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24.4.1990: Resümeeprotokoll Gesandter Plattner
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Dok. 146
Die KSE37 müsse auch im Sinne der DDR bald ein Resultat zustandebringen.
Schon für den 2+4-Prozeß müsse man wissen, was bei KSE herauskommen wird.
KSE II38 müsse anschließen und auch bei den Vertrauensbildenden Maßnahmen39
brauche man bald ein Resultat. Zur Institutionalisierung der KSZE haben Kohl
(10-Punkte-Programm)40 und Genscher bereits Vorschläge gemacht. Entschei-
dend sei die Sicherheitsstruktur. Hier könnte man dem schon Erreichten (KVAE
und zu erwartende Resultate bei Wiener Konferenzen)41 noch neue Ideen, z. B.
regelmäßige 2-jährliche Treffen der Generalstabschefs, hinzufügen und daraus
ein beachtliches „Paket der Sicherheit“ schnüren. (Der HGS erteilt in der Sitzung
vom 26. April d. J. den Auftrag, ho. hierüber Überlegungen anzustellen.)42 Beson-
ders wichtig für das Zusammenwachsen Europas sei die Wirtschaft (Hinweis auf
positive KSZE-Wirtschaftskonferenz in Bonn).43
Litauen44 bereite in Bonn große Sorge. Es erhebe sich die Frage, ob Bush
schon jetzt reagieren solle.
Deutschland brauche dringend Antworten auf vier Fragen:
– Resultat bei 2+4;
– neue Sicherheitsstruktur;
– Abrüstungsprozeß;
– wirtschaftliche Entwicklung.
Frankreich sei ein schwieriger Partner. (Aber „ohne Frankreich geht nichts!“)
Bonn habe die Franzosen immer wieder ersucht, sich um Polen zu kümmern,
ohne daß eine französische Reaktion erfolgt sei. Als es aber um die Oder / Neisse-
Linie ging, sei Mitterrand aktiv geworden. Man frage sich in Bonn, was Mitter-
rand wolle. Frankreich werde in allem informiert (80 Kohl-Mitterrand-Treffen
seit 1982!).
37 KSE = Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa. Seit 6. März 1989 wurde
in Wien im KSZE-Rahmen zwischen Vertretern des Warschauer Pakts und der NATO über
eine Reduzierung konventioneller Streitkräfte in Europa (KSE) verhandelt. Der KSE-Ver-
trag wurde am 19. November 1990 am Pariser KSZE-Gipfel unterzeichnet. Siehe dazu bereits
Dok. 20, Anm. 10.
38 Geplante Folgeverhandlungen der KSE I in Wien, die KSE II-Verhandlungen fanden nicht
mehr statt. Es kam zu KSE 1a-Folgeverhandlungen die bereits am 29. November 1990 be-
gannen und zur Festlegung von Personalobergrenzen für die Streitkräfte aller KSE-Staaten
führten.
39 Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VVSBM), die im
Rahmen der 35 KSZE-Teilnehmerstaaten seit 9. März 1989 in Wien abgehalten wurden.
40 Rede von Bundeskanzler Helmut Kohl vor dem Deutschen Bundestag am 28. November 1989,
vgl. Deutscher Bundestag, Stenografische Protokolle 177. Sitzung, Bonn, 28. November 1989,
November 1989, S. 13502–13514, insbesondere S. 13510–13513.
41 Siehe Anm. 37 und 39
42 Über den weiteren Verlauf des Auftrags konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.
43 Die KSZE-Konferenz über wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa fand vom 19. März bis
11. April 1990 in Bonn statt.
44 Siehe Dok. 126, Anm. 13.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Titel
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Untertitel
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Herausgeber
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 792
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99