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vom 23.01.2019, aktuelle Version,

Oetz

Oetz
Wappen Österreichkarte
Wappen von Oetz
Oetz (Österreich)
Oetz
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Imst
Kfz-Kennzeichen: IM
Fläche: 29,17 km²
Koordinaten: 47° 12′ N, 10° 54′ O
Höhe: 812 m ü. A.
Einwohner: 2.402 (1. Jän. 2018)
Bevölkerungsdichte: 82 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6433
Vorwahl: 05252
Gemeindekennziffer: 7 02 14
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 51
6433 Oetz
Website: www.oetz.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Hansjörg Falkner (ÖVP)
Gemeinderat: (2016)
(15 Mitglieder)

14 Die Oetzer Bürgerliste mit Bürgermeister Hansjörg Falkner, 1 Alternative für Ötz – AfÖ

Lage von Oetz im Bezirk Imst
Arzl im PitztalHaimingImstImsterbergJerzensKarresKarröstenLängenfeldMiemingMils bei ImstMötzNassereithObsteigOetzRietzRoppenSt. Leonhard im PitztalSautensSilzSöldenStamsTarrenzUmhausenWennsTirol (Bundesland) Lage der Gemeinde Oetz im Bezirk Imst (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap

Blick vom Kalvarienberg
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Oetz ist eine Gemeinde im Bezirk Imst (Gerichtsbezirk Silz) in Tirol in Österreich mit 2402 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2018).

Geografie

Oetz liegt im vorderen Ötztal in einer Talweitung zwischen zwei Bergsturzlandschaften. Der Ort, ein Haufendorf, hat durch seine Beckenlage am Fuß des 3007 m hohen Acherkogels ein besonders mildes Klima, weshalb er wie die Bezirksstadt Imst mitunter "Meran Nordtirols" genannt wird. Südwestlich des Hauptortes fließt die Ötztaler Ache.

Die Gemeinde besteht aus den Dörfern Ötz, dem seit Längerem damit verwachsenen Ötzermühl, sowie den eigenständigen Dörfern Ötzerau, Habichen und Piburg. Weiters gehören zur Gemeinde die Weiler Mühlau und Riedeben, die Rotten Ebene, Schlatt, Schrofen, Seite, Stufenreich und Taxegg sowie mehreren Einzelhöfen und Almen. Nachbargemeinden sind Haiming, Sautens, Silz und Umhausen.

Geschichte

Erste Spuren aus der Hallstattzeit weisen darauf hin, dass sich in diesem Gebiet schon vor etwa zweieinhalbtausend Jahren Menschen niedergelassen haben. Erstmals wird „Ez“ in einer – allerdings von Joseph von Hormayr vor 1838 gefälschten – Schenkungsurkunde Herzog Heinrichs des Löwen an das Stift Wilten zu angeblich 1166 genannt.[1]

An diese fälschliche Nennung erinnert heute noch der Gemeindesaal von Oetz, der Mitte der 1990er-Jahre nach einem Ideenwettbewerb als Saal „Ez“ bezeichnet wurde.[2] Diese Bezeichnung stellt auch deshalb eine krasse Missinterpretation dar, weil "Ez" in einem in Latein verfassten Satz aufscheint und daher kein "tz" kennen kann. Richtig transkribiert müsste die Bezeichnung daher "Etz" lauten – genau so, wie der Name des Ortes auch heute noch im Dialekt verwendet wird und früher im Mittelhochdeutschen geschrieben wurde. Eine andere Schreibvariante war "Ecs".

Wie das ganze Tal gehörte Ötz zum Gericht Petersberg bei Silz, das Herzog Meinhard II. 1266/67 unter seine Landesherrschaft brachte. „Dingstatt“ (Ort des Gerichtstages) für das Ötztal war in Ötz, deshalb erhielt das Tal auch nach dieser Gemeinde seinen Namen.

Die abgegangene Burg Auenstein befand sich im 12. Jahrhundert in Ötzerau.

