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vom 28.11.2017, aktuelle Version,

Vorarlberger Illwerke

Vorarlberger Illwerke AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1924
Sitz Bregenz, Österreich
Leitung Christof Germann, Helmut Mennel (2013)
Mitarbeiter 604 (2013)[1]
Umsatz 266,4 Mio. EUR (2013)[1]
Branche Energieversorgung
Website www.illwerke.at

Die Vorarlberger Illwerke AG ist ein österreichisches Energieunternehmen mit Sitz in Bregenz. Mehrheitseigentümer ist mit einem Aktienanteil von 95,5 % das Land Vorarlberg.

Die Illwerke unterhalten im Montafon zehn Wasserkraftwerke, mit denen Spitzenlast-Energie für den nationalen und internationalen Strommarkt erzeugt wird. Wasser der Silvretta und umliegender Gebiete wird in einem weit verzweigten System aus Stollen, Rohren, Kanälen und Stauseen zu mehreren Speicherkraftwerken geleitet. Der dort erzeugte Strom wird in das europäische Stromnetz eingespeist und großteils an die Energie Baden-Württemberg AG verkauft.

Die sichtbarsten Komponenten des Wasserkraftsystems bilden die vier großen Stauseen: Um 1930 begannen die Illwerke den Bau des Vermuntstausees, später folgten noch der Silvrettastausee auf der Bielerhöhe (Fertigstellung 1951), der Lünersee (1959) und der Kopssee (1969).

Standorte

Vorarlberger Illwerke AG
Staustufen und Kraftwerke im Montafon
Schematische Darstellung
Überleitung vom Brandner Gletscher 2480 m ü. A.
Ill-Ursprung (Ochsentaler Gletscher) 2460 m
Zuflüsse
Silvretta-Stausee 2030 m
Abfluss zu Ill | Lünersee 1970 m
Zuflüsse
Bachüberleitung aus Tirol
Stausee Kops 1809 m
Obervermuntwerk I 1743 m
  |  Überleitung Kops-Vermunt mit Zuflüssen | Zuflüsse | 
Vermuntsee 1743 m
Obervermuntwerk II (in Bau) 1655 m
Zuflüsse
Speicherbecken Rells (in Bau) 1456 m
Rellswerk (in Bau) 1430 m
Kopswerk II  |  Kopswerk I  |  Vermuntwerk 1025 m
Ausgleichsbecken Partenen 1025 m
Rifawerk 1005 m
Ausgleichsbecken Rifa 1007 m
Zuflüsse
Lünerseewerk 992 m
Pumpwasserkanal Lünerseewerk
Latschauwerk 985 m
Staubecken Latschau 992 m
Kraftwerk Rodund I und II 645 m
Zufluss von Ill
Rodundbecken I bis III 645 m
Abfluss zur Ill
Zufluss Alvier
Zufluss Meng
Walgauwerk 492 m
Ausgleichsbecken Walgau 492 m
Abfluss zur Ill

Bisher wurden verschiedene Kraftwerke sowie kleinere Zwischenwerke erstellt:

Speichersee Latschau
KW Rodund I+II bei Vandans
Der Kopssee

Geschichte

Gründung 1924

Postkarte vom April 1944 von einem bei den Illwerken als „Technieker“ eingesetzten Zwangsarbeiter aus Belgien

Bereits 1895 wurde in Schruns das erste Elektrizitätswerk im Montafon in Betrieb genommen und 1901 wurde auch an der Ill in Lorüns Strom erzeugt.

Die Firma Getzner baute 1896/97 ein Elektrizitätswerk an der Meng für den Spinnereibetrieb in Nenzing. 1917/18 wurden angesichts des zu erwartenden Kriegsendes alternative Energiequellen zur Kohle gesucht und mit ersten Projektüberlegungen die Ausbaufähigkeit der Ill geprüft.[3]

Mit der Unterzeichnung des Vertrages erfolgte am 5. November 1924 die Gründung der Vorarlberger Illwerke Ges.m.b.H. und 1926 begannen die Erschließungs- und Bauarbeiten. Zum Transport der gewonnenen elektrischen Energie ins Ruhrgebiet wurde zeitgleich die Nord-Süd-Leitung (Rheinlandleitung) errichtet. Die anfangs für 220 kV ausgelegte Freileitung verbindet die Umspannwerke Bürs und Brauweiler bei Köln und war 1929 fertiggestellt.

