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vom 07.07.2020, aktuelle Version,

Semmering-Passstraße

Die Semmering-Passstraße (auch Alte Reichsstraße) verbindet die Bundesländer Niederösterreich und Steiermark. Sie führt von Schottwien über Maria Schutz, den Semmering-Pass (mit der gleichnamigen Ortschaft) und Steinhaus am Semmering nach Spital am Semmering. Ausgehend von Mürzzuschlag in der Steiermark windet sich die rund 17 Kilometer lange Straße stetig Richtung Nordosten auf die 984 Meter hohe Passhöhe und führt dann als gut ausgebaute Serpentinentrasse weiter nach Gloggnitz in Niederösterreich. Obwohl die Straße über einige scharfe Kehren und erhebliche Steigungen verfügt, ist sie insgesamt sehr gut zu befahren. Seit der Eröffnung des Autobahntunnels im Jahre 2004 wird sie – außer in den Wintermonaten – nur noch recht wenig genutzt. Sie und dient heute vor allem als Ersatzstraße für die S6 und bei Bedarf als Parkplatz für Großveranstaltungen am Semmering.

Entwicklung

Einige wenige Funde bzw. Fragmente von steinernen Lochäxten in Schottwien, Gloggnitz und Payerbach deuten darauf hin, dass vorgeschichtliche Wanderer aus der Gloggnitzer Bucht und vom Mürztal her auf schmalen Pfaden die Höhen des damals wohl menschenleeren Bergwaldes passierten. Nur einige wenige Funde zeugen von einer offenbar zeitweisen Begehung des Semmerings in keltischer und römischer Zeit. So sind ein Hortfund keltischer Silbermünzen aus Schottwien, aus der Zeit als die Boier das Wiener Umland besiedelten (um 60 v. Chr.), und ein weiterer Depotfund römischer Kultgegenstände aus Steinhaus am Semmering bekannt geworden. Lange hat die Semmeringpassage im überregionalen Verkehr keine herausragende Rolle gespielt, dies änderte sich erst ab dem Mittelalter.

Venedig- oder Italienstraße

Der Güter- und Warenverkehr aus dem Wiener Becken Richtung Süden und Südosten und wieder zurück lief im frühen Mittelalter fast zur Gänze über das Pittental, entlang der ehemaligen Römerstraße über den Wechsel. Die Hochzeit dieses Gebirgsüberganges (damals auch wegen der Überfälle durch Räuber und Wegelagerer gefürchtete „Zerewalt“ bekannt) setzte erst im 12. Jahrhundert ein, als sich Wien zum Stapelplatz deutscher Kaufleute, die mit dem Süden regen Handel trieben, entwickelte. Auch viele Orientpilger wählten nun zunehmend den Weg über den Semmeringsattel. Um 1160 ließ Markgraf Ottokar III. zur Erleichterung des Handels- und Reiseverkehrs den Saumpfad über den Pass zu einem Karrenweg verbreitern und an dessen südwestlichen Endpunkt für die Durchreisenden ein Hospiz errichten, die Keimzelle der heutigen Ortschaft Spital am Semmering. Einer der ersten namentlich überlieferten Semmeringbezwinger ist der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein, der den Semmering anlässlich seiner "Venusfahrt" im Jahr 1227 passierte: "...do zogt ich über den Semernic gegen Glokeniz alzehant, da ich wen sehs ritter vant gezimirt schone tjoste gern: die sach man mich da snelle wem". Auch auf seiner "Artusfahrt", 1240, reiste er nochmals über den Pass und war erleichtert, als er ihn wieder hinter sich hatte: "...über den Semernic wir da zogten unde waren fro!". 1386 verfügte Herzog Albrecht III., dass die Städte in Steiermark, Kärnten und Krain die von Venedig und Ungarn herantransportierten Handelsgüter nunmehr über den Semmering zu führen hätten. Auch die Kaufleute aus Böhmen, Schlesien und Polen wurden auf diese Straße gezwungen. Wer dagegen verstieß, musste damit rechnen, dass entweder seine Waren beschlagnahmt oder andere Strafen über ihn verhängt wurden. Mit dieser Verordnung wurde die Route über den Semmering zur "privilegierten Straße". Der sog. "Weinweg", ein anderer Saumpfad, der von Neunkirchen her über die Bucklige Welt, die Schanz, Kummerbauerstadl, die Höhen zwischen Wechsel und Stuhleck am Großen Pfaffen vorbei, hinab in das Feistritztal und weiter in die Oststeiermark führte, konnte sich gegenüber der neuen Semmeringroute, die besonders durch den Aufschwung Venedigs immer wichtiger wurde, nicht lange behaupten. Die Straße begann an der Pestsäule und führte am Ufer des Greisbach entlang auf die Passhöhe. Diese damals wegen seiner starken Steigung auch als „schräger Alpendurchgang“ bezeichnete Semmeringpassage der Route von Villach über Bruck an der Mur in die Babenbergerresidenz Wien avancierte seit dem Spätmittelalter zu einer der am stärksten frequentierten Verbindung über die Voralpen. Aufgrund seiner großen Bedeutung für den aufstrebenden Italienhandel wurde er auch „Venedig-“ bzw. „Italienstraße“ genannt. Ab "Schadwien" war sie allerdings für Fuhrwerke nur mit einem zusätzlichen Vorspann aus Ochsen oder Pferden befahrbar, was mit Abstand die wichtigste Einnahmequelle für die dort ansässigen Gastwirte, Vorspannknechte, Wegmacher Kaufleute, Schmiede, Wagner und Sattler darstellte.