Wie auch in anderen Orten der Umgebung, spielte der Flachsanbau ab dem 17. Jahrhundert eine große Rolle, bis er Anfang des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Ötz immer mehr zu einer Tourismusgemeinde. Bereits 1877 wurde durch den Hotelier und Reichsratsabgeordneten Johann Tobias Haid der erste Verschönerungsverein gegründet. Es folgte ein Boom ab Mitte des 20. Jahrhunderts. Seit den 1990er Jahren sind die Betten- und Nächtigungszahlen allerdings wiederum rückläufig, sie betragen aktuell nur zwei Drittel des damaligen Wertes, vor allem, weil sich viele einstige Privatzimmervermieter vom Tourismus abgewandt haben. Die Gemeindeführung versucht nun, mit umstrittenen Projekten diesem Schwund entgegen zu wirken.[3]

Name

Der Name der Gemeinde geht auf das althochdeutsche Wort "etzen" zurück.[4] Der Begriff bedeutet "abweiden". Im Laufe der Labialisierung wandelte sich bei "Etz" das "E" zum "Ö". Zwischenstufen, bei denen oberhalb des "O" oder daneben ein kleines "e" aufscheint, belegen die örtlichen Kirchenmatriken, in welchen von „Oetz“ zu lesen ist. Natürlich entspricht diese Version ausschließlich "Ötz", das, so geschrieben, in vielen Überlieferungen zu finden ist. Trotzdem zeigen andere Schriftstücke gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch die Schreibweise "Oetz". Vornehmlich Druckwerke. Dies hat Gründe, die in der Typografie zu orten sind. Gerade im Buchdruck und Zeitungswesen konnten keine Umlaute dargestellt werden. Deshalb war zu dieser Zeit auch von "Oetz im Oetzthale" zu lesen.[5]

Im Jahr 1995 merkte das Tiroler Landesarchiv zur Schreibweise "Oetz" an: "Erst zum Ende des 18. Jhdts.* bürgerte sich vorübergehend die sinnstörende Schreibung ,Oetz´ ein, die entgegen zahlreicher Expertengutachten noch immer fortbesteht."[6] Dessen ungeachtet beantragte die Ötzer Gemeindeführung im Jahr 2014 beim Land Tirol die Änderung der offiziellen Schreibweise von "Ötz" in "Oetz".[7] Die Begründung: Es habe sich bei "Oetz" um die "immer schon verwendete" Version gehandelt. Dem Antrag wurde stattgegeben, weil jede Gemeinde selbst bestimmen kann, wie sie heißen will, auch wenn die Schreibweise mit der Tradition und der Sinnhaftigkeit bricht. Allerdings trägt die eigentliche Katastralgemeinde nach wie vor die ursprüngliche Bezeichnung "Ötz". Auch die Schreibweise der Ortsteile und Weiler wie etwa "Ötzerberg" wurde nicht geändert.

Damit stellt die Version "Oetz" eine bizarre Ausnahme dar. Sowohl das Tal ("Ötztal"), der Tourismusverband ("TVB Ötztal") als auch andere Ortsnamen ("Ötztal-Bahnhof", "Kühtai", "Köfels", "Sölden") und Testimonials wie "DJ Ötzi" oder auch der Eismann "Ötzi" werden mit Umlauten geschrieben. Auch "Östen" kehrte wieder zu seinem Umlauf zurück, obwohl es etwa in der Franziszeischen Landkarte von 1856 als "Oesten" geschrieben stand. All dies mag als Beweis dafür verstanden werden, wie widersinnig die Änderung des Ortsnamens von "Ötz" in "Oetz" letztlich ist.

