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1088 Von der Revolution 1848 bis heute
Cristoforo Cattani
Metrik ;
Entstehungs-
zeitraum
Inhalt, Aufbau Detail ist das „missliche Leben“ (V. 311–312 : afflictam […] vitam), das Maxentia
in der Idylle des Tobliner Sees führt : in ihrer Vita in den Acta Sanctorum (s.o.) ist
Maxentia eine glückliche Einsiedlerin ; ihr Leid ist offenbar vermittelt durch das
Modell von Anchises in der Unterwelt, vielleicht auch durch Odysseus’ elenden
Vater Laertes aus dem letzten Buch der Odyssee.
Vom bürgerlichen ins geistliche Milieu führt uns eine Sammlung von Gedichten
aus der Feder von Cristoforo Cattani (1811–1887 ; vgl. Ambrosi 1894, 175–176).
Der aus Denno im Nonstal stammende Cattani studierte am Priesterseminar Trient
und wurde 1835 zum Priester geweiht. Dies und seine 1862 erfolgte Ernennung
zum Dekan von Ala erklären das Zustandekommen des hier vorgestellten Büch-
leins. Zu Cattanis 50-jährigem Priesterjubiläum (ein gern bedichteter Anlass, wie
Cattanis eigene Gedichte und die unten besprochene Vita Papst Leos XIII. von Ma-
thias Missi beweisen) tat der ihm untergebene Klerus des Dekanats nämlich etwas,
was auch heute noch als Alternative zu einer Festschrift gilt : Er veröffentlichte die
„Kleinen Schriften“ oder in diesem Fall vielmehr die kleinen lat. Gedichte, die Cat-
tani in den Jahren zuvor zu verschiedenen Anlässen geschrieben und als Ein- oder
Zweiblattdrucke publiziert hatte. Dieser Kontext ist auch im etwas umständlichen
Titel der 1886 in Ala erschienenen Sammlung festgehalten : Reverendissimo Domino
Domino Cristophoro Cattani decurioni Alensi faustum quinquagesimum sacerdotii an-
num peragenti eius nonnulla carmina pignus amoris et reverentiae subiectus clerus lae-
tus edit et offert („Dem Ehrwürdigen Herrn, Herrn Cristoforo Cattani, Dekan von
Ala, der das 50. Jahr seines Priesteramts glücklich vollendet, einige seiner Gedichte,
die als Beweis der Liebe und Verehrung der untergebene Klerus herausgibt und
darbringt“).
In dem 66-seitigen Bändchen sind insgesamt 33 Gedichte Cattanis versammelt,
eingeleitet von einem (nicht weiter interessanten) Gratulationsgedicht an ihn im
elegischen Distichon. Cattani selbst verwendet drei verschiedene metrische For-
men : die von ihm besonders geschätzte sapphische Strophe (17 Mal), das elegische
Distichon (elfmal) und die alkäische Strophe (fünfmal). Die meisten der Gedichte
sind also Oden, und diese tragen in der Regel auch die Bezeichnung ode. Nur ge-
legentlich ist stattdessen von einem hymnus oder einem carmen („Lied“) die Rede.
Das formale Vorbild für die Gedichte im hohen Odenton ist natürlich Horaz. Aus
den Anlässen und Datierungen geht hervor, dass die einzelnen Stücke im Zeitraum
von 1872 bis 1886 entstanden sind, mit einer Konzentration in den 80er-Jahren,
also im hohen Alter des Autors.
Sämtliche Gedichte haben Personen zum Gegenstand. Die Sammlung lässt sich
insofern auch als eine dichterische Prosopographie verstehen. Die meisten Personen
sind irgendwie mit der Diözese Trient verbunden, eine Reihe sogar mit Cattanis
engerer Heimat Ala. Der Sitz im Leben ist in den Titeln der Gedichte klar durch
TYROLIS LATINA
Geschichte der lateinischen Literatur in Tirol, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- TYROLIS LATINA
- Untertitel
- Geschichte der lateinischen Literatur in Tirol
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Korenjak
- Florian Schaffenrath
- Lav Šubarić
- Herausgeber
- Karlheinz Töchterle
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78868-3
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 728
- Schlagwörter
- Neo-Latin, Tyrol, History, Literature, Neu-Latein, Tirol, Literatur, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
Inhaltsverzeichnis
- Von der Gründung der Universität bis zur Aufhebung des Jesuitenordens (1773) Epochenbild (Lav Šubarić) 610
- Dichtung (Martin Korenjak) 620
- Theater (Stefan Tilg) 660
- Beredsamkeit, Dialog, Rhetorik (Florian Schaffenrath) 701
- Geschichtsschreibung (Lav Šubarić/Florian Schaffenrath/Patrik Kennel) 726
- Biographisches Schrifttum (Gabriela Kompatscher/Martin Korenjak) 778
- Brief (Wolfgang Kofler) 788
- Sprachdidaktik, Poetik, Philologie (Gabriela Kompatscher/Martin Korenjak) 797
- Theologie und kirchliches Schrifttum (Erika Kustatscher/Martin Korenjak) 807
- Philosophie und Naturwissenschaft (Stefan Tilg/Martin Korenjak) 833
- Medizin (Lukas Oberrauch) 862
- Rechtswissenschaft (Christine Lehne/Erika Kustatscher) 875
- Von der Vertreibung der Jesuiten bis zur Revolution 1848 Epochenbild (Florian Schaffenrath) 909
- Dichtung (Florian Schaffenrath) 918
- Beredsamkeit (Martin Korenjak) 941
- Geschichtsschreibung (Florian Schaffenrath/Erika Kustatscher) 953
- Biographisches Schrifttum (Patrik Kennel/Martin Korenjak) 980
- Brief (Wolfgang Kofler) 989
- Theologie (Erika Kustatscher/Martin Korenjak) 998
- Philosophie und Naturwissenschaft (Stefan Tilg/Martin Korenjak) 1022
- Medizin (Lav Šubarić) 1046
- Rechtswissenschaft (Christine Lehne) 1056
- Von der Revolution 1848 bis heute Epochenbild (Karlheinz Töchterle) 1073
- Dichtung (Stefan Tilg) 1079
- Prosa (Erika Kustatscher/Martin Korenjak) 1109
- Abkürzungsverzeichnis (Johanna Luggin) 1159
- Bibliothekssiglen (Johanna Luggin) 1161
- Bibliographie (Johanna Luggin) 1162
- Abbildungsverzeichnis (Johanna Luggin) 1265
- Index nominum (Johanna Luggin) 1271
- Index geographicus (Johanna Luggin/Simon Wirthensohn) 1299
- Index rerum (Johanna Luggin) 1310
- Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 1322