Carolusstraße

Die Straßenverbindung von Triest nach Wien wurde nach der Anerkennung der Stadt Triest als Freihafen im Jahre 1719 die wichtigste Verkehrsachse der Monarchie. Im Jahre 1726 wurde der Ingenieur und Hofmathematicus Jakob Marioni deshalb beauftragt, die Trasse für den Semmering neu abzustecken und dies auch schriftlich festzuhalten. Hierfür reiste eine Kommission auf den Semmering, zwecks "Begutachtung und Festlegung der neu auszubauenden Straße mit einer Milderung der Steigung". Sie erkannte bald, dass die Trasse vom Greisbach weg und in Windungen entlang des Nordhanges zum Bärensattel geführt werden musste. Ähnlich der Straße auf der steirischen Seite war der Weg von Taglöhnern auszufüllen, mit einer Schotterdecke zu überziehen, die „Kayser-Pruckhn“ zu errichten sowie Gräben und Durchlässe für Bergflüsse, Regen- und Schmelzwässer anzulegen. Zur Finanzierung erließ man ein neues Wegpatent. Als 1728 mit ihrem Bau begonnen wurde, brach auch für den Passverkehr eine neue Epoche an. Die altertümlichen Methoden des Warentransportes wurden nun obsolet, denn die neue Straßenführung bot dem Handelsverkehr ganz neue Möglichkeiten und Kapazitäten. Die Straße wurde anlässlich der Reise Karl VI. an die Adriaküste, nach Triest und Fiume, in nur 48 Tagen angelegt. Nach sechstägigen Aufenthalt im Posthof zu Schottwien konnten der Kaiser nebst Gemahlin Elisabeth Christine, seiner Tochter Maria Theresia und seinem Gefolge am 21. Juni 1728 den Semmering ohne Zwischenfälle überqueren. Das Ereignis wurde zusätzlich mit einem monumentalen Denkmal auf der Paßhöhe, gestiftet von den Ständen Innerösterreichs gewürdigt. Die Trasse führt auf der Passhöhe unmittelbar nördlich des Carolus-Denkmals vorbei und wird heute auf der niederösterreichischen Seite als "Alte Semmeringstraße" und auf der steirischen Seite als "Alte Reichsstraße" bezeichnet. Die örtliche Wirtschaft erlebte durch sie neuerlich einen markanten Aufschwung, denn durch den stetig zunehmenden Durchzugsverkehr entstanden viele neue Beherbergungs- und Transportbetriebe, diese hauptsächlich in Schottwien. 1730 brachte die "Ordinaripost" Reisende wöchentlich nach Venedig und Triest. Unter Kaiser Josef II., der weitere Verbesserungen an der Infrastruktur anordnete, nutzten wöchentlich die Klagenfurter, die Grazer, die Triester "Diligence" (Eilpost) und täglich berittene Boten für Graz ("Steirische Journalpost") die Carolusstraße. Mit Eröffnung der neuen Post- und Kommerzialstraße im Jahre 1841 büßte auch sie ihre Bedeutung wieder ein. Fortan bewegten sich auf ihr nur mehr Wanderer, Reiter und die leichten Fuhrwerke. Heute wird sie streckenweise noch als Spazierweg benützt. Auf langen Abschnitten ist sie mittlerweile schon komplett von der Vegetation überwuchert, ihren Verlauf aber kann man aber immer noch gut verfolgen.