1926 wurde der Landesvertrag 1926 unterzeichnet von der Großkraftwerk Württemberg AG (GROWAG), dem Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), dem Land Vorarlberg (VKW) und den Illwerken (VIW).

Am 20. Dezember 1927 wurde die Geschäftsform in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und es entstand die Vorarlberger Illwerke Aktiengesellschaft. Die Aufgabenstellung war der Ausbau der Wasserkraft im Einzugsbereich der Ill.

Aktionäre waren: GROWAG, OEW, das Land Württemberg, die Württembergische Sammelschienen AG (WÜSAG) und das Land Vorarlberg.

Nach der Inbetriebnahme des Vermuntstausees und dem „Anschluss“ Österreichs förderte das Deutsche Reich den weiteren Ausbau: Die Energiereserven (Wasserkraft) Österreichs waren für das Dritte Reich von großer Bedeutung. Die Machthaber trieben den Ausbau der Kraftwerke ab 1938, nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland, auch in Vorarlberg voran. Die Großbaustellen in der Silvretta beanspruchten eine beträchtliche Zahl an Arbeitern, so dass deutsche und heimische Baufirmen zusätzlich Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf den Baustellen beschäftigten. Aufgrund der Kriegswichtigkeit der Illwerke als Erzeuger von Spitzenstrom bei Engpässen in einem vor Bombenangriffen relativ sicheren Gebiet wurden große Summen in neue Anlagen investiert. Während der NS-Zeit konnten die Illwerke die Stromerzeugung um 243 % steigern, was hauptsächlich auf den Bau der 1943 provisorisch in Betrieb genommenen Werke Rodundwerk I, Obervermuntwerk und Silvrettastausee (Teilstau) und dem Ausbau bestehender Anlagen zurückzuführen ist[4]. Das Latschauwerk war bis Kriegsende nicht fertiggestellt. Die Arbeiten wurden größtenteils von Zwangsarbeitern ausgeführt. So waren auf den Illwerkebaustellen im Oktober 1940 bereits 1410 „freie deutsche Angestellte und Arbeiter“, 172 Wachmannschaften, 1728 „Fremdarbeiter“ und 1590 Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen beschäftigt.[5]

1945 wurde vom Gauleiter von Tirol und Reichsverteidigungskommissar Franz Hofer angeordnet, die Anlagen der Illwerke in Partenen und auf Vermunt gegen die vorrückenden Franzosen zu verteidigen oder gleich zu zerstören. Der Widerstandsgruppe von Partenen unter der Leitung des Illwerke-Ingenieurs Romed Boss gelang es in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, die Soldaten zu entwaffnen und zu verhaften. Die Sprengkapseln wurden dabei unschädlich gemacht und die Munition der Fliegerabwehr im Vermuntstausee versenkt.[6]

Im Bezirk Bludenz (Lager Rungelin und Bings) befanden sich im Juni 1946 noch 182 politische Häftlinge. Auch beim Kraftwerk Rodund waren 80 ehemalige Nationalsozialisten unfreiwillig beschäftigt.[7]

Im Jahr 1947 gingen durch das 2. Verstaatlichungsgesetz 90 % des damaligen deutschen Aktienbesitzes an die Republik Österreich und das Land Vorarlberg.

Nachkriegszeit

In den Jahren 1949 bis 1952 wurden zahlreiche Werkswohnungen in Gantschier und später auf Latschau erbaut.

Der Illwerke-Vertrag 1952 wurde durch die veränderten politischen Verhältnisse nach dem Krieg erforderlich. Es erfolgte eine Neuregelung der vertraglichen Beziehungen zu den deutschen Stromabnehmern.[8]

Der Bau des Lünerseewerks konnte erst nach der Gewährung eines Kredits der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in Washington D.C. (Weltbank) in den Jahren 1954/55 begonnen werden. Der General-Direktor der Illwerke, Anton Amann, wurde im September 1954 zum Schrunser Ehrenbürger ernannt.

In den Jahren 1960 bis 1985 wurden die Kraftwerke Kops 1 (Kavernenkraftwerk), Rodundwerk 2 (Pumpspeicherkraftwerk) und Walgauwerk (Laufkraftwerk) gebaut und in Betrieb genommen.

Mit der Änderung des zweiten Verstaatlichungsgesetzes im Jahr 1987 gab es für die Illwerke mehrere Sonderregelungen. Die RWE schied 1988 als Vertragspartner aus, sodass die Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG (Verbund) sowie die Länder Vorarlberg und Tirol die Rechte und Pflichten übernahmen.

