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Prater #

(von lateinisch: pratum = Wiese)

Blick über den Wiener Prater, Aufnahme vom Riesenrad
Blick über den Wiener Prater, Aufnahme vom Riesenrad, Oktober 2000
Foto: Herbert Ortner. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0

Vergnügungsgelände und ausgedehnter Naturpark (verlor durch die Donauregulierung weitgehend seinen Aucharakter) im 2. Wiener Bezirk (Leopoldstadt), zwischen Donau und Donaukanal; urkundlich 1403 erwähnt (Nennung von 1162 bezieht sich nicht auf den Prater). Der Prater war einst kaiserlicher Besitz (Jagdgebiet ab 1560, Tierpark, Hoffeste), 1766 gab ihn Kaiser Joseph II. für die Öffentlichkeit frei.

Kundgabe des Kaisers am 7. April 1766:

"Es wird anmit jedermanniglich kund gemacht, [...] daß künftighin und von nun an zu allen Zeiten des Jahrs und zu allen Stunden des Jahrs, ohne Unterschied jedermann in den Bratter sowohl als in das Stadtgut frey spazieren zu gehen, zu reiten, und zu fahren [...] erlaubet, auch Niemanden verwehrt seyn soll, sich daselbst mit Ballonschlagen, Keglscheibn, und andern erlaubten Unterhaltungen eigenen Gefallens zu divertieren [...]."

1873 fand im Prater die Weltausstellung statt. Zum 50. Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs (1897), wurde das Riesenrad errichtet.

Nördlich der 1537 angelegten rund 5 km langen Hauptallee vom Praterstern zum Lusthaus (vor 1566 erbaut, Neubau 1781-83 von A. Canevale) liegt im West-Teil der so genannte "Wurstelprater" (amtlich seit 1786 Volksprater), eine bereits um 1800 vielbesuchte Belustigungsstätte (Name nach der Figur des Hanswurst) mit zahlreichen Vergnügungsstätten, wie Schau- und Schießbuden, Spielautomaten, Ringelspielen, Geister- und Hochschaubahnen, dem Riesenrad und der Liliputbahn (zum Stadion), sowie vielen Gasthäusern. Berühmt war einst das Prater-Varieté, eine vom Gastwirt und Liederkomponisten Ferdinand Leicht und seinem Bruder Wilhelm Leicht geleitete Kleinbühne, wo sogar Burgschauspieler auftraten. Die Wurstelprateranlagen wurden 1945 durch den Krieg vollkommen zerstört und danach auf etwas kleinerer Fläche wiederaufgebaut. Auch das Planetarium mit Pratermuseum wurde wiedererrichtet, letzteres geht auf die Sammlung von Hans Pemmer zurück.

An der Hauptallee, um 1900 Schauplatz der Wiener Blumenkorsos und seit 1963 für den Autoverkehr gesperrt, lagen das Vivarium und die in die Musikgeschichte eingegangenen "Prater-Etablissements"; Ziehrer-Denkmal (1960).

Den größten Teil des Praters bildet der auf weite Strecken naturbelassene "grüne Prater". Darin liegen das Messegelände (anstelle der Rotunde), die Trabrennbahn (in der Krieau), der Golfplatz, das Ernst-Happel-Stadion, das Stadionbad und die Radrennbahn, weiters Sportplätze, Spiel- und Lagerwiesen (Jesuitenwiese und andere), das "Heustadlwasser" (alter Donau-Arm, jetzt Totwasser), der zur Weltausstellung 1873 aufgeschüttete "Constantinhügel", Kleingartenanlagen und seit 1962 der Forschungsreaktor des Atominstituts (früher "Atominstitut der österreichischen Universitäten").

Hinter dem Lusthaus liegen die Freudenau mit den Pferderennbahnen, der Winterhafen der Donau, die Wallfahrtskapelle Maria Grün (errichtet 1924) und die Waldandacht. Vom Donauufer ist der Prater durch einen schmalen Streifen von Lagerhäusern, Güterverkehrs- und Industrieanlagen getrennt.

Von 2009 bis 2013 wurde südwestlich der Hallen der Messe Wien ein neuer WU Campus errichtet. Nach vier Jahren Bauzeit wurde am 3. Oktober 2013 der neue WU Campus eröffnet.

Weiterführendes#

Prater G'schichten anlässlich des 250. Jubiläums

Literatur#

  • H. Pemmer und N. Lackner, Der Wiener Prater einst und jetzt, 1935
  • O. Wladika, Von J. Fürst zu J. Jarno. Geschichte des Wiener Praters, Dissertation, Wien 1961
  • H. Pemmer und N. Lackner, Der Prater, bearbeitet von G. Düriegl und L. Sackmauer, 1974
  • F. Czeike, Leopoldstadt, Wiener Bezirkskulturführer, 1980
  • K. Lohrmann und F. Opll, Regesten zur Frühgeschichte von Wien, 1991
  • F. Czeike, Historisches Lexikon Wien, 5 Bände, 1992-97
  • N. Rubey und P. Schoenwald, Venedig in Wien, 1996
  • M. La Speranza, Prater-Kaleidoskop, 1997