unbekannter Gast
vom 08.04.2017, aktuelle Version,

Ungargasse

Ungargasse
Wappen
Straße in Wien
Ungargasse
Die Ungargasse auf Höhe des Sünnhofes
Basisdaten
Ort Wien
Ortsteil Landstraße
Hist. Namen Hungargasse (1444)
Anschlussstraßen Große Ungarbrücke (nordwestlich), Fasangasse (südlich)
Querstraßen Linke Bahngasse, Invalidenstraße, Münzgasse, Beatrixgasse, Sechskrügelgasse, Rochusgasse, Posthorngasse, Neulinggasse, Strohgasse, Dapontegasse, Streichergasse, Barichgasse, Juchgasse, Schützengasse, Rennweg
Bauwerke Krankenhaus St. Elisabeth, Sünnhof, Haus Portois & Fix, Ehem. Militär-Reitlehrer-Institut, Schulzentrum Ungargasse
Nutzung
Nutzergruppen Autoverkehr, Radverkehr, Fußgänger, Straßenbahnlinie O, Autobuslinien 4A und 77A
Technische Daten
Straßenlänge ca. 1150 m

Die Ungargasse ist eine Straße im 3. Wiener Gemeindebezirk, Landstraße, die sich auf einer Länge von rund 1.150 Meter von der zum Wiener Stadtpark führenden Großen Ungarbrücke bis zum Rennweg erstreckt. Sie ist auch Namensgeberin des gleichnamigen, zehn Zählsprengel umfassenden Landstraßer Zählbezirks.

Geschichte

Die heutige Ungargasse verband in der Römerzeit das Militärlager Vindobona mit der Zivilstadt, deren Hauptachse nach Czeike etwa am heutigen Rennweg anzunehmen ist. Bereits im Jahre 1444 wurde sie unter ihrem damaligen Namen Hungargasse erwähnt. (Die Schreibung Hungarn für Ungarn war bis ins 19. Jh. in Gebrauch.) Namensgebend war der Umstand, dass sich entlang der Straße Gaststätten und Herbergen befanden, die vor allem von aus Ungarn anreisenden Kaufleuten und Viehhändlern, die Wien über Simmering und den Rennweg erreichten und in die Ungargasse einbogen, frequentiert wurden.

Verkehr

Die Ungargasse ist eine relativ schmale Verkehrsader, in der neben beidseitig geparkten Fahrzeugen nur eine Fahrspur pro Fahrtrichtung zur Verfügung steht; diese wird von der Straßenbahn mitbenützt. Rund zehn Seitengassen münden in die Ungargasse oder kreuzen sie; die wichtigste ist die Neulinggasse (Bus 4A).

Durch die Ungargasse verkehrte, von der Invalidenstraße kommend, seit Ende 1890 eine Pferdetramway, deren Strecke 1891 durch die südwärts anschließende Fasangasse zum Südbahnhof verlängert wurde. Ende 1899 wurde die Strecke auf elektrischen Betrieb umgestellt und kurz darauf kommunalisiert. Seit 1907 das heutige Linienschema eingeführt wurde, fahren hier Garnituren der Linie O (heutige Strecke: PratersternRaxstraße / Neilreichgasse). 1907–1941 fuhren außerdem Züge der Linie 4 (Südbahnhof–Hauptallee) durch den südlichen Teil der Ungargasse; sie bogen ostwärts in die Rochusgasse ab bzw. kam von Osten aus der Sechskrügelgasse. In der Ungargasse befinden sich drei Haltestellen: bei der Sechskrügelgasse, bei der Neulinggasse und unmittelbar vor dem Ende der Ungargasse an der Kreuzung mit dem Rennweg.

An Schnellverkehrsmittel ist die Ungargasse an beiden Enden angebunden. Unweit des nördlichen Gassenendes befindet sich der Bahnhof Wien Mitte / Landstraße (U3, U4, S-Bahn), beim südlichen Gassenende die Station Wien Rennweg der S-Bahn Wien.

