Eibiswald

Eibiswald
Wappen von Eibiswald
Eibiswald (Österreich)
Eibiswald
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Deutschlandsberg
Kfz-Kennzeichen: DL
Fläche: 2,38 km²
Koordinaten: 46° 41′ N, 15° 15′ O46.68666666666715.247222222222362Koordinaten: 46° 41′ 12″ N, 15° 14′ 50″ O
Höhe: 362 m ü. A.
Einwohner: 1.385 (1. Jän. 2012)
Postleitzahl: 8552
Vorwahl: 03466
Gemeindekennziffer: 6 03 03
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Eibiswald 17
8552 Eibiswald
Website: www.Eibiswald.at
Politik
Bürgermeister: Florian Arnfelser (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
8 ÖVP, 4 SPÖ, 2 FPÖ, 1 Gemeinsam für Eibiswald
Lage der Marktgemeinde Eibiswald im Bezirk Deutschlandsberg
Aibl Deutschlandsberg Eibiswald Frauental an der Laßnitz Freiland bei Deutschlandsberg Bad Gams Garanas Georgsberg Greisdorf Gressenberg Groß Sankt Florian Großradl Gundersdorf Kloster Hollenegg Lannach Limberg bei Wies Marhof Osterwitz Pitschgau Pölfing-Brunn Preding Rassach Sankt Josef Sankt Martin im Sulmtal Sankt Oswald ob Eibiswald Sankt Peter im Sulmtal Sankt Stefan ob Stainz Schwanberg Soboth Stainz Stainztal Stallhof Sulmeck-Greith Trahütten Unterbergla Wernersdorf Wettmannstätten Wielfresen Wies SteiermarkLage der Gemeinde Eibiswald im Bezirk Deutschlandsberg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Eibiswald (slowenisch Ivnik) ist eine Marktgemeinde mit 1385 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Eibiswald liegt im weststeirischen Saggautal am Kreuzungspunkt der Südsteirischen Grenzstraße (B 69) und der Radlpass Straße (B 76). Die Marktgemeinde besteht aus einer einzigen Katastralgemeinde. Nachbargemeinden sind:

Pitschgau
Aibl Nachbargemeinden Großradl
Großradl

Geschichte

Namensgeschichte

Der Name der Marktgemeinde Eibiswald stammt nicht von den im Wappen dargestellten Eiben, sondern vom Personennamen Iwein, den auch der Titelheld eines Romans Hartmanns von Aue aus der Zeit um 1200 trägt. Ein nicht näher bekannter Ritter dieses Namens hatte in der Gegend Waldbesitz.

Eibiswald bis zur Neuzeit

Funde belegen erste Siedlungsspuren in Eibiswald aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. (Jungsteinzeit). Auch aus der folgenden Metallzeit sowie aus der Römerzeit sind Besiedelungsspuren erhalten. Ab dem späten 6. Jahrhundert wurde das Gebiet von Eibiswald in das slawische Fürstentum Karantanien integriert, worauf zahlreiche Flurnamen zurückgehen. Ende des 8. Jahrhunderts setzte die bairische Besiedelung ein, 860 erhielt das Erzbistum Salzburg hier große Schenkungen. Nach den Ungarneinfällen wurde das Land von untertänigen Bauern unter Führung des Erzbistums Salzburg, der Aribonen und der Eppensteiner gerodet.

Erste urkundliche Erwähnung fand das Gemeindegebiet 1170 in einer Urkunde für die Pfarre Leibnitz, in der die „ecclesia sancte Mariae sub confinio Raedelach“, die spätere Pfarrkirche von Eibiswald, erwähnt wurde. 1265 wird erstmals auch die Burg „Ybanswalde“ genannt, die Sitz eines Landgerichtes war. Der Markt selbst scheint in den Urkunden erst 1290 auf und hatte zur damaligen Zeit 70 Häuser. Die Burg Eibiswald, im Besitz der Wildonier, Tybeiner und Walseer, diente zeitweise als Sitz des Marktherrn und des Landgerichtes.