Bevölkerungsentwicklung

Wirtschaft

Die Gemeinde ist ein zweisaisonaler Fremdenverkehrsort mit dem Ski- und Wandergebiet Hochoetz. Viele Einwohner pendeln allerdings täglich zu ihren Arbeitsplätzen in größere Orte (Imst, Landeck und Innsbruck). Der Verkehr ist es auch, welcher der Gemeinde die größten Probleme bereitet. Laut Verkehrszählung des Landes Tirol[8] rollen täglich durchschnittlich rund 14.500 Fahrzeuge, an Spitzentagen sogar über 21.000, durch den Vorderötztaler Ort – mehr als über den Fernpass. Die Gemeindeführung kündigte daher im Jahr 2018 einen „Masterplan“ zur Lösung an.[9]

Die touristisch besten Zeiten hatte Ötz Ende der 1970er-, Anfang der 1980er Jahre: 1981 waren 398.710 Übernachtungen zu verzeichnen gewesen. Ein Wert, der seitdem bei Weitem nicht mehr erreicht werden sollte. Im Gegenteil: Die Übernachtungsstatistik pendelte sich mit dem Jahrtausendwechsel bei rund einer Viertelmillion ein, und dies, obwohl seitdem das Skigebiet Hochoetz mehrfach erweitert und in näherer Umgebung zahlreiche touristische Großprojekte wie der "Aqua Dome", die "Area 47" etc, errichtet wurden.

Neues Skigebiet heftig umstritten

Analog den umstrittenen neuen Beherbergungsbetrieben ("Investorenmodellen") soll der dahinsiechende Tourismus aktuell mit einem, ebenfalls heftig umstrittenen, neuen Skigebiet wiederbelebt werden.[10] Das Unterfangen, welches das bis dato nahezu unberührte Gebiet auf den so genannten Feldringer Böden und dem Schafjoch betrifft, läuft unter dem Deckmantel "Skigebietszusammenschluss Hochoetz-Kühtai". Drei geplante Lifte (mit jeweils zwei Doppelsektionen) sowie ein damit notwendigerweise verbundener riesiger Speicherteich für die Beschneiung der überwiegend nach Süden ausgerichteten Hänge sind allerdings ein eindeutiges Indiz für eine Neuerschließung. Auch die Stamser Alm soll angebunden werden, was die Kritiker als Einfallstor für eine weitere Erschließung vom Inntal aus werten. Gegen das Vorhaben tritt eine Bürgerinitiative[11] auf, die innerhalb der ersten zwei Monate 6.500 Unterstützungserklärungen sammeln konnte (in Oetz: 300, in Haiming: 500, in Silz: 300). Ihr angeschlossen haben sich mittlerweile sowohl der Österreichische Alpenverein als auch die Tiroler Naturfreunde. Das Projekt gilt somit als Nagelprobe für die Novelle des aufgeweichten "Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramms". Dieses wird, nachdem das für Oetz besonders relevante Verkehrsthema ebenfalls nicht Platz gefunden hat, unter anderem vom Transitforum abgelehnt.

Medial gab es nach Veröffentlichung auf einer Internet-Aufdeckerseite auch deshalb Aufregung, weil die Nutzung der Feldringer Böden auch im Sommer angedacht war (Downhill-Biking).[12] Bei Gemeinderatssitzungen in Haiming und Silz kurz vor Jahresende 2018 sickerte durch, dass die Projektwerber bereits auch ein Bergrestaurant am Schafjoch, also an der höchsten Stelle des möglichen neuen Skigebietes, ins Auge gefasst, aber bisher gleichfalls verschwiegen haben. Ebenso wie den Bau von Hallen für Pistengeräte und dgl.

Bereits vorher hatten die Initiatoren der Initiative gegen die Erschließung der Feldringer Böden und des Schafjochs bereits an Landeshauptmann Platter eine Petition mit 9.000 Unterstützungserklärungen überreicht.[13] Die schwarzen-grünen Regierungsparteien entschieden sich im selben Zeitraum für eine Fortschreibung der bisherigen Seilbahngrundsätze, womit auch das neue Schigebiet als grundsätzlich „genehmigungsfähig“ gilt. Allerdings hat diese landespolitische Einschätzung wenig bis gar keinen Einfluss auf das weitere Behördenverfahren, wie der zeitgleiche Fall des Projektes Kappl-St. Anton untermauert.[14] In diesem entschied das Bundesverwaltungsgericht in zweiter Instanz gegen eine Neu-Erschließung des Malfontales. Das Bundesverwaltungsgericht sah kein ausreichendes öffentliches Interesse, das die Naturbeeinträchtigung durch die Skischaukel gerechtfertigt hätte.

