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Implantate aus dem Drucker#

Beim heurigen Award des Rudolf-Sallinger-Fonds siegte ein Team mit einem 3D-Drucker für Implantate während Operationen.#


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 30. Mai 2017) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Ute Schäfer vertrat das Sieger-Team iprint - Implant Printing der MedUni Graz., Foto: © Sallinger Fonds
Ute Schäfer vertrat das Sieger-Team iprint - Implant Printing der MedUni Graz.
Foto: © Sallinger Fonds

Wien. Wissenschaft und Wirtschaft: Diese starke Kombination macht den Erfolg des Innovationsstandorts Österreich aus. Zahlreiche Initiativen unterstützen den Schulterschluss von Science & Business (S&B), so auch der gleichnamige Award des Rudolf-Sallinger-Fonds, der heuer zum dritten Mal vergeben wurde. Über das S&B-Preisgeld von 20.000 Euro durfte sich diesmal das Gewinnerteam von iPrint - Implant Printing von der Medizinischen Universität Graz freuen.

Im Zuge seines Projekts entwickelte das interdisziplinäre Team aus Technikern, Medizinern und Forschern einen auf Schmelzschichtung basierenden 3D-Drucker, der aus medizinisch zugelassenen Hochleistungskunststoffen während einer Operation auf den Patienten zugeschnittene Implantate herstellen kann - basierend auf den Daten aus der Computertomographie des jeweiligen Patienten. Momentan sei dieser Drucker vor allem für den Bereich Neurochirurgie zur Reparatur zerstörter Schädelknochen interessant, hieß es vom Team. Die Herstellung solcher Implantate sei derzeit mit immensem organisatorischem, zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Eine Kommerzialisierung sei jedoch auch für weitere medizinische Bereiche wie Orthopädie, Unfallchirurgie oder Kieferchirurgie geplant. Eine Weiterentwicklung des medizinischen 3D-Druckers sei jederzeit möglich.

Mit dem Award, der am Abend des 29. Mai 2017 im Studio 44 der Österreichischen Lotterien verliehen wurde, werden frühphasige Kommerzialisierungsideen ausgezeichnet, die auf einer wissenschaftlichen Leistung beruhen. Zehn Projekte kamen auf die Shortlist, darunter etwa eine Herzinfarkt-Früherkennungs-App, ein 3D-Drucker für Schädel-Implantate und eine Software zur interaktiven Darstellung von Atomen.

Jury-Vorsitzender Rudolf Dömötör - er ist Direktor des Entrepreneurship Center Networks - betonte, der Wissens- und Technologietransfer aus Universitäten und Forschungseinrichtungen sei von entscheidender Bedeutung für die Zukunftssicherung von Wirtschaft und Gesellschaft. Dömötör: "Eine besondere Rolle nehmen dabei innovative Spin-offs auf Basis wissenschaftlicher Forschungsarbeiten ein." Der S&B Award leiste in diesem Zusammenhang einen wichtigen Beitrag: als Anreiz für Forscher, Überlegungen zur möglichen Kommerzialisierung ihrer Forschungsergebnisse anzustellen, und als Bühne für vielversprechende Umsetzungsideen.

Im Vorjahr war die Entscheidung für "Radiology Explorer" von Markus Holzer, Georg Langs, René Donner und Allan Hanbury von der Medizinischen Universität Wien gefallen. Die 3D-Bild- und Textsuchmaschine erlaubt Radiologen, durch das Markieren einer auffälligen Bildregion in Sekunden die visuell ähnlichsten Fälle und deren Beschreibungen zu finden. Sie nutzt die Informationen, die in den riesigen Mengen medizinischer Bilddaten enthalten sind und bis jetzt nur sehr beschränkt zur Diagnose herangezogen werden können.

Green-Wall-Team
Siegreiche Future Founders: Das Green-Wall-Team überzeugte die Jury mit einem innovativen Luftreinigungssystem.
Foto: © Green Wall

2015 ging der S2B-Award an das Team Cubicure, das neuartige Kunststoffe für den Einsatz in High-End-3D-Druckanlagen entwickelt.

Saubere Luft durch Mikroalgen#

Das Siegerteam 2017 und die neun leer ausgegangenen Finalisten erhalten bei der Weiterentwicklung ihrer Kommerzialisierungsidee Gratis-Mentoringleistungen und andere Unterstützungsangebote für ihre Kommerzialisierungsidee in Kooperation mit Partnern des Rudolf-Sallinger-Fonds.

Bei der Future Founders Challenge (FFC), dem zweiten Wettbewerb des Rudolf-Sallinger-Fonds, überzeugte das Team von Green Wall, einer Kooperation aus Studierenden der Technischer Universität Wien, Wirtschaftsuniversität Wien und Universität für Bodenkultur. Ronald Baumgartner, Alexander Mühlendorfer, Elisabeth Einhorn und Hubert Lanner haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Atemluft auf ganz natürliche Weise zu reinigen. Dafür nutzen sie Mikroalgen und können so auf chemische Zusätze und komplexe Filtersysteme verzichten. Das Produkt ist für Zuhause oder den Arbeitsplatz geeignet. Die Luft wird mit Sauerstoff angereichert, von Staub, Pollen und Schadstoffen befreit und zusätzlich befeuchtet.

Seit seiner Gründung im Jahr 1979 hat der Rudolf-Sallinger- Fonds über 400 junge Akademikerinnen und Akademiker für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen zu mittelstandsrelevanten Fragestellungen ausgezeichnet.

Wiener Zeitung, Dienstag, 30. Mai 2017

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