Eibiswald nach 1500

Nach 1500 war die Familie der Eibiswalder im Besitz der Herrschaft von Eibiswald. Die reichen Besitzungen ermöglichten der Familie den Ausbau des Schlosses im Renaissancestil. Sie prägten die Region bis zum Erlöschen des Geschlechtes 1674. Der Markt erlebte hingegen eine wechselvolle Geschichte. Der wirtschaftliche Niedergang im 16. Jhdt. führt zu rückgängigen Bevölkerungszahlen, erst im 17. Jhdt. wuchs die Bevölkerung wieder an. Nachdem die Familie der Eibiswalder ausgestorben war, geriet die Burg in die Hände verschiedener Familien. Nach den Grafen von Schrottenbach kaufte der Glasfabrikant Ignaz von Purgay den Besitz. 1828 bis 1883 war die Familie Hansa im Besitz des Schlosses.

Eibiswald um 1877/78: Wald, Bergbau und Eisenwerke prägen die Darstellung auf der Landkarte

Im Norden des Ortes lag der Edelsitz „Aichberg“. Dies Anlage hatte sich aus einem Bauernhof entwickelt und wurde im 18. Jhdt. wieder zu einem solchen. Der Bauernhof Aichberger erinnert mit seinem Namen daran, er wird als Meierhof des damaligen Edelhofes betrachtet. Die frühere Wehranlage existiert nicht mehr.[1] Eine Belehnung mit dem Schramphnhof am Aichperg ist für 1427 dokumentiert, um 1460 wurde der Hof durch Kaiser Friedrich III. verliehen. 1572 war der Hof als Gschloß Aichperg bezeichnet. 1598 brannte die Anlage ab und wurde mit einer Unterstützung durch die Landesherrschaft (600 fl) wieder aufgebaut. in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verfügte das Anwesen über eine Rüstkammer und eine Bibliothek aus 50 Bänden. Ab 1627 gehörte die Gült Aichberg zur Grundherrschaft Eibiswald. 1693 wird die Anlage als baufällig bezeichnet, für die Zeit um 1780 wird angenommen, dass der Hof wieder zu einem Bauernhof wurde.[1] [2]

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Gemeinde durch die Abtrennung der Untersteiermark wichtige Verbindungen.

In der Zwischenkriegszeit war die Marktgemeinde einer der „Kristallisationskerne“ (Wolf 2008, S. 142.) der - bedingt durch die Weltwirtschaftskrise und den bereits in den 1920er Jahren erfolgten Zusammenbruch der vor Ort tätigen Industrie- und Gewerbebetriebe - in Österreich aufstrebenden NSDAP. Während des nationalsozialistischen Juliputsches im Jahr 1934 waren der Markt und seine Umgebung vollständig in nationalsozialistischer Hand und heftig umkämpft. Als der Putsch nach und nach zusammenbrach, wurde Eibiswald zum Rückzugsort für Putschteilnehmer aus dem gesamten Bezirk, so dass sich zuletzt bis zu 800 von ihnen im Markt und seiner unmittelbaren Umgebung aufhielten. Insgesamt waren im Gebiet des Gendarmeriepostenrayons Eibiswald 95 Personen wegen Beteiligung am Juliputsch verhaftet worden, eine unbekannte Anzahl weiterer Putschteilnehmer war flüchtig.[3]

Während des Zweiten Weltkrieges war Eibiswald hingegen Schauplatz von Partisanenkämpfen.

Wirtschaftliche Geschichte

1653 setzte durch ein von Wolf Max Freiherr von Eibiswald errichtetes Hammerwerk eine gewisse Industrialisierung ein. Angeschlossen war eine Sensen- und Nagelerzeugung, die etwa 30 Personen beschäftigte. Die Produktion geriet trotz der anerkannten Qualität der erzeugten Sensen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil die Produktionsstätten einerseits nicht vollständig bei Eibiswald lagen, sondern im schwierig erreichbaren Krumbachtal weiter westlich, andererseits Roheisen zwecks Weiterverarbeitung aus der Obersteiermark über Graz herangeführt werden musste. Ein an damaligen betriebswirtschaftlichen Kriterien und Möglichkeiten orientierter Bericht, der Verbesserungsvorschläge und wirtschaftliche Vorausschau enthielt, ist erhalten geblieben.[4]

1835 wurde das Werk vom Staat angekauft und zu einem modernen Stahlwerk ausgebaut, das bis zu tausend Arbeiter beschäftigte. 1869 wurde es bereits wieder an Private verkauft, 1905 musste es jedoch geschlossen werden: die Transportkosten für Rohmaterial und Waren waren zu hoch geworden.[5] Begleitet wurde der Aufschwung des Werkes durch den Kohlebergbau, der um 1800 begann und bis 1920 betrieben wurde. Die abgebaute Braunkohle wurde damals im Unterschied zur Holzkohle als „Steinkohle“ bezeichnet, die Bergwerke waren auf Landkarten als „Stk.Bgw.“ ausgewiesen. Die „Eisen- und Stahl-Gewerkschaft Eibiswald und Krumbach“ verfügte ab 1870 über ein eigenes Werkskrankenhaus in Eibiswald. Bis 1893 bestand auch eine Glasfabrik, deren ursprüngliche Erzeugungsstätten (obere und untere Glashütte) in der Soboth beim Dorf St. Vinzenz gelegen waren.