Eine ähnlich gelagerte, lang andauernde, rechtliche Auseinandersetzung droht nun für das Nedertal zwischen Oetz und Kühtai. Zur Wehr gesetzt haben sich dort Bauern der Agrargemeinschaft, über deren Grund das Projekt führen würde.[15] Auch die Jägerschaft hat ihren Protest dokumentiert.[16] Weitere Widerstände werden sich für die Projektwerber aus Fauna und Flora ergeben, weil das neue Schigebiet die Lebensräume der Quell- und Niedermoore (), von Raufußhühnern (Tetraoninae), Alpen-Mosaikjungfern (Aeshna caerulea / vom Aussterben bedroht),[17] Kleinen Moosjungfern (Leucorrhinia dubia / stark gefährdet),[18] Bergmolchen (Ichthyosaura alpestris / potenziell gefährdet), Krickenten (Anas crecca / machen hier Station),[19] Wacholderdrosseln (Turdus pilaris)[20] usw. zerstören. Neben zahlreichen inländischen Medien hat bereits die ARD ("Report München" und "Tagesschau 24") über das geplante Skigebiet berichtet.[21] Wahrscheinlich wird sich auch der Deutsche Alpenverein dem Protest anschließen. Der Großteil der Bevölkerung von Ötz kritisiert die fehlende Information und Eingebundenheit in den Entwicklungsprozess.

Investorenmodelle und Chalet-Dörfer

Bei Investorenmodellen werden vorwiegend Luxus-Appartements unter dem Vorwand einer touristischen Verwertung erworben. Die überwiegend ausländischen Käufer gründen dazu (Schein-)Firmen und ersparen sich dadurch die Umsatzsteuer, welche als garantierte "Erlösausschüttung" innerhalb einer gewissen Zeit an sie zurückfließt. Ihre neu erworbenen Immobilien stehen für den Eigenbedarf zur Verfügung, werden offiziell aber auch einer Betreibergesellschaft zur Vermietung überlassen. Weil diese Ferienwohnungen in weiterer Folge allerdings meistens gar nicht gebucht werden können, und falls doch, eine Kontrolle über die Häufigkeit so gut wie nicht möglich ist, will die Europäische Union diese bodenspekulative Schlupflöcher zu Lasten der einheimischen Bevölkerung stopfen. Auch das Land Tirol spricht sich mittlerweile gegen die bis 2019 gelebte Praxis der Investorenmodelle und landschaftsverbrauchenden Chalet-Dörfer aus. Sie befürchtet im Falle des Scheiterns solcher Konstruktionen massive Probleme für die betroffenen Gemeinden, u. a. wegen fehlender inländischer Zustelladressen oder mangelnder Vollstreckbarkeit von Bescheiden. Um daher derartige „Investitionsruinen“ und „Leerstände“ zu verhindern, soll laut Land geprüft werden, ob im Wohnungseigentumsgesetz eine Bestimmung eingefügt werden kann, um Wohnungseigentum in Beherbergungsbetrieben einzuschränken. Das Land will an den Bund herantreten, damit der Erwerb von Wohnungen nach dem Inbestorenmodell verboten wird.[22] Trotzdem alledem hat die Oetzer Gemeindeführung weiteren Projekte durch die Ausweisung von entsprechenden Flächen grundsätzlich bereits grünes Licht erteilt.

Politik

Bis zum Jahr 1849 gab es in den verschiedenen Orten sogenannte Vorsteher oder Ortsvorsteher. Die ersten bekannten Ortsvorsteher in Ötz waren: Bartlmä Morherr, gestorben 1858, er war 44 Jahre lang Lehrer und Organist. Sein Sohn Alois Morherr wird im Traubuch der Pfarre ebenfalls als Ortsvorsteher geführt, auch er war Organist und Lehrer.

