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vom 28.06.2020, aktuelle Version,

Österreichische Bischofskonferenz

Die Österreichische Bischofskonferenz 2014 mit dem damaligen Außenminister Sebastian Kurz (Mitte)

Die Österreichische Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss aller römisch-katholischen Bischöfe in Österreich. Die Bischofskonferenz ist eine seit 1849 bestehende Körperschaft öffentlichen Rechts und oberstes Organ der römisch-katholischen Kirche in Österreich. Ihr gehören alle Diözesanbischöfe, die Weihbischöfe und der Abt der immediaten Territorialabtei Wettingen-Mehrerau an.

Ihre Aufgabe ist die staatskirchenrechtliche Vertretung der katholischen Kirche gegenüber dem österreichischen Staat und Behandlung der gemeinsamen Angelegenheiten, außerdem ist sie als römisch-kirchenrechtliche nationale Bischofskonferenz die oberste Lehrautorität (753 CIC). Sie ist Mitglied im Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE). Der Bischofskonferenz untersteht auch die offizielle katholische Nachrichtenagentur Kathpress.

Vorsitzender der Bischofskonferenz ist einer der Bischöfe, Generalsekretär ist derzeit Peter Schipka (seit 1. März 2011, gewählt für sechs Jahre und 2016 für weitere sechs Jahre bestätigt).[1][2]

Aufgaben und Rechtsgrundlagen

Aufgaben der Bischofskonferenz sind:[3]

  • das Studium und die Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben
  • die gegenseitige Beratung und notwendige Koordinierung der kirchlichen Arbeit
  • der gemeinsame Erlass von Entscheidungen
  • die Pflege der Verbindungen zu anderen Bischofskonferenzen

Grundlagen für diese Aufgaben sind „die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, hier insbesondere das Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe (Nr. 37–38), das kirchliche Gesetzbuch (insbesondere die Canones 447–459 des Codex Iuris Canonici) aus dem Jahr 1983 sowie die Statuten der Österreichischen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2005“ .[3][4] Das offizielle und verbindliche Publikationsorgan ist das Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz.[5]

Grundlage der Rechtstellung als öffentlich-rechtliche Körperschaft und als Vertretungsorgan der katholischen Kirche in Österreich als gesetzlich anerkannte Kirche ist das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhle und der Republik Österreich.[6]

Verhältnis der österreichischen Bischöfe zum Nationalsozialismus

Kardinal Innitzer von Wien, der im Einvernehmen mit dem Vatikan Bundeskanzler Schuschnigg die Unterwerfung unter Nazideutschland empfohlen und erklärt hatte: „Der Anschluß ist unvermeidlich“, ließ den Einmarsch der Wehrmacht am 11. März 1938 mit Glockengeläut und Hakenkreuzfahnen an den Kirchen feiern und beauftragte die österreichische katholische Geistlichkeit, dasselbe zu tun.[7] Am 12. März 1938 verpflichtete er sie zur Abhaltung eines Dankgottesdienstes.[7] Als Hitler Kardinal Innitzer am 15. März 1938 in einer Audienz empfing und ihm die Wahrung der kirchlichen Rechte zusicherte, forderten alle österreichischen Bischöfe, mit Ausnahme des Bischofs von Linz, das Volk auf, für Hitler zu stimmen und beschlossen ihren Aufruf mit dem Gruß[7]: „Heil Hitler“[8][9].

Am 28. März 1938 veröffentlichte die österreichische Presse unter der Überschrift „Bekenntnis der katholischen Kirche zu Großdeutschland. Episkopat für Nationalsozialismus“ die „Feierliche Erklärung“ der österreichischen Bischöfe zur Volksabstimmung.[7] In einem Vorwort betonen zunächst Kardinal Innitzer und Fürsterzbischof Waitz von Salzburg, dass nun „die tausendjährige Sehnsucht unseres Volkes“ ihre Erfüllung finde und die österreichischen Bischöfe „umso unbesorgter“ ihren Aufruf an alle Gläubigen erlassen könnten, als ihnen der Beauftragte des Führers die Linie seiner Politik bekanntgegeben habe, die unter dem Motto stehen solle: „Gebt Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist.“[10][11]

In dieser – auch in allen katholischen Kirchen Österreichs – zur Verlesung gelangenden[12] „Feierlichen Erklärung“ heißt es weiter: „Aus innerster Überzeugung und mit freiem Willen erklären wir unterzeichneten Bischöfe der österreichischen Kirchenprovinzen anläßlich der großen geschichtlichen Geschehnisse in Deutschösterreich: Wir erkennen freudig an, daß die Nationalsozialistische Bewegung auf dem Gebiete des völkischen und wirtschaftlichen Aufbaues sowie der Sozialpolitik für das Deutsche Reich und Volk und namentlich für die ärmsten Schichten des Volkes Hervorragendes geleistet hat und leistet. Wir sind auch der Überzeugung, daß durch das Wirken der nationalsozialistischen Bewegung die Gefahr des alles zerstörenden gottlosen Bolschewismus abgewehrt wurde. Die Bischöfe begleiten dieses Wirken für die Zukunft mit ihren besten Segenswünschen und werden auch die Gläubigen in diesem Sinn ermahnen. Am Tage der Volksabstimmung ist es für uns Bischöfe selbstverständliche nationale Pflicht, uns als Deutsche zum Deutschen Reich zu bekennen, und wir erwarten auch von allen gläubigen Christen, daß sie wissen, was sie ihrem Volke schuldig sind.“[11]

