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5. Hanslick und die analytische Philosophie: eine produktive Rezeption
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kreisförmige GegenstĂ€nde â FuĂbĂ€lle, Planeten, Murmeln â umrisshaft âdar-
stellenâ, lassen jedoch keine einzelne treffende Deutung zu. Doch sind mit
der zirkulÀren Silhouette diverse weitere Objekte, die mit ihr keine wirkli-
che KohÀrenz aufweisen, von der entsprechenden Interpretation ausgeschlos-
sen, was Kivys These der kompletten ArbitraritÀt widerspricht. Nach Hans-
licks Argument sind auch Abstufungen der Eindeutigkeit von ExpressivitÀt
zweifellos erreichbar, was man etwa daran sieht, dass Hanslick bei Christoph
Willibald Glucks Arie âChe farĂČ senza Euridiceâ explizit betont, dass âMusik
fĂŒr den Ausdruck schmerzlicher Traurigkeit gewiĂ weit bestimmtere Töne
besitztâ (VMS, S. 57).1605 Hanslick nimmt somit weder an, dass eine monisti-
sche Kongruenz der dynamischen Eigenschaften von GefĂŒhl und Musik eruiert
werden könnte, noch dass â wie Kivy verzerrend mutmaĂte â Text, Musik
und Ausdruck komplett arbitrÀr wÀren. Hanslick behauptet lediglich, dass eine
tendenzielle Bandbreite von musikalischer ExpressivitÀt diagnostiziert werden
mĂŒsste, mit der mehrere spezielle emotivistische Beschreibungen ausgeschlos-
sen werden können, die aber eben keine ursĂ€chliche Beziehung von GefĂŒhl,
Musik und Text sei, was ihre rein Àsthetische Wertigkeit in Hanslicks Defini-
tion letztendlich marginalisiert: âmelodies and other musical elements or pas-
sages can be suitable for the expression of feelings, but not in a way in which
they would be tied to the expression of only one particular feeling. The same
melody could express several different, even disparate feelings. In other words,
Hanslick takes musical elements to be indefinitely expressive.â1606
Wenn also auch Kivy und Davies die naheliegende VerknĂŒpfung ihrer
âKontur-Theorieâ mit Hanslicks VMS-Traktat offenkundig unterschĂ€tzt
haben, was auf der forcierten Auslegung von Hanslicks Argument beruht,
welche einer im analytischen Musikdiskurs verbreiteten Hanslick-Deutung
geschuldet ist, wurde dieses intimere VerhÀltnis von anderen Autoren deut-
lich gesehen. Klein hat unlÀngst bemerkt, dass Kivys These als ein Versuch
gelesen werden könnte, VMS ânoch einmal zu schreibenâ,1607 was GrĂŒny1608
und Eggers1609 ebenfalls vertraten, die den Konnex aber ĂŒber Langers Theorien
vermittelt einschÀtzt, was angesichts der Hanslick-Kenntnis von Kivy als ein
1605 Zu Hanslicks Gluck-Stelle sowie deren scheinbarer Problematik siehe vor allem: Kivy,
âKnow About Hanslickâ (wie Anm. 397); Yanal, âThird Thesisâ (wie Anm. 451). Vgl.:
Davies, Musical Meaning (wie Anm. 450), S. 208f.; Joseph P. Swain, Musical Languages,
New York/London 1997, S. 56â58; Nicholas Cook, Analysing Musical Multimedia, Oxford
1998, S. 94f.; Zangwill, âFeasible Formalismâ (wie Anm. 930), S. 623f.; Payzant, Sixteen
Lectures (wie Anm. 12), S. 48â50, 109 und 114â116.
1606 SreÄkoviÄ, âHanslickâs Formalismâ (wie Anm. 793), S. 119. Vgl.: ebda., S. 131.
1607 Klein, Musikphilosophie (wie Anm. 64), S. 191.
1608 GrĂŒny, Kunst des Ăbergangs (wie Anm. 1040), S. 166.
1609 Eggers, Ludwig Wittgenstein (wie Anm. 237), S. 14.
Re-Reading Hanslick's Aesheticts
Die Rezeption Eduard Hanslicks im englischen Sprachraum und ihre diskursiven Grundlagen
- Titel
- Re-Reading Hanslick's Aesheticts
- Untertitel
- Die Rezeption Eduard Hanslicks im englischen Sprachraum und ihre diskursiven Grundlagen
- Autor
- Alexander Wilfing
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-526-7
- Abmessungen
- 16.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 434
- Schlagwörter
- Eduard Hanslick, Formalismus, MusikĂ€sthetik, Musik und GefĂŒhl, Emotionstheorie, analytische Philosophie, New Musicology, Immanuel Kant, Peter Kivy, Stephen Davies, Edmund Gurney, Adam Smith
- Kategorie
- Biographien
Inhaltsverzeichnis
- Danksagung 7
- Vorwort und Inhalte 9
- 1. Tendenzen und historische Entwicklung der Hanslick-Forschung 17
- 1.1. Die historische Forschung zu Hanslicks VMS-Traktat 20
- 1.2. Hanslick und die âidealistischeâ Philosophie 25
- 1.3. Hanslick und die âösterreichischeâ Philosophie 35
- 1.4. Die soziokulturelle Kontextualisierung von Hanslicks VMS-Traktat 48
- 1.5. Die bisherige Forschung zur historischen Hanslick-Rezeption 62
- 1.6. Anhang â Hanslicks âtönend bewegte Form[en]â 75
- 2. These und Exkurs: Hanslick Methodik â Ăsthetik versus Kritik 83
- 3. Die historische Entwicklung der anglophonen Hanslick-Rezeption 117
- 3.1. Die erste englische Ăbersetzung von Hanslicks VMS-Traktat 120
- 3.2. Erste Konsequenz aus Poles Ăbersetzung: Differente Hanslick- Diskurse 125
- 3.3. Die anglophone MusikÀsthetik im 18. Jahrhundert: Beattie und Smith 136
- 3.4. Zweite Konsequenz aus Poles Ăbersetzung: Gurneys Power of Sound 146
- 3.5. The Beautiful in Music (1891) und On the Musically Beautiful (1986) 159
- 3.6. Anhang â Hanslickâsche Rezensionen in Dwightâs Journal of Music 176
- 4. Was ist Ă€sthetischer Formalismus? â Definition, Geschichte,Vertreter 179
- 5. Hanslick und die analytische Philosophie: eine produktive Rezeption 253
- Literaturverzeichnis
- AbkĂŒrzungsverzeichnis 329
- Quellentexte (Deutsch) 329
- Quellentexte (Englisch) 332
- Forschungsliteratur 333
- Namensindex 423