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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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27.2.1990: Bericht Botschafter Bauer 550 Dok. 132 trie bereits in den Startlöchern; die Währungspolitiker hingegen haben schwere Bedenken, auch wenn Bundesbankpräsident Pöhl3 sie angesichts des politischen Grundsatzbeschlusses der Bundesregierung zur raschen Einführung der WWU (soferne die DDR sie akzeptiert) zurückstellt. Denn die deutschlandpolitischen Emotionen und die Übersiedlerwelle verhindern eine schrittweise, überlegtere Entwicklung; und wenn die DDR-Wahlen „schief liefen“, würde nach hiesiger Auffassung auch der Rest der übersiedlungswilligen Bevölkerung in die BRD nachkommen, was diese politisch nicht mehr verkraften könnte. Die WWU würde zwar nicht gleich greifen, die DDR-Bevölkerung  – die auf gepackten Kof- fern sitze  – jedoch durch eine „Perspektive“ in ihrer Heimat halten. Die große Sorge der BRD-Währungshüter ist die Inflationsgefahr durch Aus- weitung der DM-Geldmenge bei Übernahme der DDR-Mark. Deswegen werden zahlreiche Modelle durchdacht  – vom Währungsschnitt, der allerdings politisch der DDR nicht zuzumuten wäre, bis zum „Österreichischen Modell“ (bisher von der FDP favorisiert; d. h. zunächst autonome Anbindung der DDR-Mark an die DM) und zur Währungsunion 1:1 (mit Sonderbedingungen für Rentner und Spa- rer). Die Sozialversicherung müßte aus BRD-Haushaltsmitteln finanziert werden. Erste Voraussetzung einer Währungsunion wäre ein DDR-Kassensturz, um die vorhandenen Verpflichtungen überschaubar zu machen. Dem Koalitionspartner FDP ist aber z. B. nicht einmal der Umfang der DDR-Goldbestände bekannt (was zwar theoretisch nicht ausschließt, daß andere in der BRD ihn kennen  – die Ge- heimhaltung selbst gegenüber Koalitionspartnern könnte jedoch auf einen mögli- cherweise erschreckend geringen Stand der Reserven schließen lassen). Zweite Vor- aussetzung wäre nach allgemeiner Überzeugung, daß auch die DDR Opfer bringt. Denn der Unwillen in der BRD über die Forderungen aus der DDR steigt; selbst SPD- Politiker meinen deshalb, man müsse der DDR-Bevölkerung im Wahlkampf sagen, daß der BRD-Wohlstand hart erarbeitet sei und es absurd wäre zu glauben, daß ein- fach DM 15 Mrd. als Solidaritätsopfer gefordert werden könnten! Wirtschaftsfach- leute und Politiker der BRD sind sich auch weitgehend einig, daß die DDR-Bevölke- rung psychologisch auf die Investitionen und das westliche Management vorbereitet werden müßte, das auf die im Vergleich zur BRD weniger belasteten (und daher zunächst auch weniger belastbaren) DDR-Arbeiter enormen Druck ausüben würde. Bankexperten meinen zudem, daß die DDR schon jetzt eigene Möglichkei- ten zur Währungsreform hätte: Sie habe z. B. 1989 den Swing im innerdeutschen Handel nicht ausgenützt, der noch von F. J.  Strauß vermittelte Milliardenkredit liege als Festgeldguthaben bei einer luxemburgischen Bank, und Ost-Berlin habe ein Guthaben von US-Dollar 10 Mrd.  – wenn die DDR diese Devisen in Tranchen an die Bevölkerung verkaufe, könnte DDR-Mark abgeschöpft und ihre Konvertibilität erleichtert werden. […]4 3 Karl-Otto Pöhl, Präsident der Deutschen Bundesbank (1980–1991), siehe Personenregister mit Funktionsangaben. 4 Ausgelassen wurden wirtschaftliche Details, u. a. zu den Banken(-gesetzen).
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Titel
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Untertitel
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Herausgeber
Michael Gehler
Maximilian Graf
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-ND 4.0
ISBN
978-3-666-35587-5
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
792
Kategorien
Geschichte Nach 1918

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
  2. I. Vorbemerkungen 7
  3. II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
    1. 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
    2. 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
    3. 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
    4. 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
    5. 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
  4. III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
    1. 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
    2. 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
    3. 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
    4. 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
    5. 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
    6. 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
    7. 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
    8. 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
  5. IV. Editorische Vorbemerkungen 99
    1. Verzeichnis der Dokumente 103
    2. Dokumente 111
    3. Abkürzungsverzeichnis 723
    4. Literaturverzeichnis 731
    5. Personenregister 735
    6. Sachregister 773
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