unbekannter Gast
vom 14.04.2018, aktuelle Version,

Rothwald

Rothwald

Der Rothwald (auch Rotwald) ist ein 40 km² großes, teilweise naturbelassenes Waldgebiet in den Niederösterreichischen Kalkalpen, südlich und südöstlich des Dürrenstein-Massivs. Es liegt am Südrand der Region Eisenwurzen bzw. des Bezirkes Scheibbs nahe der Grenze zur Steiermark. Der ursprünglichste Teil des Rothwaldes ist der „Urwald Rothwald“, ein etwa 4 km² großer Primärwald. Dieser Urwald ist das Kernstück des einzigen Wildnisgebietes in Österreich der Kategorie Ia der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN).[1] Das Wildnisgebiet Dürrenstein mit seinen derzeit 35 km² Fläche liegt zu einem Drittel im Gebiet des Rothwaldes, zwei Drittel erstrecken sich an den südwestlichen und westlichen Abhängen des Dürrensteinmassives.

Lage und Entwicklung des Schutzgebietes

Das streng geschützte Naturschutzgebiet schließt im Ostteil den kleinen und den großen Urwald mit zusammen fast 500 ha, die nie forstwirtschaftlich genutzt wurden, ein. Dieser für Österreich einzigartige Zustand kam durch die abgelegene Lage, die Besitzverhältnisse und einen jahrhundertelangen Grenzstreit zustande. Der erste Eigentümer war die Kartause Gaming. Für diese war das Gebiet eine orographische Exklave hinter dem Dürrenstein, was eine Holzbringung verhinderte.[2] Nach der Auflösung des Kartäuserklosters durch Joseph II. 1782 wurde das Gebiet verstaatlicht und erst am 1825 wieder privatisiert. Nach einigen Besitzerwechseln wurde es 1875 an die Familie Rothschild verkauft, die den Urwaldbereich völlig unberührt ließ.

Im Sinne des heutigen Umweltschutzes entschloss sich Albert Rothschild 1875, das Gebiet auch weiterhin als Primärwald für die Nachwelt zu erhalten. Vom Land Niederösterreich wurde 1997 gemeinsam mit den Grundeigentümern, der Forstverwaltung Langau und der Österreichische Bundesforste-AG, Naturwälder ein Schutzgebiet im Ausmaß von 2.400 Hektar abgesichert und 1997–2001 im Rahmen eines LIFE-Projektes der EU unter wissenschaftlicher Begleitung der Wiener Universität für Bodenkultur die Anerkennung als Wildnisgebiet Dürrenstein vorbereitet. Ende 2002 wurde durch das Land Niederösterreich dauerhaft zum Naturschutzgebiet erklärt und im Folgejahr international von der IUCN als bisher einziges Wildnisgebiet Österreichs der Kategorie I anerkannt.

Der Urwaldbereich liegt in einer weiten Mulde hinter den Dürrenstein-Gipfeln in einer Höhenlage von etwa 900 bis 1300 Meter. Dieses Gebiet wird vom Rothaus- und Moderbach entwässert. Im gesamten Schutzgebiet besteht ein Wegegebot, aber es sind nur wenige ehemalige Forstwege und markierte Steige, die von Individualbesuchern benutzt werden dürfen, vorhanden. Der größere Westteil auf dem Grundbesitz der Österreichischen Bundesforste AG erstreckt sich nach der Flächenerweiterung um etwa 100 ha im Jahr 2013 nun bis zur steirischen Grenze zwischen Hochkirch (1468 m ü. A.) und Ringkogel (1668 m ü. A.).

Der Name Rothwald findet sich nochmals ganz im Süden des Gebietes, wo jenseits des Grenzbaches auf steirischer Seite das bewaldete Gelände langsam zum Massiv der Kräuterin ansteigt. Auch ein Forsthaus und Weiler am nördlichen, niederösterreichischen Ufer des Lassingbaches trägt diesen Namen. Erwähnenswert sind auch die Rothschildhäuser, die sich in der weiteren Umgebung des Wildnisgebietes befinden.

2017 wurden der Urwald Rothwald und Teile des Nationalparks Kalkalpen mit anderen Wäldern Europas zum UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder und Alte Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas erhoben.[3]

Literatur

  • Baschny, O. (1970) Rothwald – ein Urwald in Niederösterreich. Wald- und Holzarbeit. 208, 209
  • Robischon, M. (2006) Im finstren Urwaldtann. Land der Berge 3: 48-54
  • Zukrigl, K. (1966) Urwaldreste in den niederösterreichischen Kalkalpen. Angewandte Pflanzensoziologie 18/19: 289-296.
  • Matthias Schickhofer: Urwald in Österreich - die letzten wilden Waldparadiese. Brandstätter, Wien 2013, ISBN 978-3-85033-697-0.

Siehe auch

  Commons: Wildnisgebiet Dürrenstein  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Schutzgebiet wienerzeitung.at, abgerufen am 17. Februar 2016
  2. Eine ähnliche Lage hatten die Herrschaftsgründe am Gippel, die aber im 19. Jahrhundert durchforstet wurden. Dort ist nur der Lahnsattler Urwald erhalten.
  3. orf.at: Weltnaturerbe: Österreichische Buchenwälder gelistet. Artikel vom 7. Juli 2017, abgerufen am 8. Juli 2017.