Weitere Bürgermeister: Franz Alois Jäger (1890–1908); Heinrich Schöpf (1908–1911); Alois Neurauter (1911–1915); Nikolaus Jäger (1916–1922); Jakob Kuen (1922–1938); Kurt Schwemberger, Paul Hantinger, Klaus Plattner (diese drei waren während des 2. Weltkrieges als Dorfverantwortliche eingesetzt); Franz Grießer (übergab 1945 an die Besatzung); Alois Schmid (1945–1950); Walter Gritsch (1950–1986); Joachim Grießer (1986–2004); Hansjörg Falkner (2004– ?).[23]

Politik seit dem 2. Weltkrieg

Als der Langzeitbürgermeister ging Walter Gritsch in die Ortsgeschichte ein. Im Krieg zunächst verwundet, dann als Ausbildner der Deutschen Wehrmacht tätig, fungierte er in den letzten Monaten des 2. Weltkrieges auch als Widerstandskämpfer. Danach arbeitete er als Gemeindesekretär, ehe er sechs Perioden lang an der Spitze der Gemeinde stand – aber schlussendlich abgewählt wurde. In seine Amtszeit fiel unter anderem der Neubau der Badeanstalt am Piburger See. Sein Nachfolger und plitischer Widerpart, Joachim Grießer, ein Reisekaufmann, versuchte vergeblich, den Tourismus zu intensivieren. Während seiner Amtszeit wurden die Ötzer Bergbahnen an jene von Sölden verkauft. 2003 wurde bekannt, dass Grießer die Bevölkerung in einer Postwurfsendung wissentlich falsch informiert hatte.[24] Grießer trat bei den Wahlen im darauffolgenden Jahr nicht mehr an. Der ihm nachfolgende Hansjörg Falkner, Bautechniker von Beruf, ist bestrebt, die Arbeit seines Mentors weiter zu führen. Wie sein Vorgänger bekleidet er den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Bergbahnen.

Falkners Bürgerliste ist seit den jüngsten Wahlen im Jahr 2016 mit einer überdeutlichen Mehrheit von 14 (bei insgesamt 15) Mandaten ausgestattet. Dieser im Politgeschehen des Landes durchaus außergewöhnliche Umstand kam dadurch zustande, dass die vorher bestehende Gemeinschaftsliste von Alois Amprosi, dem langjährigen Vizebürgermeister, kurz vor dem Urnengang mit der Bürgerliste fusioniert wurde. Unternehmer Amprosi war zuvor durch dubiose Grundstücksgeschäfte in die Schlagzeilen geraten. Dessen Familie ist nun durch Sohn Michael im Gemeinderat vertreten.[25] Falkners Schwerpunkt liegt auf verschiedensten Bauprojekten wie dem des mittlerweile dritten Gemeindehauses im Ort oder dem des Musikpavillons. Er gilt als vehementer Verfechter des „Liftzusammenschlusses“ sowie der „Investorenmodelle“ und Chalet-Dörfer.[26] Unter seiner Federführung stieg der Verschuldungsgrad der Gemeinde von 38 auf 53 % (2017).

Ebenfalls auf medialen Druck hin musste 2018 der bis dato bekannteste Politiker der Gemeinde, Dominik Schrott, zurücktreten. Der Kurzzeit-Nationalrat stolperte über mehrere Affären[27][28] und musste nach nicht einmal einem ganzen Jahr im Amt bereits wieder seinen Hut nehmen.

Gemeindezeitung

Die Ötzer Gemeindezeitung wurde 1959 von Walter Gritsch initiiert. Ursprünglich als sparsame und nüchterne „Mitteilungen des Bürgermeisters“ konzipiert, erfuhr das Medium unter Joachim Grießer seine Wandlung zu einem politischen Magazin („Gemeindebote“), das seitdem unter der exklusiv-redaktionellen Leitung der Mandatare oder Sympathisanten der Bürgerliste steht. Seinen Namen änderte das Blatt in den vergangenen 30 Jahren mehrfach, unter anderen erschien es in Wahlkampfzeiten als „Bürgerbote“. Der aktuelle Name lautet nun „OETZER Gemeindebote“. Er wird lediglich einmal im Jahr editiert und bietet neben den Vereinsberichten aufgrund der Verquickung mit der Einheitspartei keine Meinungsvielfalt. Finanziert wird der Gemeindebote vorrangig aus Steuermitteln und zum geringeren Teil aus Inseraten.

