Page - 93 - in Hip Hop aus Ă–sterreich - Lokale Aspekte einer globalen Kultur
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94 HipHopausĂ–sterreich
AucheinigeRapperinnenbedienen sich einer ähnlich sexistischenSichtweiseund
Sprache,nurdassdabeiderMannundnichtdieFrauzumObjektdegradiertwird.Sie
wollensichmitihrer»[B]eingbad«-Attitüde(ebd.,S. 208)alsstarkeFrauenpräsentieren
undverwendendieseals subversivePraxis,umdurchUmdeutungKlischeesderMän-
nerzuentkräften.DieRapperinnenbenutzendabeiähnlicheTechnikenundBilderwie
ihremännlichenKollegen.WieKleinund
FriedrichaberinBezugaufdieseHaltungvon
Rapperinnenfeststellen,bedeutetdas,»daßFrauendenSpießzwarumdrehenkönnen,
derSpießabereigentlichnicht ihrer ist« (ebd.).DieAkteurinnenhandelndabeiweiter-
hindenSpielregelndesmännlichdominiertenHipHop-Feldeskonformundschreiben
damitnurdiepatriarchaleGeschichtedesHipHops fort,ohneeinewirklicheVerände-
rungderPositionderFrau indiesemFeldherbeizufĂĽhren (vgl.ebd.).
Andere wie Judith Butler sehen darin aber sehr wohl ein subversives Potential.
Durch Ironie, Parodie, Verfremdung und Zitat würde der männliche Normencodex
unterwandert, und dies könne zu dessen Transformation führen (vgl. ebd.). Daran
kritisieren Klein und Friedrich jedoch, dass wiederumnur von der Produktionsseite
ausgegangen und nicht die lebensweltliche Aneignung und Integration in den Alltag
derKonsumentInnenbetrachtetwird.Darin liegediedrittemöglicheLesartdesBeing-
bad-Konzepts der Rapperinnen.Erst imProzess des Aneignens in den eigenenAlltag
unddamit ineine lokaleSzenezeigt sich,aufwelcheWeisedieseglobalenBilder auf-
genommenundmöglicherweise dabei transformiertwerden.Wenn etwadie Parodie
derMänner nicht erkanntwird, geht diemögliche subversiveKraft der Rapperinnen
verloren (vgl. ebd., S. 208f.). »Erst in dem gelungenen performativen Akt liegt die
ChancederBildungdes ›SubjektsFrau‹auch imHipHopverborgen« (ebd.,S. 209).
MichaelRappeidentifiziertinseinerArbeitdarĂĽberhinausinderUS-amerikanischen
HipHop-Szenefünftypische»FemaleRoleModels«(Rappe2010,S. 195),diemanerken-
nen sollte, umverstehen zu können,wie Aussagen vonRapperinnen zudeuten sind.
ÄhnlichwiebeiGenreskönntendemnachRapperinnenmeistmehrerenRollenbildern
zugeordnet werden. Sich stĂĽtzend auf Ergebnisse der AutorInnen Keyes (vgl. 2002),
VölkerundMenrath(vgl.2007)undSokol (vgl.2004),entwickeltRappefünfKategorien
fĂĽrweibliche rolemodels imHipHop (vgl.Rappe2010,S. 195ff.):
a) queenmother,soulbzw.consciousnesssisterundtrueschoolMC
b) flygirls
c) sisterswithattitude,queenbitch,playeretteundGangster-Rapperin
d) Crew-Sahnehaube
e) lesbian
Erstere (Rappenennt alsBeispieleQueenLatifahundNonchalant) sind intellektuell, re-
flektierendundbewegensichmeist ineinemafrozentristischenKontext.Flygirls sind
modebewusst und selbstbestimmt, femininunderotischangehaucht,habenaber oft-
mals ähnliche Inhaltewie die Frauen inder erstenKategorie (bspw.Salt-N-Pepa,TLC,
Yo-Yo).VertreterinnenderdrittenGruppesindaggressive,arrogante,trotzigeFrauen,in
einempositivenSinnebad.Siebezeichnensichselbstbewusstalsbitchoderhoeunddre-
henhäufigdie typischeAttitüde vonGangsta-Rappernum (bspw.RoxanneShante,MC
Lyte,LilKim,MissyElliott).IndievierteKategoriefallenFrauen,dievorallemalsTeilei-
Table of contents
- Danksagung 7
- 1. Einleitung 9
- 2. Theoretische und methodische Ansätze 17
- 3. Geschichte der HipHop-Musik aus Ă–sterreich 25
- 3.1 Entstehung und Entwicklung der HipHop-Musik in den USA 26
- 3.2 Die vierphasige Einteilung der österreichischenHipHop-Geschichte 36
- 3.3 Ursprünge der österreichischen HipHop-Musik –Phase 1 (1981-1993) 37
- 3.4 Eine österreichische HipHop-Szeneentsteht –Phase2 (1992-1998) 49
- 3.4.1 Ghetto HipHop SoundSystem und Gainful Gallivants 51
- 3.4.2 Schönheitsfehler und die»Duck-Squad-Ära« 52
- 3.4.3 »DieKlass evon ’95«–Total Chaos, Texta und DasDampfendeEi 53
- 3.4.4 DasVermächtnis und Ende von DuckSquadPlatten 55
- 3.4.5 Aufkommen neuer (alter) HipHop-Labels und-Gruppen 56
- 3.4.6 Die aufkeimende HipHop-Szene in Linz 57
- 3.5 Zeit des Aufbruchs und Umbruchs–Phase3 (1998-2004) 58
- 3.6 Wachstum, Professionalisierung, Diversifikation–Phase4 (2005 bis heute) 80
- 4. Glokale HipHop-Kultur: Analyse der österreichischen HipHop-Szene und ihrer Musik 107
- 5. ResĂĽmee 287
- 6. Best of Listen österreichischer HipHop-Musik 293
- 7. Quellenverzeichnis 297
- Abbildungsverzeichnis 327
- Index 329