Nach seiner Rückkehr von einem Empfang durch Papst Pius XI. in Rom am 6. April 1938 wies Kardinal Innitzer den Wiener Klerus an, deutsche Fahnen an den Kirchen aufzuhängen und am Vorabend der Volksabstimmung die Glocken zu läuten.[12] Am 10. April betrat der Kardinal ein Wahllokal mit dem „deutschen Gruß“.[13][12]

Mitglieder

Vorsitzende

Folgende Bischöfe waren Vorsitzende seit dem Konkordat von 1933:

Ehemalige Mitglieder

Die nachstehenden Bischöfe haben, zumeist aus Altersgründen, ihre Funktionen zurückgelegt und sind daher auch nicht mehr Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Maximilian Aichern OSB (* 26. Dezember 1932), Diözesanbischof von Linz 1982–2005
  • Elmar Fischer (* 6. Oktober 1936), Bischof von Feldkirch 2005–2011.
  • Paul Iby (* 23. Jänner 1935), Diözesanbischof von Eisenstadt 1992–2010
  • Egon Kapellari (* 12. Jänner 1936), Bischof von Gurk-Klagenfurt 1982–2001, Bischof von Graz-Seckau 2001–2015
  • Alois Kothgasser SDB (* 29. Mai 1937), Bischof von Innsbruck 1997–2002, Erzbischof von Salzburg 2003–2013
  • Helmut Krätzl (* 23. Oktober 1931) Weihbischof in Wien 1977–2008
  • Klaus Küng (* 17. September 1940), Bischof von Feldkirch 1989–2004, Bischof von St. Pölten 2004–2018,
  • Andreas Laun OSFS (* 13. Oktober 1942), Weihbischof in Salzburg 1995–2017
  • Kassian Lauterer OCist (* 29. Jänner 1934), Abt von Wettingen-Mehrerau 1968–2009
  • Ludwig Schwarz SDB (* 4. Juni 1940), Weihbischof in Wien 2001–2005, Bischof von Linz 2005–2015
  • Anselm van der Linde OCist (* 24. September 1970), Abt der Territorialabtei Wettingen-Mehrerau 2009–2018
  • Christian Werner (* 27. Dezember 1943), Militärbischof von Österreich 1994–2015

Einzelnachweise

  1. Österreich: Schönborn bleibt Vorsitzender. In: Nachrichtenarchiv. Radio Vatikan (Hrsg.), 9. November 2016, abgerufen am 20. Februar 2020.
  2. Über uns → Generalsekretariat. In: Website der Österreichischen Bischofskonferenz. Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz, abgerufen am 20. Februar 2020.
  3. 1 2 Über uns. In: Website der Österreichischen Bischofskonferenz. Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz, abgerufen am 20. Februar 2020.
  4. II. Gesetze und Verordnungen, Ziffer 1: Statuten der Österreichischen Bischofskonferenz. In: Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz, Nr. 40, 1. Oktober 2005, S. 4–7 (Volltext Online (PDF) auf der Website der Österreichischen Bischofskonferenz, abgerufen am 20. Februar 2020): „Diese Statuten wurden von der Österreichischen Bischofskonferenz beschlossen und durch die Kongregation für die Bischöfe am 24. März 2001 rekognosziert. Die Recognitio der nach Beschluss der Bischofskonferenz durchgeführten Statutenergänzung in § 8 durch die Kongregation für die Bischöfe erfolgte am 18. Juni 2005.“
  5. Amtsblatt. In: Publikationen auf der Website der Österreichischen Bischofskonferenz, abgerufen am 20. Februar 2020.
  6. Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhle und der Republik Österreich samt Zusatzprotokoll StF: (BGBl II Nr. 2/1934); Gesamter Rechtstext i.d.g.F. im Rechtsinformationssystem des Bundes.
  7. 1 2 3 4 Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Econ Verlag, Düsseldorf/Wien 1980, ISBN 3-430-12064-0, S. 903.
  8. Avro Manhattan: The Vatican in World Politics. 1949, S. 250.
  9. M. M. Scheinmann (Sejnman): Der Vatikan im Zweiten Weltkrieg. 1954, S. 45.
  10. Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Düsseldorf/Wien 1980, S. 904.
  11. 1 2 Wiener Neueste Nachrichten. 14. Jg., Nr. 5501, 28. März 1938.
  12. 1 2 3 Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Düsseldorf/Wien 1980, S. 905.
  13. M. M. Scheinmann (Sejnman): Der Vatikan im Zweiten Weltkrieg. 1954, S. 48.
  14. Nomina di Membri del Pontificio Consiglio per la Promozione della Nuova Evangelizzazione. In: Tägliches Bulletin (00026-01.01; italienisch), Presseamt des Heiligen Stuhls (Hrsg.), 5. Jänner 2011.
  15. Lackner neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz. In: ORF.at. 16. Juni 2020, abgerufen am 16. Juni 2020.