Familienfreundliche Gemeinde

Wie in den Nachbargemeinden Haiming und Sautens wurde 2018 die Aktion „Familienfreundliche Gemeinde“ durchgeführt. Unter der Patronanz des Landes Tirol soll dabei „die Attraktivität der Gemeinde als Wirtschaftsstandort erhöht und ein Wettbewerbsvorteil als Tourismusdestination geschaffen werden“[29]. In Arbeitskreisen wurden dazu Themenlisten erstellt und nach Dringlichkeit sortiert. An erster Stelle stand danach die Problematik „Verkehr“. Die Gemeindeführung hat sich verpflichtet, die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen und Missstände zu beseitigen.

Tourismus

Bis zur Fusion der Ortsverbände des Tales stellte der TVB Ötz eine eigene Institution dar. Die letzten eigenständigen Obmänner waren Hans Röck und Kurt Fischer. Der Talverband Ötztal Tourismus stand anfangs unter dem Motto „Ein Band, das verbindet“ und zeigte neben einem bunten Streifen lediglich den einheitlichen Schriftzug „Ötztal“. Bald wurden auf dem Band aber auch die Logos von Sölden und Obergurgl platziert. Hinweise auf andere Talgemeinden fehlen seitdem. Nach einer kurzen Übergangsperiode mit Anton Haid als Ortsausschussobmann, steht nunmehr Roland Haslwanter an der Spitze. Der Unternehmer fungiert auch als Gemeinderat und ist im Vorstand der Bergbahnen tätig.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Die spätgotische Pfarrkirche wurde barock erweitert.
  • Im Ortskern sind historische Gasthöfe teils mit Fassadenmalereien.
  • Das Turmmuseum erhielt den Museumspreis des Bundeslandes Tirol 2004.

Freizeit und Sport

  • Kajakmeisterschaften: Oetz ist häufig Schauplatz von Kajakmeisterschaften wie der Sick LIne, die auf der Ötztaler Ache stattfindenden.
  • Die Ötztaler Ache wird kommerziell mit Rafts befahren.
  • Fahrrad: Oetz ist Startpunkt für die – mit dem Fahrrad sehr anspruchsvolle – West-Ost-Überquerung des Kühtaisattels.
  • Ski alpin: Skigebiet Hochoetz

Piburger See

Ein beliebtes Ausflugsziel ist der nahe gelegene Piburger See. Der 800 m lange, 250 m breite und bis zu 25 m tiefe See ist das Ergebnis eines Bergsturzes. Das naturbelassene Gewässer stellt den größten See im Ötztal dar. Er ist mit bis zu 23 °C auch der wärmste Gebirgssee Tirols.

„Der schönste Spaziergang Tirols ist von Roppen über Sautens zum Piburger See und über die Achstürze nach Oetz.“ (Bruder Willram, Dichter)

Blick auf die Pfarrkirche und die Straße zum Kühtaisattel

Der Piburger See ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Tirols. Bereits 1929 wurde er zum Naturdenkmal erklärt. 1983 konnte das Schutzgebiet erweitert werden, es entstand das heutige Landschaftsschutzgebiet Achstürze-Piburger See. Landschaftsschutzgebiete sind Gebiete, die zur Erhaltung der besonderen landschaftlichen Eigenart und Schönheit und des sich daraus ergebenden Erholungswertes unter Schutz gestellt werden. Der Schutz von Tieren und Pflanzen tritt hier in den Hintergrund. Im Frühjahr 2004 wurde seitens der Tiroler Landesregierung eine Betreuungsstelle für dieses Schutzgebiet eingerichtet. Wesentliche Aufgaben der Gebietsbetreuung sind die Vermittlung der Besonderheiten und der Bedeutung eines Schutzgebietes und damit die Sensibilisierung der Bevölkerung dafür.