Das Bezirksgericht Eibiswald wurde mit 1. Juli 2002 aufgelassen. Für die Gemeinden des aufgelösten Gerichtsbezirkes ist seither das Bezirksgericht Deutschlandsberg zuständig.[6]

Politik

Bürgermeister: Florian Arnfelser (ÖVP).

Gemeinderat: Bei den Gemeinderatswahlen 2010 verlor die ÖVP zwar nur 0,05 % der Stimmen, aber ein Mandat, konnte aber dennoch mit 52,15 % der Stimmen klar die absolute Mehrheit halten. Die SPÖ erhielt 26,29 % der Stimmen und verlor ein Mandat. Die FPÖ kam auf 15,07 % und zog mit zwei Mandaten in den Gemeinderat ein. Die Liste Gemeinsam für Eibiswald erhielt 6,49 % und hielt somit ihr einziges Mandat.

Das Wappen der Marktgemeinde Eibiswald ist ein (nach alten Vorstellungen von der Namensherkunft) sprechendes Wappen und zeigt einen gelben Schild mit drei grünen Eibenbäumen auf drei erd- oder aschenfarbenen Büheln (mittelhochdeutsche Bezeichnung für Hügel oder Anhöhe). Das Wappen wurde am 6. September 1579 von Erzherzog Karl II. von Innerösterreich bestätigt. Das Wappen entspricht dabei einem schon zuvor verwendeten Siegel.

Bevölkerungsentwicklung

Von 1869 bis zum Zweiten Weltkrieg blieb die Bevölkerungszahl der Gemeinde Eibiswald relativ beständig. Erst nach 1945 bis in die 1980er Jahre nahm die Bevölkerungszahl zu, sinkt aber seither wieder.

Bevölkerungsstruktur: Der Altersschnitt der Gemeinde Eibiswald weicht nur wenig vom Durchschnitt der Steiermark ab. Der Anteil an Ausländern ist mit 2,1 % sehr gering. 92 % der Bevölkerung sind römisch-katholischer Konfession.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Pfarrkirche Maria im Dorn in Eibiswald wurde 1170 erstmals urkundlich genannt. Die Kirche besteht aus einem gotischen Bau mit romanischem Kern und wurde 1678 barock erweitert. Im 18. Jhdt. galt die Kirche auch als Wallfahrtskirche. Einst verfügte die Pfarre über fünf Filialkirchen, heute jedoch nur noch über die dem Hl. Antonius dem Einsiedler geweihte Wallfahrtskirche am Radlpass. Zudem gibt es in der Gemeinde fünf Messkapellen.

Hasewend's Lichtspielhaus: Eibiswald verfügt als einer von wenigen kleinen Orten in der Steiermark über ein eigenes Kino mit 142 Plätzen; der Fleischermeister führt diese neben seinem Betrieb.

Das größte Bürgerhaus des Marktes, das „Lerchhaus“ ist das älteste, in seiner ursprünglichen Form erhalten gebliebene Markthaus. Es entstand aus zwei Häusern im 16. Jhdt. im Stil der Renaissance.

Museen

  • Kloepfer- und Heimatmuseum
  • ÖAV Weitwandermuseum

Bildung

Geologische Karte zu Eibiswald, ca. 1930

Erste Hinweise auf eine Schule in Eibiswald sind erst aus dem frühen 17. Jhdt. überliefert. 1869 wurde die Pfarrschule in staatliche Verwaltung übergeführt. 1946 wurde zudem eine Hauptschule eröffnet. Heute gibt es in der Gemeinde folgende Einrichtungen:

  • Pfarrkindergarten Ost
  • Pfarrkindergarten West
  • Volksschule
  • Hauptschule
  • Landesberufsschule
  • Musikschule