Unternehmungen im liberalisierten Strommarkt

Am 8. November 2000 übernahmen die Illwerke vom Land Vorarlberg dessen Aktienanteile an den Vorarlberger Kraftwerken und wurden damit neuer Hauptaktionär.

Im Jahr 2001 übernahmen im Zuge der Liberalisierung des Elektrizitätsmarktes die Vorarlberger Illwerke AG als größter Stromerzeuger des Landes die Vorarlberger Kraftwerke AG (VKW) und treten seit 2007 unter illwerke vkw auf. Ihren Hauptsitz hat die Gesellschaft in Bregenz, die Zentrale für die Führung und Verwaltung der Illwerke-Kraftwerksanlagen sowie das Engineering ist in Rodund im Illwerke Zentrum Montafon (IZM) situiert.

Die Illwerke AG ist mit über 97 % der Aktienanteile an der VKW AG beteiligt.

Im Jahr 2004 wurde der Bau des größten Kavernen-Pumpspeicherkraftwerks der Welt, Kopswerk 2, in Angriff genommen. Im September 2008 wurde die erste Maschine in Probebetrieb genommen, im Mai 2009 fand die offizielle Eröffnung statt. Das Kraftwerk wurde komplett in den Fels gebaut und von außen ist lediglich das Eingangsbauwerk erkennbar.

Ab 1. Jänner 2010 vermarkten die Illwerke 50 % der in ihren Kraftwerken erzeugten Energie – als Spitzenstrom gefragte Handelsware – im Stromhandel selbst. Die restlichen 50 % bezieht der langjährige deutsche Vertragspartner EnBW, dem auch der Einsatz der Illwerke-Kraftwerke Obere Ill und Lünersee obliegt.

Firmenleitung

Das Unternehmen wird von Christof Germann und Helmut Mennel (Stand Januar 2017) geführt.

Tourismusaktivitäten der Vorarlberger Illwerke AG

Ursprünglich reine Kraftwerksbetreiber, waren die Illwerke von der touristischen Anziehungskraft der Anlagen selbst überrascht, und sind heute eine der wichtigsten tourismus- und freizeitwirtschaftlichen Betreiber des südlichen Vorarlbergs, und auch Verkehrsunternehmen.

Den Kern der Nebennutzung bildet die Silvretta-Hochalpenstraße, ursprünglich als reine Baustraße konzipiert, wurde sie 1954 als Mautstraße dem öffentlichen Verkehr freigegeben. Sie spielt als Alternative zum Arlbergpass als Transitroute keine Rolle, ist aber eine typische Hochgebirgs-Aussichtstraße. Auch die Bahnstrecke Tschagguns–Partenen wurde von den Kriegsjahren bis 1953 für den öffentlichen Nahverkehr in das Hochmontafon betrieben.

Die Stauseen der Illwerke sind durchwegs reizvolle Ausflugsziele der Gegend und Fischrevier (Illwerke Sportfischereiverein).[9]

Zur Illwerke-Gruppe gehören unter anderem inzwischen auch die Tochtergesellschaften Illwerke Seilbahnen GmbH und Illwerke Gaststätten GmbH.

Golmerbahn, Mittelstation Matschwitz (um 1960)

Die Illwerke Seilbahnen GmbH betreibt auch das Skigebiet am Golm mit der in 3 Sektionen gegliederten Einseil-Umlaufbahn Golm (8er-Gondelkabinen), die auch die Zubringerfunktion ins eigentliche Skigebiet übernimmt, sowie den weiteren Sesseliftanlagen Rätikonbahn (6er-Sessellift), Grüneck (4er-Sessellift), Außergolm (4er Sessellift) sowie der Hüttenkopfbahn (6er-Sessellift) mit integrierter Photovoltaik-Anlage.

Ein kleines Skigebiet befindet sich an der Bieler Höhe, das aber durch Shuttlebusdienste über weitläufige Abfahrten verfügt und auch gute Skitoureninfrastruktur bietet.

Weiters wurden in Latschau eine Alpine-Coaster-Anlage (zweisitzige Schlitten auf Edelstahlschienentrasse) nach Vandans gebaut, weiters noch der Kletterpark Latschau sowie eine Flying-Fox-Anlage - ca. 800 m Flug vom Waldseilpark Latschau zur Bergstation des AlpinCoasters - errichtet. Dadurch wurde das Freizeitangebot speziell für junge, aktive Urlaubsgäste ganzjährig im Montafon wesentlich verbessert.