Die urkundlich belegte Geschichte des Sees geht auf das Jahr 1282 zurück, als Graf Meinhard II. den See als Zugehör des benachbarten Hofs Piburg dem Stift Stams im Oberinntal schenkte. Diese Urkunde stellt eine der vier ältesten schriftlichen Aufzeichnungen des Landes Tirol dar. 1860 verkaufte das Stift den See an den als "Teufelsschmied" bekannten Johann Leitner, 1876 kam er in den Besitz der Familie Pfaundler. 1980 kaufte die Gemeinde Oetz den See und ließ die alte Bade- und Bootsanlage erneuern.[30]

Die Geschichte erzählt:

„Wo dieser Gebirgssee in Ötzthal seine Wellen schlägt, war vor Zeiten eine schöne Ebene mit einem stolzen Bauernhofe und einer freundlichen Kapelle. Hof und Kapelle sind versunken, weil die dortigen Bewohner den Feiertag nicht heiligten. Sie waren so gottlos, daß sie am hohen Unserfrauentag (15. August) das Heu, das sie am vorigen Tage gemäht hatten, einführten. Als sie aber mit dem ersten großen Fuder zum Stadel kamen, wich plötzlich der Boden und der ganze Hof versank mit Mann und Maus.“

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Kassian Haid (1879–1949), Abt der Abtei Mehrerau und Generalabt der Zisterzienser
  • Rudolf Klotz (1921–1986), österreichischer Heimatforscher und Schriftsteller
  • Adolf Trientl (1817–1897), Priester und Landwirtschaftsberater
  • Hans Jäger (1937–2012), Galerist und Sammler, Begründer des Turmmuseums und des dazugehörigen -vereines[31]

Literatur

  • Geschichtskunde des Ötztales (Schlern-Schriften 229). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1963.
  • Eduard Widmoser: Oetz – Geschichte und Gegenwart. Anläßlich der 1977 stattgefundenen Hundertjahrfeier des Fremdenverkehrs in Oetz. Eigenverlag der Gemeinde, Oetz 1978

