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Notiz 103, Episode III: Der Geist in der Maschine#

(Handwerk, Handarbeit, Basteln)#

Von Martin Krusche#

Wir haben von Einfallsreichtum und Handfertigkeit zu reden, von der Fähigkeit Probleme zu lösen, dabei auch neue Lösungen zu finden, die einem noch niemand gezeigt hat. Aber was ist was und weshalb? In der vorigen Episode (II) hab ich einen kleinen Bogen durch verschiedene Fertigungsmethoden gezogen. Unikate. Kleinserien. Großserien.

Zwischen „Homo faber“ und selbstlernenden Maschinen. (Foto: Martin Krusche)
Zwischen „Homo faber“ und selbstlernenden Maschinen. (Foto: Martin Krusche)

Die Artefakte#

  • Der Schmiedenagel (anonyme Quelle)
  • Der Vogelkäfig (anonyme Quelle)
  • Die Wollsocken (Andrea Habeler)
  • Der Miniaturpanzer (anonyme Quelle)
  • Crossover: der WiGL-Puch (WiGL Design)
  • Überblick (Albumblatt)

Zum Themenbogen#

Bisher ist es immer noch so, daß selbst in automatisierten Fertigungsstraßen mindestens beim Aufbau der Straßen hohe menschliche Kompetenz gefordert ist. Daran ändert auch die Vierte Industrielle Revolution bisher nichts.

Auch heute müssen am Ende der Linie auf jeden Fall komplexere Produkte, wie etwa ein Automobil, von Handwerkern auf Fehler hin untersucht werden, die nicht in der Konstruktion begründet sind, sondern bei der Fertigung passieren.

Wenn sich unvorhergesehen auch nur kleine Abweichungen von vorgegebenen Parametern ergeben, entstehen Probleme, weil der Roboter nur das macht, was vorher festgelegt wurde. Also bin ich hier erst einmal zu ganz grundlegenden Motiven zurückgegangen.

Handwerk: der Schmiedenagel#

Nagelschmied war einst ein eigener Beruf, ein eigenständiges Handwerk, ähnlich dem Nadler. Rudi Palla hat in seinem Buch über „Verschwundene Arbeit“ (2010) eine anschauliche Beschreibung vorgelegt: (Link) Ich habe so ein Stück im Set, stellvertretend für frühe Techniken, die ursprünglich auf Handwerk ohne Maschineneinsatz beruhten. Zugleich wurden die Beherrschung des Feuers und die Metallurgie zu Fundamenten der jetzigen Situation. (Siehe dazu auch: „Meine Küche als mythischer Ort“!)
Was die Maschine dem Menschen aus der Hand nimmt. (Foto: Martin Krusche)
Was die Maschine dem Menschen aus der Hand nimmt. (Foto: Martin Krusche)

Handwerk: der Vogelkäfig#

An jedem Detail sieht man, daß hier Handarbeit gewirkt hat. Keines der wesentlichen Elemente ist maschinengefertigt. Ich habe dieses Stück von meinem Großvater Richard, der Steinmetz und auch ein guter Zimmermann war. Es ist also denkbar, daß er dieses Kästchen mit der kleinen Schiebetür selbst gefertigt hat.

Handwerk oder Handarbeit? Die Wollsocken#

Dieses Paar hab ich von Andrea Habeler, die mit großer Leidenschaft Werkzeuge schwingt, verschiedene Handwerkstechniken beherrscht und pflegt, in freier Natur außerdem zarte Schneisen hinterläßt, weil sie ständig etwas entdeckt, das gepflückt und mitgenommen werden will. Spinnrad, Nadeln, was man sonst so braucht… Das wäre nun so eine begriffliche Bruchstelle, die mit Fragezeichen umstellt ist. Was unterscheidet Handwerk von Handarbeit? (Das war schon Thema der ersten Episode.)

Innerhalb einer Lebensspanne zwei industrielle Revolutionen… (Foto: Martin Krusche)
Innerhalb einer Lebensspanne zwei industrielle Revolutionen… (Foto: Martin Krusche)

Handwerk oder Bastelei? Der Miniaturpanzer#

Bei Panzerfahrzeugen unterscheiden wir Kettenfahrzeuge, die auf Gleisketten laufen, und Radpanzer. Außerdem gibt es Mischformen wie die Halbkettennfahrzeuge: hinten Ketten, vorne lenkbare Räder. Diese Panzer-Miniatur stammt gewiß aus einem Handwerksbetrieb (einer Service-Werkstatt) und wird vermutlich als Bastelarbeit eingestuft werden.

Der Körper besteht aus einem sogenannten Endverbinder. Das ist die Schließe einzelner Kettenglieder der Gleiskette eines Panzers. Eine Schraube drangeschweißt, das Ganze ein wenig lackiert, mit einem Tarnmuster versehen, also handwerklich keine große Herausforderung, aber inhaltlich mit einem komplexen technischen System assoziiert. Basteln?

(Foto: Martin Krusche)
(Foto: Martin Krusche)

Crossover#

Das Bild zeigt zwei Phasen einer Abwandlung der Karosserieform des Fiat Nuova 500, eines Designs, das auch für den Steyr-Puch 500 verwendet wurde. Eine Arbeit von Alfred Urleb und Willi Gangl (WiGL-Design). Das sind zwei Industriedesigner, die ihre Berufslaufbahn im Grazer Puchwerk begonnen haben, als noch technisches Zeichnen und Modelltischlerei zur Vorstufe der Automobilherstellung gehörten. Von da, vom Handwerklichen, führte der Weg über die Digitale Revolution in ganz andere Entwurfstechniken. Zum Hintergrund dieser Arbeit siehe: „Fiat lux: Der Geist in der Maschine“!

Inzwischen kennen wir nicht nur die Entwurfsarbeit durch Computer, sondern auch vielfältige Herstellungsmethoden durch EDV-gesteuerte Systeme, teilweise sogar umfassend automatisiert, also Einheiten, die im Kern ohne menschliches Zutun Dinge anfertigen. Weitere Details zur Grafik: "Fiat lux: Der Grundlagen des Entwurfs" (Eine Herleitung)


Bild 'episode03'

Details#