Sport

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Wolfgang Dimetrik (* 1974), Akkordeonist
  • Hans Kloepfer (1867–1944), Arzt und Schriftsteller
  • Johann Kollar (1935–2012), Konsistorialrat, 1973–2009 Dechant des Dekanats Deutschlandsberg
  • Arnulf Lill (* 1911; † unbekannt), NS-Funktionär und Kriegsverbrecher[7]
  • Gabriel Loidolt (* 1953), Schriftsteller
  • Josef Pongratz (1863–1953), Politiker
  • Paul Prattes (* 1964), Radio- und TV-Moderator
  • Josef Wallner (1902-1974), Landwirt, Politiker
  • Arnold Wetl (* 1970), Fußballer
  • Theresia Zierler (* 1963), TV-Moderatorin und Politikerin, gegenwärtig Medien- und Kommunikationstrainerin

Ehrenbürger

Literatur

  • Werner Tscherne: Von Ybanswalde zu Eibiswald. Die Chronik der Marktgemeinde. Lerchhaus Verlag Eibiswald 1995. ISBN 3-901463-02-X.
  • Werner Tscherne und Herbert Blatnik: Alt-Eibiswald. Eine Geschichte der alten Bürgerhäuser und ihrer Bewohner. Lerchhaus Verlag, Eibiswald 2000, ISBN 3-901463-12-7
  • Helmut-Theobald Müller (Hrsg.), Gernot Peter Obersteiner (wissenschaftliche Gesamtleitung): Geschichte und Topographie des Bezirkes Deutschlandsberg. („Bezirkstopographie“) Graz-Deutschlandsberg 2005. ISBN 3-901938-15-X. Steiermärkisches Landesarchiv und Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg 2005. In der Reihe: Große geschichtliche Landeskunde der Steiermark. Begründet von Fritz Posch†. Band 3

Weblinks

 Commons: Eibiswald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Graz 1961, Verlag Stiasny. S. 58–59.
  2. Herwig Ebner: Burgen und Schlösser in der Steiermark. Graz, Leibnitz, West-Steiermark. 2. Auflage. Wien 1981, Birken-Verlag. ISBN 3-85030-028-5. S. 10–11.
  3. Die bislang ausführlichste Abhandlung über die Kämpfe während des Juliputsches in Eibiswald und allen anderen Orten des Bezirks findet sich in Gerald M. Wolf: „Jetzt sind wir die Herren ...“ Die NSDAP im Bezirk Deutschlandsberg und der Juli-Putsch 1934 (=Grazer zeitgeschichtliche Studien, Band 3) StudienVerlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2008, ISBN 978-3-7065-4006-3, S. 152-178. Die Darstellung zur Marktgemeinde Eibiswald findet sich auf S. 172-176.
  4. Werner Tscherne: Ein Bericht über das Eisenwerk Eibiswald aus dem Jahr 1821. In: Blätter für Heimatkunde. Herausgegeben vom Historischen Verein für Steiermark. 68. Jahrgang. Heft 3 Graz 1994. ISSN 0006-4459. Seiten 50–55.
  5. Hans Jörg Köstler: Die Stahlerzeugung in der Weststeiermark mit besonderer Berücksichtigung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark. Festschrift 150 Jahre Historischer Verein. Band 91/92, Jahrgänge 2001/02. Graz 2002. S. 467–510.
  6. Verordnung der Bundesregierung über die Zusammenlegung von Bezirksgerichten und über die Sprengel der verbleibenden Bezirksgerichte in der Steiermark (Bezirksgerichte-Verordnung Steiermark): Bundesgesetzblatt der Republik Österreich Teil II vom 15. Februar 2002, Nr. 82/2002.
  7. Der gebürtige Eibiswalder Lill arbeitete in seinem Heimatort als Beamter der Sparkasse und war ab Februar 1944 Kreisleiter des NS-Kreises Mureck. Wegen seines Befehls zur Tötung von mindestens 26 jüdischen Zwangsarbeitern aus Ungarn wurde er vom britischen Militärgericht in Graz 1947 zum Tode verurteilt, später jedoch zu 15 Jahren Gefängnis begnadigt. Sein Bruder Harald war bereits in der Zeit vor dem „Anschluss“ Leiter der NS-Ortsgruppe Eibiswald. Vgl. dazu: Franz Josef Schober: Jüdisches Schicksal an der Grenze. In: Signal (2005/2006), S. 195-221, hier S. 207-210, abgerufen am 11. November 2012; Martin F. Polaschek: Im Namen der Republik Österreich! Die Volksgerichte in der Steiermark 1945 bis 1955. (=Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives, Band 23), Graz 1998, S. 92.