Einzelnachweise

  1. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Bd. 2: 1140–1200. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7030-0485-8, S. 184–185 Nr. 625 (mit ausführlichen Bemerkungen).
  2. Bernhard Stecher: Die Sache mit dem sächlichen Gemeindesaal, in: wöll, töll, völl – Mythos Ötztal, bp10.at, 2017. Hrsg.: Bernhard Stecher. Oetz, ISBN 978-3-200-05132-4.
  3. Tiroler Tageszeitung Online: Wohngebiet in Oetz muss Investorenmodell Platz machen | Tiroler Tageszeitung Online - Nachrichten von jetzt! In: Tiroler Tageszeitung Online. (tt.com [abgerufen am 5. Mai 2018]).
  4. Albert L. Lloyd, Otto Springer, Rosemarie Lühr, Karen K. Purdy: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, 1988, ISBN 978-3-525-20768-0 (google.at [abgerufen am 5. Mai 2018]).
  5. Bernhard Stecher: wöll töll völl - Mythos Ötztal. 2. Auflage. bp10.at, Oetz 2018, ISBN 978-3-200-05132-4, S. 132144.
  6. Sebastian Hölzl: Die Gemeindearchive des Bezirkes Imst. Hrsg.: Land Tirol. 1995.
  7. Tiroler Tageszeitung Online: Schritt zurück und aus Ötz wird Oetz | Tiroler Tageszeitung Online - Nachrichten von jetzt! In: Tiroler Tageszeitung Online. (tt.com [abgerufen am 5. Mai 2018]).
  8. Land Tirol: Verkehrslage/-statistik
  9. Tiroler Tageszeitung Online: „Das Ötztal braucht Masterplan“ | Tiroler Tageszeitung Online – Nachrichten von jetzt! In: Tiroler Tageszeitung Online. (tt.com [abgerufen am 28. März 2018]).
  10. Parth Thomas: Private Online-Petition wirbelt bei Bergbahnen Oetz weiter Staub auf. In: Tiroler Tageszeitung Online. 12. September 2018 (tt.com [abgerufen am 3. November 2018]).
  11. Feldring-Home. Abgerufen am 3. November 2018.
  12. die tiwag.org - Hammergeile Bike-Area! Freeride-Offroad-Park durch Zusammenschluss K�htai-Hochoetz. Abgerufen am 5. Januar 2019.
  13. Nachrichten. Abgerufen am 7. Dezember 2018.
  14. Umstrittene Skischaukel St. Anton-Kappl gestoppt. 30. November 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  15. Nindler Peter: Hochoetz-Kühtai: Bauern fühlen sich hintergangen. 30. November 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  16. PA Feldring: Jäger gegen Erschließung Feldring. Abgerufen am 7. Dezember 2018.
  17. F. Mungenast: Die Libellen des Gurgltales bei Imst, Nordtirol (Insecta: Odonata). Eine faunistisch-ökologische Untersuchung. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Nr. 81. Innsbruck 2001, S. 142–143 (41 S., zobodat.at [PDF]).
  18. F. Mungenast: Die Libellen des Gurgltales bei Imst, Nordtirol (Insecta: Odonata). Eine faunistisch-ökologische Untersuchung. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Nr. 81. Innsbruck 2001, S. 148–149 (41 S., zobodat.at [PDF]).
  19. W. Gschwandtner: Vögel über 1500 m Seehöhe („Bergvögel“) in Nordtirol, Österreich: Artenspektrum - oberste Verbreitungsgrenzen - Jahresbeobachtungen. In: Monticola (Hrsg.): Beiträge zur Vogelwelt der europäischen Gebirgsregionen. Sonderheft 2008. Band 10. Innsbruck 20. Februar 2008, S. 20 (48 S., zobodat.at [PDF]).
  20. W. Gschwandtner: Vögel über 1500 m Seehöhe („Bergvögel“) in Nordtirol, Österreich: Artenspektrum - oberste Verbreitungsgrenzen - Jahresbeobachtungen. In: Monticola (Hrsg.): Beiträge zur Vogelwelt der europäischen Gebirgsregionen. Sonderheft 2008. Band 10. Innsbruck 20. Februar 2008, S. 34–35 (48 S., zobodat.at [PDF]).
  21. Video: Wintertourismus schadet Alpen - Report München - ARD | Das Erste. Abgerufen am 22. Januar 2019.
  22. Nindler Peter: Holländische Investoren haben es in Tirol gerne heimisch. 21. Januar 2019, abgerufen am 22. Januar 2019.
  23. OETZER Gemeindebote. 2018.
  24. Als ein B�rgermeister seine Sch�fchen belog. Abgerufen am 9. Januar 2019.
  25. Gemeinde Oetz: Politik. Abgerufen am 15. Januar 2019.
  26. Editorial OETZER Gemeindebote 2018. 2018, abgerufen am 4. Januar 2019.
  27. Markus Wilhelm: Das vielleicht verlogenste Exemplar der türkisen Polit-Truppe. Abgerufen am 4. Januar 2019.
  28. Markus Wilhelm: Unsere großen Wirtschaftsführer und ihr stranded investment Schrott. Abgerufen am 4. Januar 2019.
  29. Land Tirol: Familienfreundliche Gemeinde. Abgerufen am 15. Januar 2019.
  30. Bernhard Stecher: wöll töll völl. Hrsg.: bp10.at. 1. Auflage. 2017, ISBN 978-3-200-05132-4, S. 206.
  31. Hans Jäger 1937-2012: Herzblut 2013 und Kunstspuren 2014. Hrsg.: Turmmuseum-Verein. Oetz.
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-- Pachl W, Sonntag, 21. Februar 2016, 11:24