Frage eine
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Buch Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit"
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Titel
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Untertitel
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Herausgeber
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 792
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99