Post- und Kommerzialstraße

Ab 1818 plante die Hofkanzlei in Wien eine neue Trasse, um damit endlich auch die letzten Gefahrenstellen der Semmeringpassage zu entschärfen. Der endgültige Baubeschluss fiel am 12. Dezember 1837, die Projektleitung lag beim k.k. Hofbaurat Hermengild Francesconi und seinem Ingenieur Dlauhy, die Ausführung wurde dem italienischen Unternehmer Felix Tallachini übertragen. Dieser hatte bereits die Straßen über den Splügenpass und das Wormserjoch angelegt. Zwischen 1839 und 1841 wurden für die Baumaßnahmen 2500 Arbeiter, meist Tschechen, eingesetzt. Offiziell eröffnet wurde die neue "k.k. italienische Post- und Hauptcommerzialstraße" durch Kaiser Ferdinand I. der sie danach mit seiner Gemahlin Anna Karolina in seiner sechsspännigen Hofkutsche befuhr. Neu an ihr war vor allem die Wegführung in Serpentinen, sie überwindet dabei einen Höhenunterschied von 400 Meter, überbrückt in einer Höhe von 39 Metern den Myrthengraben und steigt in insgesamt sieben Kehren zur Passhöhe empor. Ihre maximale Neigung betrug damit nur 5 %, auch an den Stellen wo sie vorher direkt nach oben geführt hatte. Damit fiel vor allem der teure und umständliche Vorspann weg und bergab musste man an den Fuhrwerken keine Radschuhe zur Abbremsung einlegen. Auf der steirischen Seite verlief sie hingegen relativ geradlinig, aber moderat ins Mürztal hinab. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 475.844 Gulden. Darin inbegriffen: die Grundeinlösungsgebühren von 50.000 Gulden, eine Aufzahlung von 20.000 Gulden für die neue Myrthenbrücke, die größer konstruiert wurde, als ursprünglich geplant und ein Betrag von 6.000 Gulden für eine während des Baues notwendig gewordene Regulierung des Weißenbaches bei Schottwien. Etwa zur gleichen Zeit wurden zwei Streckenabschnitte der Südbahn fertiggestellt, die eine von Wien nach Gloggnitz und die andere von Mürzzuschlag nach Bruck an der Mur. Beide konnten 1844 den Vollbetrieb aufnehmen. Da aber noch weitgehend unklar war, ob auch die Bahnstrecke über den Semmering jemals realisiert wird, behielt die Poststraße noch für die nächsten 10 Jahre ihre alte Bedeutung bei. Man richtete auf ihr für die Fahrgäste einen direkten Transit per Postkutsche zwischen den Bahnhof in Mürzzuschlag und Gloggnitz ein (Malle-Post), jede Fahrt über den Pass dauerte rund drei Stunden. Franz Seiser, k.k. Postmeister zu Wiener Neustadt und Landkutscher in Gloggnitz, bestritt hauptsächlich mit seinen Kutschern und Fuhrwerkern den Verkehr zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag. Schon 1844, wurden von ihm 26.000 Personen und 28.000 Tonnen Fracht befördert. Ein im Jahre 1852 erschienener Reiseführer berichtet, dass durch Schottwien täglich viele schwerbeladene, breitfelgige Frachtwagen, mit 12 Pferden bespannt, auf den Semmering rollten. Kurz nach Eröffnung der Semmeringbahn, am 16. Mai 1854, fuhr der letzte Poststellwagen über den Pass.