An der Vermuntbahn in Partenen wurden mit der Europatreppe 4000, dem Wasser-Erlebnisstollen Vermunt auf der Bergstation Tromenier, den Ausstellungen im Verschnausastollen und im Vallülasaal in Partenen, und dem Technikmuseum Alte Sperrkammer Trominier eine Reihe von Attraktionen geschaffen.

Als gastronomische Einrichtungen stehen im Sommer das Restaurant Silvrettasee und das Silvrettahaus auf der Bielerhöhe (ca. 2000 m hoch) am Silvrettastausee, die Douglasshütte (mit Unterkunftmöglichkeit) am Lünersee sowie im Winter das Restaurant Grüneck mit Sonnenterrasse, Wintergarter, Panoramarestaurant sowie einer Skibar mitten im Golmer Skigebiet zur Verfügung.

Wie auch andere große Kraftwerksbetreiber des Alpenraums sind die Illwerke heute auch besonders um Naturschutz und Landschaftspflege bemüht, um die Wirkung der technischen Anlagen auch als tourismuswirtschaftlicher Motor der Region zu fördern. So werden die jüngeren Projekte – touristische wie kraftwerkstechnische – zunehmend mit möglichst geringem Landschaftsverbrauch und in Abstimmung mit den örtlichen Interessen umgesetzt.

Lehrlingsausbildung

Die Vorarlberger Illwerke bilden Lehrlinge am Standort Rodund aus und schicken sie je nach Lehrberuf auch in die verschiedenen Werke und Standorte. Die Ausbildung erfolgt sowohl in der Lehrwerkstätte Rodund (technische Berufe) als auch im Betrieb selbst. Eine duale Ausbildung prägt das System, was bedeutet, dass die Lehrlinge parallel in Betrieb und Berufsschule ausgebildet werden.

Mit Stand 2017 werden sechs Lehrberufe ausgebildet:

  • Metalltechniker/-in
  • Informationstechnologe/-in
  • Elektrotechniker/-in
  • Elektroniker/-in – angewandte Elektronik
  • Bürokaufmann/-frau
  • Seilbahntechniker/-in

Die Ausbildung dauert je nach Lehrberuf 3,5 bis 4 Jahre.

Sonstiges

Im Januar 2015 begründete die Vorarlberger Illwerke AG zusammen mit neun anderen Vorarlberger Unternehmen das „Klimaneutralitätsbündnis 2025“ mit dem Ziel, ihre gesamten Aktivitäten bis zum Jahr 2025 zu 100 Prozent klimaneutral zu gestalten.[10]

Literatur

  • Klaus Plitzner: Der Weg nach Süden! Oder doch nach Norden? Von den Anfängen der Elektrizitätswirtschaft in Vorarlberg bis zur Gründung der „Vorarlberger Illwerke“ bis in die 1930er Jahre, in: Helmut Maier (Hrsg.): Elektrizitätswirtschaft zwischen Umwelt, Technik und Politik: Aspekte aus 100 Jahren RWE-Geschichte 1898–1998, Freiberg 1999, S. 89–127.
  Commons: Vorarlberger Illwerke AG  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Geschäftsjahr 2013 (Memento vom 12. August 2014 im Internet Archive) der Illwerke AG
  2. Montafoner Heimatbuch, Herausgeber: Stand Montafon, 1974.
  3. Vorarlberger Illwerke AG, Herausgeber: Vorarlberger Illwerke Aktiengesellschaft 1989, Druck: Sedlmayr KG Dornbirn, (Firmabuch mit 103 Seiten in A4)
  4. Margarethe Ruff, Vorarlberger-Autoren-Gesellschaft (Hrsg.): Um ihre JUGEND betrogen. Bregenz 1996, ISBN 3-900754-19-5.
  5. Montafoner Heimatmuseum Schruns: Sonderausstellung Montafon 1945-1955
  6. Montafon 1945-1955 - Ein Tal im Aufbruch (PDF; 220 kB)
  7. RWE und EVS waren berechtigt und verpflichteten sich, je ein Drittel der erzeugten Energie abzunehmen. Tirol und Vorarlberg (Länderdrittel) waren berechtigt, aber nicht dazu verpflichtet.
  8. Illwerke Sportfischereiverein
  9. Vorarlberger Unternehmen gründen Klimaneutralitätsbündnis (9. Januar 2015)