Bauwerke

Nr. 5 (links) / Beatrixgasse 8 (rechts), erbaut 1801
Nr. 13: Sünnhof, ein „Durchhaus“ zur Landstraßer Hauptstraße
Nr. 43: Palais Sternberg, Italienisches Kulturinstitut
Relief am Haus Nr. 53
Haus Portois & Fix in der Ungargasse 59–61
Nr. 60–62: Erhaltener Trakt des ehem. Militär-Reitlehrer-Instituts, Teil eines Hotels
Nr. 69: Das Schulzentrum Ungargasse anstelle des Palais Harrach (2014)

Die ungeraden Hausnummern befinden sich an der östlichen, vom Stadtzentrum ausgehend linken Straßenseite, die geraden an der westlichen, rechten Straßenseite. Zum Theater, das sich an der Ungargasse befunden hat, liegen keine genauen Orts- und Zeitangaben vor.

Nr. 2: „Zur Goldenen Spinne“

Das repräsentative Eckhaus zur Linken Bahngasse stammt aus dem Jahr 1909 von Hans Dworak und Michael Kühmayer. Der Name stammt von einem älteren Gasthaus, das eigentlich Zur Goldspinnerin hieß.

Nr. 5: Beethoven

In dem 1801 errichteten Haus vollendete Ludwig van Beethoven 1824 seine 9. Symphonie. Der slowakische Dichter Ján Kollár wohnte hier von 1849 bis zu seinem Tod 1852.

Nr. 8: Eichendorff

Der Schriftsteller Joseph von Eichendorff wohnte hier.

Nr. 9

Hier wohnten einst die Architekten Carl Wilhelm von Doderer und Camillo Sitte sowie die Schauspieler Hermann Thimig, Hans Thimig und Vilma Degischer.

Nr. 13: Sünnhof

Der Sünnhof ist ein Biedermeier-Durchhaus, das die Ungargasse mit der Landstraßer Hauptstraße verbindet. Aus einem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Baukern entstand 1837 im Auftrag von Rudolf Sünn diese Passage, die Architekten waren Joseph Dallberg und Peter Gerl. 1845 wurde sie ausgebaut und 1983 restauriert.[1] Seit damals befindet sich hier unter anderem ein Hotel.

Nr. 25: Ehem. Polizeibezirksdirektion

Bis 1884 war hier die k. k. Polizey Bezirks Direktion (Schreibung um 1830) zu finden.

Nr. 27: Neuer Streicherhof

Johann Baptist Streicher, dem 1833 als Erbe der Alte Streicherhof Ungargasse 46 zugefallen war, ließ 1837 anstelle des Hauses Zum goldenen Karpfen den großzügig konzipierten Neuen Streicherhof mit einem Konzertsaal im 1. Stock des rechten Hoftrakts errichten. Von der Jahrhundertwende an spielte der Saal im Konzertleben allerdings keine Rolle mehr. Seit 1935 ist er Kirchenlokal der Neuapostolischen Kirche.[2]

Nr. 39: Emilie Flöge

Emilie Flöge wohnte hier. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verbrannte hier nicht nur ihre Trachtensammlung, sondern auch Wertvolles aus dem Nachlass Gustav Klimts.

Nr. 43: Palais Sternberg

Das 1821 erbaute Palais Sternberg, von der Straße etwas zurückgesetzt, ist das einzige in der Ungargasse noch erhaltene Palais; es beherbergt heute das Italienische Kulturinstitut.

Nr. 46: Ehem. Alter Streicherhof

Die Klavierfabrikanten Andreas Streicher (1761–1833) und Nannette Streicher (1769–1833) erwarben vor 1802 das 1788 von Paul Piker erbaute Gebäude als Betriebsstätte und erweiterten es bis 1812 um eine Werkstatt und einen Konzertsaal für Kammermusik, der sich über Jahrzehnte großer Beliebtheit erfreute. Er verlor an Bedeutung, als auch im 1837 errichteten Neuen Streicherhof Ungargasse 27 ein Konzertsaal eingerichtet worden war. Der im Zweiten Weltkrieg beschädigte Alte Streicherhof wurde 1959 abgerissen und durch ein modernes Bürohaus ersetzt.