Autostraße

Von 1899 bis 1933 war Schottwien Ausgangspunkt für die Automobilrennen des Österreichischen Automobil-Club auf der 10 km langen Semmeringstrecke (Triester Straße, 79. bis 89. Kilometerstein) bis auf die Passhöhe beim Hotel Erzherzog Johann, die oft bis zu 60.000 Zuschauer anlockten. Am 8. September 1900, wurde am Semmering das erste Autorennen in Österreich veranstaltet. Ab 1909 kam es wegen Protesten der Bevölkerung zur Absage. 1921 organisierte der Deutsch-Österreichische Motorfahrer-Verband das erste Rennen nach dem 1. Weltkrieg, ab 1922 wieder der Österreichische Automobil-Club. Nach einer inflationsbedingten Unterbrechung im Jahre 1925 fanden die Semmering-Bergrennen bis 1933 ihre Fortsetzung. Zwischen 1931 und 1932 wurden wegen der Weltwirtschaftskrise keine Wettbewerbe veranstaltet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wuchs die Zahl der Autofahrten über den Semmering rasch an. In den 1950er-Jahren galt die Triester Straße als die beliebteste Route für jene, die an der Adria Urlaub machen wollten. Auch der Lastwagenverkehr nahm von Jahr zu Jahr mehr zu. Daher musste die Strecke bald wieder den neuen Erfordernissen angepasst werden und wurde zwischen 1956 und 1958 als Bundesstraße 17 neu trassiert. Sie bezeichnete den Streckenabschnitt der früheren Triester Straße und ihren weiteren Verlauf, der über den Semmering-Pass führte (heute: nö. L 4168 ehem. Semmering Ersatzstraße und steir. L 118 Semmering Begleitstraße) Die 10 km lange Strecke wurde, wo es möglich war, erheblich verbreitert sowie bergwärts mit einer dritten Spur, einer sog. "Kriechspur", versehen, die vor allen von Schwerlastern mit Anhänger genutzt wurde. Auch die Kehren wurden viel breiter und weniger stark gekrümmt angelegt. Unmittelbar vor der Passhöhe musste in der "Wagnerkurve" eine hohe Doppelmauer zur Hangabstützung aufgezogen werden. An der Bergseite der früheren "Maierreit", heute die "Felsnerkurve", entstand 1958 bei Kilometerstein 85,7 ein 4 Kammern-Streusandsilo, die von oben gefüllt werden konnten und deren Wände aus Stahlbeton bestanden. Eine eigene Heizanlage sorgte dafür, dass der Sand nicht verklumpte.

Mit der Eröffnung des 3,5 Kilometer langen Semmering-Scheiteltunnels der Schnellstraße 6 im Jahr 2004 verlor die Bundesstraße und somit auch die Ortschaften Schottwien, Semmering und Spital am Semmering als Etappen im Transitverkehr stark an Bedeutung. Die Route durch die – ohne Sondermaut befahrbaren – Tunnelkette des Semmerings ist wesentlich komfortabler als die alte Passstraße und optimal den Anforderungen des modernen Straßenverkehrs angepasst. Der Kurort Semmering wird nun zwar vom Großteil des Schwerlastverkehrs verschont, andererseits entfallen damit auch wichtige Einkommensquellen für lokale Betriebe. Dadurch ist eine andere Straßengestaltung der nunmehrigen Landesstraße 4168 möglich, obwohl sie als Ausweichstrecke der S6 und Zufahrt zur Gemeinde Semmering erhalten bleiben muss. Eine Umgestaltung der Passhöhe in naher Zukunft ist ebenfalls angedacht.

Bauwerke entlang der Straße

  • Pfarrkirche Schottwien
  • Talübergang Schottwien
  • Wallfahrtskirche Maria Schutz
  • Myrthenbrücke
  • Tourismusbüro Semmering
  • Carolus-Denkmal
  • Hotel Zauberberg

Daten

  • Streckenlänge: 16,50 km
  • Niedrigster Punkt: 642 m
  • Höchster Punkt: 1.041 m

Literatur

  • Wolfgang Kos (Hrsg.): Die Eroberung der Landschaft. Semmering, Rax, Schneeberg. Ausstellungskatalog. Falter, Wien 1992, S. 200ff, ISBN 3-85460-062-3.
  • Hans Stix, Winfried Kallinger: Rasende Zeit. Die Epoche der Semmering-Rennen 1899 – 1933. Wien 1996.
  • Beppo Beyerl: Die Triester Straße. Eine Geschichte des Verkehrsweges von Wien nach Triest in Bildern. Edition Winkler-Hermaden, 2020.
  • Franz Preitler: Was der Semmering erzählt, Sagen und Legenden zwischen Mürzzuschlag und Südbahnhof. Sutton-Geschichte, 2017.