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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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15.6.1990: Bericht Gesandter Loibl Dok. 156 641 3. NATO-Sondersitzung Juli 199024 könnte Gorbatschow Schlüsselsignale zu NATO-Veränderung geben: NATO sei von Anfang an auch politisches Bündnis und militärisch ein Spiegelbild der Verhältnisse im Osten gewesen. Daher müssten nun Bedrohungs- bzw. Risikoanalysen neu definiert, Strategie und Vorneverteidigung  – damit auch Militärstrukturen  – geändert werden. Durch Fortgang innerer Reformen und KSE-Ergebnis könne Gorbatschow diesen NATO- Prozess beeinflussen. NATO als politisches Bündnis zur SU-Einbindung und europäische Anbin- dung an US-Kernwaffenschirm weiterhin benötigt, solange SU Kernwaffenmacht bleibt. Bisherige Militärstrukturen könnten jedoch durch multinationale Ver- bände, auf Grundlage der Gegenseitigkeit ersetzt werden, wodurch nationale Ag- gressionsmöglichkeiten ausgeschlossen blieben (DDR-Verteidigungsminister Ep- pelmann bot kürzlich Schweden Errichtung gemischter Brigade an!?).25 Da noch nicht alle europäische Staaten dazu bereit und Deutschland nicht singularisiert werden wolle, dürfte Umwandlung allerdings noch auf sich warten lassen. Teltschik bedauert übrigens, dass Moskau  – welches von Europa und damit von solchen Verbänden ausgeschlossen bliebe  – in solchen Überlegungen gegen SU gerichtete Tendenzen sehe. 4. Westliche Bereitschaft zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit SU und Perspektive bilateraler deutsch-sowjetischer Beziehungen. Einigung über diese Punkte würde AA-Vertreter zufolge durch ausgezeichnetes Einvernehmen zwischen Washington, Moskau und Bonn bzw. deren Außenmi- nistern und gutes Verhältnis SU / Europa erleichtert, aber auch durch gegenseitige Zusammenhänge und Rückwirkungen kompliziert. Angesichts des Bemühens beider Großmächte um Deutschland (und Europa)  wächst Bonn damit aus Sicht der Botschaft automatisch gewichtige weltpolitische Scharnierfunktion zu. AA-Vertreter ist sich deshalb bewusst, dass Deutschland „nicht zu groß“ auf- treten dürfe. Auf meine Frage, ob dies künftige Generation in 30 bis 40 Jahren (die Teilung nicht mehr persönlich kennen wird)  bewusst bleiben würde, verwies Gesprächspartner auf weitgehenden Souveränitätsverzicht Deutschlands gegen- über Europa: z. B. habe Bonn schon bisher mehr als andere (und gegen deren nachweisbaren Widerstand)  zur Politischen Union beigetragen, auch in Zukunft werde es daher keine Probleme geben. Die Nationalstaaten würden in Europa an Bedeutung verlieren. Loibl 1a-Folgeverhandlungen, die bereits am 29. November 1990 begannen und zu Personalober- grenzen für die Streitkräfte aller KSE-Staaten führten. Zum sowjetischen Truppenabzug aus Osteuropa siehe bereits Dok. 57, Anm. 18. Zur Suffizienz-Regel siehe bereits Dok. 156, Anm. 8. Zum Thema „Nulllösung“ siehe bereits Dok. 52, Anm. 26 und Dok. 154, Anm. 10. 24 Der NATO-Gipfel fand am 5./6. Juli 1990 in London statt. Siehe Dok. 159. 25 Dazu konnte nichts Näheres in Erfahrung gebracht werden. Siehe dazu aber auch Dok. 151, Anm. 11.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Titel
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Untertitel
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Herausgeber
Michael Gehler
Maximilian Graf
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-ND 4.0
ISBN
978-3-666-35587-5
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
792
Kategorien
Geschichte Nach 1918

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
  2. I. Vorbemerkungen 7
  3. II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
    1. 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
    2. 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
    3. 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
    4. 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
    5. 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
  4. III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
    1. 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
    2. 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
    3. 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
    4. 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
    5. 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
    6. 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
    7. 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
    8. 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
  5. IV. Editorische Vorbemerkungen 99
    1. Verzeichnis der Dokumente 103
    2. Dokumente 111
    3. Abkürzungsverzeichnis 723
    4. Literaturverzeichnis 731
    5. Personenregister 735
    6. Sachregister 773
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