Nr. 51–59: Ehem. Fuhrwesenkaserne

Bis etwa 1900 stand hier die Fuhrwesenkaserne.

Nr. 53

Das Haus wurde 1906 von Rudolf Kmunke erbaut. Es hat eine barockisierend-secessionistische Fassade, die mit Frauenmasken akzentuiert ist. In der Mitte des ersten Obergeschoßes befindet sich ein Stuckrelief einer Frauenbüste mit Mohnkapseln. So wie die Nachbarhäuser Nr. 51 (Neulinggasse 15, Kmunke 1905) und Nr. 55 (Dapontegassse 12, Kmunke 1906) und auch das Haus Nr. 57 (Dapontegasse 13, Anton Hein, 1906) gehört das Haus zum Ensemble des Dannebergplatz-Viertels.[3]

Nr. 59–61: Portois & Fix

Das in Architekturführern erwähnte Haus Portois & Fix wurde 1899–1901 nach Entwürfen von Max Fabiani als Wohn- und Geschäftshaus errichtet und diente ursprünglich dem Unternehmen Portois & Fix als Sitz. Prominenter Bewohner dieses Hauses war der Kabarettist Karl Farkas.[4]

Nr. 60–62: Ehem. Reitschule und Stallungen

Hier befanden sich Reitschule und Stallungen des auf Nr. 69 bestehenden Militär-Reitlehrer-Instituts. Später war hier ein Kino untergebracht. Ein historischer Eingangstrakt ist erhalten und seit 1990 Teil eines Hotels.

Nr. 63–67: Ehem. Palais Althan

Hier befand sich das 1732 erbaute Palais Althan, das mit Magistratsgenehmigung von 1840 abgerissen wurde, um Platz für neu zu errichtende Wohnhäuser zu schaffen; nach dem letzten Eigentümer, Michael von Barich, ist die hier von der Ungargasse auf ehemaligem Palaisgrund abzweigende Barichgasse benannt.

Nr. 67a–69: Ehem. Palais Harrach

In dem 1727–1735 errichteten Palais Harrach befand sich von 1850 bis 1918 das Militär-Reitlehrer-Institut. An Stelle dieses 1945 von Bomben zerstörten Bauwerks befindet sich heute das Schulzentrum Ungargasse. Vom Palais Harrach ist heute lediglich die Januariuskapelle erhalten.

Kulturelle Rezeption

Ingeborg Bachmann wohnte während ihres Wien-Aufenthalts von 1946 bis 1953 zwar an der die Ungargasse kreuzenden Beatrixgasse und an der Gottfried-Keller-Gasse beim Modenapark, sie setzte aber der Ungargasse in ihrem 1966 / 1967 geschriebenen und 1971 veröffentlichten Roman Malina, in dem die Hauptfiguren an der Ungargasse wohnen, mit der Beschreibung der Straße und der Gegend, die im Buch Ungargassenland genannt wird, ein Denkmal.[5]

Galerie

Literatur

  • Dehio Wien. II. bis IX. und XX. Bezirk. Anton Schroll, Wien 1993, ISBN 3-7031-0680-8, S. 132–134.
  Commons: Ungargasse  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ADAC-Reiseführer Wien - Sünnhof
  2. Straßenfassade (Memento vom 3. Januar 2010 im Internet Archive) - Kirchenlokal
  3. Géza Hajós & Eckart Vancsa: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks, Österreichische Kunsttopographie Band XLIV, Verlag Anton Schroll & Co., Wien 1980, S. 171
  4. Bezirksmuseum Landstraße - Das Portois & Fix-Haus in der Ungargasse
  5. Bezirksmuseum Landstraße - Ingeborg Bachmann im "Ungargassenland"